Frau auf Berggipfel

Ein Erlebnis, was nicht jeder genießen kann. © Travis Rigel Lukas Hornung under cc

Angsterkrankungen und Angstsymptome sind die häufigsten psychischen Vorkommnisse, die Leiden auslösen, so dass sich die Frage „Bin ich zu ängstlich?“ für viele Menschen im Leben stellt. Fast jeder kennt Angst und kaum einer mag sie leiden. Wie auch, sie ist ja angstauslösend. Dabei ist unser Verhältnis zur Angst im Grunde gar nicht zu ablehnend. Einen leichten Kitzel, etwas Angst, mögen wir schon. Was sollten Geister- und Achterbahnen, Krimis oder eine gewisse Sucht nach Gefahren und Spannung im Fernsehen und der Fokus auf schlechte Nachrichten und Katastrophen für einen Sinn haben, wenn nicht uns wohlige Schauder zu erzeugen?

Manche Menschen sind Adrenalin-Junkies, sie brauchen geradezu den Kick. Für ängstliche Menschen gilt das nicht. Sie können in der Regel nicht verstehen, wie man die Angst, in die man sich selbst begeben muss, auch noch suchen kann, sondern versuchen alles, was Angst auslösen könnte, zu vermeiden. Ihr größter Wunsch ist, dass man die Angst einfach ausknipsen könnte.

Wie schön wäre es, keine Angst zu haben?

In der Phantasie wäre das sehr schön und verständlicherweise wünscht man sich das umso mehr, je mehr man unter Ängsten leidet. Aber mit den Ängsten ist es wie mit den Schmerzen, eine völlige Freiheit von Angst ist eher ein Desaster, als ein Segen. Das Leben von Menschen ohne Schmerzen ist entsetzlich und auch angstfreie Menschen haben mitunter massive Probleme, bringen sich und andere in Gefahr. Oftmals sind Psychopathen relativ angstfrei.

Die Aussage, dass Ängste einen biologischen Sinn haben, macht viele echte Angstpatienten auch nicht sonderlich glücklich, weil das ihre persönliche Angst nicht mindert. Es hilft in den Fällen, in denen jemand Angst generell für falsch oder krankhaft hält, doch die meisten ängstlichen Menschen sind in Zeiten den Internets oft gut informiert und wissen, dass Angst einen evolutionären und individuellen Nutzen hat. Angst macht vorsichtig und schützt einen davor sich in Gefahr zu begeben.

Angst wird nur dann hinderlich, wenn sie auf einmal die selbstverständlichen Dingen des Lebens betrifft. Dann beginnt man langsam an sich zu zweifeln, weil ganz plötzlich Dinge des Alltags nicht mehr praktiziert werden können, die man manchmal Jahrzehnte vorher problemlos, und ohne darüber nachzudenken, bewältigt hat. Man versteht die Welt nicht mehr, wenn auf einmal eine unsichtbare Barriere hochgezogen scheint, wenn man einen Laden betreten will. Man denkt, man sei nicht mehr normal und wundert sich, warum bestimmte alltägliche Dinge einfach nicht mehr klappen wollen, mit denen die anderen offenbar keinerlei Probleme haben.

Doch die Erfahrung zeigt, dass es eher so ist, dass Ängste weit verbreitet sind, oft gar nicht als solche auffallen und wenn sie auffallen, sie verschwiegen oder fehlgedeutet werden.

Die Ängste ganz normaler Menschen

Vielleicht kennen Sie auch Menschen, die nicht mit dem Fahrstuhl fahren oder nicht fliegen. Manche sagen, ohne sich etwas dabei zu denken, dass sie nicht alleine in große Kaufhäuser gehen, da müsse immer der Mann mit. Andere fahren kein Auto oder mögen keine Enge und meiden diese dann. Sie gehen eben einfach nicht auf Volksfeste, Konzerte oder andere Formen des „Gedrubbels“. Allerdings sehen sie das vielleicht als lästig, aber als sonst nicht problematisch an.

Aber es gibt auch andere Kombinationen. Menschen, die an sich mutig sind, vielleicht sogar bestimmte Risikosportarten betreiben, aber es dann nicht schaffen mit dem Chef zu sprechen, weil sie bestimmte soziale Phobien haben. Oder Menschen, die als sehr mutig gelten, aber Angst haben anderen die Hand zu geben, weil ihre Hände schwitzen und ihnen das peinlich ist, wodurch vor Begegnungen, in denen man jemandem die Hand geben muss, riesige Spannungen aufgebaut werden. Man kann Angst vor dem Sprechen vor anderen haben, vor Erröten, davor, dass man anfängt zu stottern oder zu schwitzen. Dennoch kann es sein, dass die gleichen Menschen vollkommen problemlos einen Flieger besteigen und keinerlei Angst vor Hunden oder Spinnen haben.

Viele Menschen reduzieren ihre Ängste, ohne groß zu merken, dass sie solche haben, mit Alkohol. Sie trinken Alkohol zur Entspannung und das klappt gut. Weil es gut klappt, ist genau das die Gefahr, nämlich sich an den Alkohol zu gewöhnen, davon allmählich mehr zu brauchen, bis der entspannende Effekt eintritt, der Rest ist bekannt. Nicht wenige rutschen über eine unerkannte Angsterkrankung in eine Alkoholproblematik, die schlimmstenfalls in einer Sucht endet. Da im Falle einer Sucht auch dann Angst auftritt, wenn man sein Suchtmittel nicht mehr bekommt, wird die eigentliche Ursache immer mehr verschleiert.

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