Wenn ein Kind im Bauch heranwächst, gilt dies als eine intensive Zeit im Leben. Damit einhergehend stellt sich bei vielen Frauen eine große Zufriedenheit in der Schwangerschaft ein. Und dennoch vermag dieses Wunder der Natur manch werdende Mutter nicht »happy« machen. Woran es zum Beispiel liegen kann, wenn man keine Zufriedenheit in der Schwangerschaft spürt, und wie sich diese steigern lässt.

Patchwork, Partnerschaft oder doch lieber allein: Ein Kind großziehen

Persönlichkeitsfaktoren und individuelle Lebensumstände entscheiden darüber, wie zufrieden jemand in der Schwangerschaft ist. Eine im Jahr 2011 veröffentlichte Studie norwegischer Wissenschaftler zeigt, dass die Unzufriedenheit in der Beziehung bei den befragten schwangeren Frauen der stärkste Prädiktor für emotionalen Stress war (Røsand et al., 2011). Wohingegen Zufriedenheit in der Beziehung sogar ein protektiver, das heißt schützender, Faktor in Bezug auf die Herausforderungen in Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt zu sein scheint. So scheint die Zufriedenheit in der Beziehung unter anderem negative Effekte aufgrund von körperlichen Erkrankungen, niedrigem Familieneinkommen, unregelmäßigen Arbeitszeiten, Unzufriedenheit mit dem Job, Arbeitsstress sowie schwangerschaftsbedingter Arbeitsunfähigkeit abzumildern.

Wir leben in einer Zeit, in welcher man nicht zwingend eine klassische Ehe führen muss, um ein Kind zu bekommen. Vielfalt in den Familienstrukturen gehört in unserer Gesellschaft dazu. Entscheidend ist vor allem, dass alle Beteiligten sich mit dem gelebten Modell arrangieren können, um unnötige Spannungen und emotionalen Stress zu vermeiden.

Gespräche, ggf. Paartherapie, in Vorbereitung auf die Elternschaft

Schwangerschaftsbauch mit Händen der Eltern

Eine glückliche Partnerschaft kann die Zufriedenheit in der Schwangerschaft erhöhen. © Robin Salman under cc

In Bezug auf eine glückliche Partnerschaft sollte jedoch berücksichtigt werden, dass allein in Erwartung eines Kindes neue Reibungspunkte bei werdenden Eltern entstehen können, die zu mehr Streitereien und mehr Unzufriedenheit mit der Beziehung führen können und dementsprechend zu werten sind. Diese Streitpunkte können sich bis in die Zeit nach der Geburt fortsetzen, so lange bis man sich als Familie neu eingespielt hat.

Spürt man dagegen andauernde Unzufriedenheit in der Schwangerschaft, kann es von Vorteil sein, die externen Beziehungsumstände zu hinterfragen und das offene Gespräch zu suchen. Auch Partnerschaftsprogramme in Vorbereitung auf die werdende Elternschaft können hilfreich sein.

Alles wird anders versus Aus Eins wird Zwei

Vor allem für die werdende Mutter (natürlich auch für den werdenden Vater) hat eine Schwangerschaft mit einschneidenden Veränderungen zu tun. Nicht selten kommt die Schwangerschaft ungelegen und man ist gezwungen, sein Leben neu zu strukturieren. Schwangere Frauen beginnen oft, ihre bisherigen Lebensumstände zu hinterfragen, müssen sie doch in naher Zukunft nicht mehr nur für sich allein sorgen, sondern für einen zweiten Menschen Verantwortung übernehmen. Auch diese Sorgen können zur Unzufriedenheit in der Schwangerschaft beitragen. Weitere gewichtige Prädiktoren für emotionalen Stress in der Schwangerschaft waren in der genannten norwegischen Studie von Røsand et al. (2011): Unzufriedenheit im Job, körperliche Erkrankungen sowie Probleme mit Alkoholkonsum im vorangegangenen Jahr der Schwangerschaft.

Klärung der Lebensumstände

Die Forschergruppe um Røsand betont, dass vor allem bezüglich dieser Ursachen für emotionalen Stress bei schwangeren Frauen Interventionen ansetzen sollten. Bei der Betreuung von Schwangeren sollte der Fokus stärker auf das Erfragen von Ängsten und Sorgen gelegt werden, um von Seiten des medizinischen Personals sowie der Hebammen entsprechend intervenieren zu können. Schwangere selbst sollten ihrem eigenen Befinden gegenüber achtsam sein und gegebenenfalls (professionelle) Hilfe annehmen, da es eben nicht nur um ihre eigene Gesundheit geht, für die sie Verantwortung übernehmen müssen.

Ängste, Ärger, Depressionen in der Schwangerschaft

Schwangere in Kriegerposition

Fließende Bewegungen und Konzentration auf sich selbst für mehr innere Stärke in der Schwangerschaft. © Bonbon under cc

Wie ernst man Ängste, Wut und Depressionen in der Schwangerschaft nehmen sollte, zeigt die Studie von Field et al. (2003). Die Forscher fanden bei Schwangeren, welche hohe Angst-, (und damit einhergehend) Wut- und Depressionswerte hatten, Effekte auf die ungeborenen Kinder, in der Art, dass diese wesentlich aktiver waren sowie Wachstumsverzögerungen hatten. Darüber hinaus verbrachten die neugeborenen Kinder dieser Frauen mehr Zeit im Tiefschlaf und weniger Zeit im ruhigen, aufmerksamen Wachzustand. Sie wiesen weniger optimale Leistungen bei der Prüfung ihrer motorischen Fähigkeiten, eine geringere autonome Stabilität sowie schwächere Fähigkeiten, um sich für mehr Ruhe zurückzuziehen, auf.
Andere Studien fanden weitere Folgen mütterlicher Ängstlichkeit auf die Neugeborenen, wie zum Beispiel Auswirkungen auf Größe, Gewicht, Kopfumfang des Säuglings, sowie Veränderungen im Blutfluss, welche die Aufnahme von Nährstoffen beim Kind erschweren können (Shahhosseini et al., 2015).

