Glück ist Zufriedenheit plus

rauchender Mensch, schwarzweit

Ob es am Rauchen liegt …? © Boris Thaser under cc

Zufriedenheit ist moderater und zeitlich ausgedehnter, sie bildet vermutlich das Fundament fürs Glück. Glück, das sind dann eher kurze Momente, die herausragen. Nicht immer, aber manchmal im Sinne von Gipfelerfahrungen. Aber viele Glücksmomente sind dezenter und machen dennoch, eben für einen Moment, glücklich.

Der Geruch eines zubereiteten Essens, was durch die Fenster in unsere Nase dringt, kann so ein Glücksmoment sein. Ebenso ein kurzes Lächeln eines anderen Menschen, ein sexuell verführerischer Anblick, aber auch andere Sinneseindrücke können uns Glück bescheren. Geschmäcker oder der Duft vom Wald in milder Sommerluft, die Pracht des Spiels der Wolken am Himmel. Ebenso die Begegnung mit Kunst, die uns berührt, überall lauern Glücksmomente und kleine Belohnungen und wenn es das berühmte Stück Schokolade ist.

All diese Glücksmomente ragen ein Stück weit über die normale Zufriedenheit hinaus, sind aber vermutlich von der Zufriedenheit abhängig. Wenn man unzufrieden ist, hat man weniger Möglichkeiten sich von den kleinen Glücksmomenten ansprechen zu lassen. Doch andersherum kann eine Folge kleiner Glücksmomente eine schlechte Stimmung oder ein unzufriedenes Leben in Richtung Zufriedenheit drehen. Zufriedenheit kann man lernen wahrzunehmen und glückliche Momente kann man sich selbst erlauben.

Dabei ist es manchmal einfach Glück zu empfinden. Man braucht nur so zu tun, als sei man glücklich. Wenn man entspannt lächelt und die Muskeln betätigt, die man beim echten Lächeln auch benutzt, wird man tatsächlich glücklich. Ähnlich ist es beim Lachyoga. Es wirkt fast verrückt, aber irgendwann wird aus einem imitierten Lachen ein echtes und, so erzählte jemand in einem Interview, der mal eine Zeit lang in Indien lebte, man wird dadurch tatsächlich froh. Das würde auch bei uns funktionieren, nur fällt man hier mit grundlosem Lachen sozial aus dem Rahmen.

Und nicht nur Lachen macht glücklich, natürlich auch anderes. Vom Essen, über Sex zu Bewegung und natürlich Beziehungen. Nur authentisch sollte es sein und das soll nicht heißen, dass man mit heiligem Ernst bei der Sache ist, sondern mit Lust und Laune. Glück und Zufriedenheit sollten schon auch Spaß machen.

Ein See voll Glück, oder: das Ende der Statistik

Macht mir mein Leben eigentlich Spaß oder anders ausgedrückt: Wie viele Dinge tue ich in meinem Leben um ihrer selbst Willen? Das ist eine Frage, die uns weiterhilft, wenn wir die Zahl unserer Glücksmomente oder die Basis der Zufriedenheit stabilisieren wollen. Manchmal müssen wir, bei der Frage nach Glück und Zufriedenheit, das Pferd wechseln.

Das soll heißen, dass man sehr unglücklichen Menschen offenbar durch ein Bündel von Rezepten, die sich wesentlich danach richten, was statistisch glücklich macht, zu größerer Zufriedenheit verhelfen kann. Gesundheit, Arbeit, Beziehungen, dafür kann man etwas tun, sich immer wieder daran zu erinnern, dass man glücklich sein darf, das bewusst einzuüben und in Ansätzen etwas wie Dankbarkeit zu entwickeln, auch das kann man trainieren. Meistens verstärken sich diese Bereiche auch noch gegenseitig. Wer sich unglücklich zu Hause vergräbt, soziale Kontakte immer weiter herunterfährt, weil er oder sie vielleicht auch keine Arbeit hat, der wird nicht attraktiver für andere, schämt sich, geht noch weniger raus, lebt womöglich immer ungesünder und zieht sich so immer stärker selbst herunter.

Die Gegenbewegung ist die, dass, wenn man etwas für sich tut und so über ein gewisses Maß an Selbstachtung verfügt, man auch für andere interessanter wird. Hier macht die Formel Glück = Anpassung Sinn, denn wer nach unten von der Norm abweicht, ist sozial nicht gut angesehen, vor allem, wenn dies in mehreren Lebensbereichen der Fall ist. Wer hingegen im besten Sinne so durchschnittlich ist, oder positiver formuliert die Erwartungen der Gesellschaft so weitreichend erfüllt, dass er sich nicht fortwährend erklären und rechtfertigen muss, der lebt mindestens einigermaßen entspannt.

Aber nicht jedem kann das gelingen und nicht jeder will das. Sich nun umtrainieren zu wollen, hat einen mehrfach ungünstigen Effekt. Wenn man nur Sport macht, weil man eigentlich abnehmen will und das nur will, weil man eigentlich einen Partner will. Wenn man sich für Dinge interessieren zu müssen meint, die einen eigentlich gar nicht interessieren, wenn man gesund lebt und dabei vergisst, dass man dabei auch Spaß haben kann, sondern ein gesundes Leben als leidiges Askese-Programm ansieht. Wenn man weggeht, um jemanden kennenzulernen und nur noch darauf fixiert ist, dann macht man irgendwann immer mehr Dinge im Leben nicht, weil man sie eigentlich gerne macht oder Freude an neuen Erfahrungen hat, sondern nur noch, um etwas anderes zu erreichen. Damit wird das Leben immer mehr zum Pflichtprogramm und das macht nun wirklich nicht jedem Freude. Es ist ja gerade die Summe der kleinen und größeren Glückserfahrungen, die sich zu einem See von Glück vereinen, der uns im besten Fall auch dann noch nährt und versorgt, wenn die Zeiten mal nicht so rosig sind.

Hier liegen die Grenzen der statistischen Ansätze. Wo es gelingt, jemanden in die Normalität einzufädeln und sich dieser Menschen mit den Normen, Werten und Zielen der Gesellschaft weitgehend anfreunden kann, wird sich seine Zufriedenheit ziemlich sicher vergrößern. Doch nicht immer ist das der Fall und dann muss der Blick und der Weg zu Glück und Zufriedenheit individueller werden. Doch mit einer simplen Variante vom Selbstverwirklichung ist es oft nicht getan, in der nächsten Folge gehen wir näher darauf ein.

Quellen