Informationen, um Ängsten etwas entgegenzusetzen

Die Angst vor den Schwangerschaftsuntersuchungen, der Geburt sowie dem ungewissen Danach kann eine wesentliche Komponente im Angsterleben der werdenden Mütter sein. Hier kann ausreichende Aufklärung seitens des betreuenden Personals bei Ärzten oder den Hebammen sehr hilfreich sein (Ferm Widlund et al., 2009).

Zufriedenheit in der Schwangerschaft: Übergewicht und Körperbild

Auch das Körperbild ist in Bezug auf die Zufriedenheit in der Schwangerschaft nicht zu unterschätzen. Studien zeigen, dass übergewichtige Schwangere mit einem BMI über 35 sich in sozialen Interaktionen mit dem medizinischen Personal einer gewissen Überheblichkeit ausgesetzt fühlen (Davies, 2013). Sie fühlten sich nach eigener Aussage »gedemütigt und unwichtig während einer der wichtigsten Phasen ihres Lebens«. Die automatische Einstufung als Risikoschwangere, ohne genauere medizinische Werte, scheint einen Einfluss auf Wohlbefinden, Stress und Angst zu haben und demzufolge letztlich zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden zu können, so Davies (2013).

Gleichberechtigter Umgang mit allen Schwangeren

Frau auf Steg in Yogaposition

Yoga kann in jeder Phase der Schwangerschaft unter Berücksichtigung einiger Besonderheiten ausgeübt werden. © Bär Baer under cc

Insgesamt scheint es aber so, dass Frauen eine größere Körperzufriedenheit in der Schwangerschaft spüren, verglichen mit ihrer Körperzufriedenheit vor der Schwangerschaft, wie eine Langzeitstudie zeigt (Loth et al., 2011). Eine positive Botschaft, die Schwangeren durchaus vermittelt werden sollte und so zu einer positiven selbsterfüllenden Prophezeiung werden kann.

Unabhängig davon sollten seitens des medizinischen Personals etwaige Vorurteile hinterfragt werden, um einen gleichberechtigten Umgang mit allen Schwangeren zu gewährleisten.

Sport erhöht die Zufriedenheit in der Schwangerschaft

Genauso wie Sport den allgemeinen Gesundheitszustand steigert und das Wohlbefinden erhöht, kann Sport auch eine verstärkende Komponente hinsichtlich der Zufriedenheit in der Schwangerschaft sein. Aus Studien weiß man, dass bereits moderate physische Aktivität (mind. 30 Minuten an den meisten Tagen der Woche) Gesundheit und Wohlbefinden bei Menschen steigern kann (Melzer et al., 2010). Auch bei Schwangeren sind derlei positive Effekte hinsichtlich Gesundheit und Wohlbefinden zu beobachten – für die werdende Mutter genauso wie für das ungeborene Kind.

Effekte von Sport bei Schwangeren

In Anlehnung an Melzer et al. (2010) sind einige positive Effekte durch moderate körperliche Aktivität bei Schwangeren aufgeführt:

  • Verbesserungen in der kardiovaskulären Funktion
  • keine zu hohe Gewichtszunahme
  • weniger Unwohlsein in Bezug auf körperliche Veränderungen und bei Bewegungen
  • weniger Muskelkrämpfe und Lymphödeme
  • geringeres Risiko für Schwangerschaftsdiabetes und schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck
  • stärkere innere Stabilität und besserer Gemütszustand
  • einige Studien deuten auf »leichtere« Geburten hin und weniger Geburtskomplikationen

Effekte von Schwangerschaftssport auf das Kind

Positive Effekte von mütterlichem Sport auf die ungeborenen Kinder können sein (in Anlehnung an Melzer et al., 2010):

  • verringertes Risiko für zu hohes Körpergewicht
  • verbesserte Stresstoleranz
  • höhere verhaltensneurologische Reifung

Allerdings sollten bei schwangeren Frauen in Anbetracht ihres spezifischen Zustands einige Besonderheiten in der physischen Aktivität beachtet werden. So sollten unter anderem Kontaktsportarten sowie Sportarten, bei denen eine höhere Verletzungsgefahr besteht, vermieden werden.

Einer moderaten körperlichen Aktivität kann eine Schlüsselrolle in Bezug auf die Zufriedenheit in der Schwangerschaft zugeschrieben werden, da diese sowohl körperlichen Unstimmigkeiten wie zum Beispiel körperlichem Unwohlsein, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, Ängsten, Stress und Sorgen etwas entgegensetzen kann und so für mehr Selbstbestimmung, Selbstbewusstsein sowie stärkerem Wohlbefinden sorgen kann.

Quellen

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