Sie kommen völlig unverhofft und sie sind wiederkehrend. Schwere Panikattacken, welche die Betroffenen überfallartig übermannen. Begleitet von Schweißausbrüchen, Herzrasen, Schwindel und anderen körperlichen Symptomen. Manche Betroffene fürchten bei einer Angstattacke verrückt zu werden. Andere haben Angst zu sterben. Ersichtliche Gründe für diese Attacken gibt es häufig nicht. Auch beim Schlafen werden manche von nächtlichen Panikattacken heimgesucht. Plötzlich schrecken sie im Bett auf, von Todesangst, Atemnot und Zittern überwältigt. Wenn zunehmend die Angst den Alltag beherrscht, weil man die nächste Panikattacke und alle damit verbundenen Symptome fürchtet, ist der Leidensdruck enorm. Stress entsteht, der die Wahrscheinlichkeit für weitere Attacken erhöhen kann. Und die Betroffenen sind mit ihrer Angst vor der Angst in einem Teufelskreis gefangen.

Panikattacken: Klinisches Erscheinungsbild

Zunächst einmal sollten die Symptome von Panikattacken spezifiziert werden, um genauer zu verstehen, worum es sich dabei handelt. Im ICD-10-GM-2018, einem psychiatrischen Klassifikationssystem, ist die Panikstörung als episodisch paroxysmale Angst unter F 41.0 »Andere Angststörungen« eingeordnet.

Psychiatrische Klassifikation der Panikstörung nach ICD-10

  • wiederkehrende schwere Angstattacken (Panik)
  • nicht auf spezifische Situationen oder Umstände bezogen
  • nicht vorhersehbar
  • begleitet von Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, Mundtrockenheit, Atemnot, Übelkeit, Bauchbeschwerden, Brustschmerz, Erstickungsgefühle, Schwindel etc.
  • Unsicherheits-, Ohnmachts-, Benommenheitsgefühle
  • Entfremdungsgefühle (Depersonalisation/Derealisation), man ist »wie in einem Traum« oder »selbst nicht richtig da«
  • Hitzewallungen, Kälteschauer, Kribbeln etc.
  • häufig sekundäre Furcht zu sterben, Angst vor Kontrollverlust, Ohnmacht beziehungsweise Angst, verrückt zu werden
  • plötzliches Auftreten, innerhalb von etwa zehn Minuten stärker werdende Symptome
  • Ausschlussdiagnose: Panikattacken in Verbindung mit einer depressiven Störung, organische Ursachen (wie z.B. Schilddrüsenüberfunktion) sowie Substanzmissbrauch

Häufig gekoppelt: Panikstörung mit Agoraphobie

Straße mit Menschen und Kran im Hintergrund

Öffentliche Plätze und Menschenansammlungen können für Betroffene mit Panikstörung und Agoraphobie ein Albtraum sein. © Clément Chéné under cc

Panikattacken können von jetzt auf gleich ohne ersichtlichen Grund auftreten. In den meisten Fällen ist die Panikstörung jedoch verbunden mit einer Agoraphobie. Bei der Agoraphobie mit Panikstörung kommt zusätzlich zu den Panikattacken die Angst vor bestimmten Orten hinzu, an denen im Falle des Auftretens einer Panikattacke eine Flucht nur erschwert möglich beziehungsweise mit der Angst, Aufsehen zu erregen (Peinlichkeitsgefühl), verbunden ist. Öffentliche Plätze und Menschenmengen oder Aufzüge können solche Orte sein, die Angst triggern.

Die Schwere der Symptomatik führt zu starkem Vermeidungsverhalten und demzufolge hohem Leidensdruck sowie zu deutlicher Lebenseinschränkung bei den Betroffenen.

Prävalenz der Panikstörung

Anhand von Studien ist davon auszugehen, dass die Lebenszeitprävalenz, d. h. der Anteil derer, die irgendwann im Laufe ihres Lebens einmal von einer Panikstörung betroffen sind, bei circa 3,9 % liegt. Das Ersterkrankungsalter für die Panikstörung kann durchaus variieren. Am häufigsten allerdings tritt die Panikstörung erstmals in der Adoleszenz beziehungsweise im jungen Erwachsenenalter auf. Ein zweiter Erkrankungspeak soll gegen Ende der dritten Lebensdekade zu verzeichnen sein. Retrospektive Patientenberichte zeigen, dass der Verlauf zwar chronisch, aber schwankend sein kann.

Komorbiditäten mit anderen Erkrankungen

Angststörungen sind die häufigsten psychischen Erkrankungen im westlichen Kulturkreis. Häufig treten sie in Verbindung mit anderen psychischen Störungen auf. So leiden etwa ein Drittel der Betroffenen mit einer Angststörung auch unter weiteren Angststörungen (spezifische Phobien, generalisierte Angststörung etc.). Auch affektive, somatoforme beziehungsweise Suchterkrankungen liegen bei nahezu 50 % der Betroffenen vor.

Besonders häufig ist die bereits angesprochene Komorbidität von Panikstörungen mit Agoraphobie. Zudem ist das erhöhte Risiko, zusätzlich eine depressive Störung zu entwickeln, zu berücksichtigen.

Diagnostik und Intervention bei Panikstörungen

Apartment mit Holzfußboden und Sofa

Das eigene Heim kann für Menschen mit Panikstörung Zuflucht sein. Oder aber die Angst vorm Alleinsein verkörpern. © Maia Valenzuela under cc

Zur diagnostischen Erhebung wird im klinischen Kontext häufig die PAS eingesetzt, die Panik- und Agoraphobie-Skala von Borwin Bandelow. Die PAS erfasst den Schweregrad der Symptome bei Personen mit Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie innerhalb der vergangenen Woche. Sie liegt als Selbst- (Patienten) sowie als Fremdbeurteilungsfragebogen (Kliniker) vor. Erfasst wird der Status zu fünf Bereichen, welche die Lebensqualität der Betroffenen besonders einschränken können, also hinsichtlich der Panikattacken, der agoraphobischen Vermeidung, der antizipatorischen Angst (Erwartungsangst beziehungsweise Angst vor der Angst), der Einschränkungen im Leben/Alltag sowie der Befürchtungen des Patienten in Bezug auf seine Gesundheit.

Wenn die Angst den Alltag beherrscht: Was tun?

Die Psychologen Prof. Dr. Thomas Fydrich und Christiane Janßen von der Humboldt-Universität zu Berlin haben einige Aspekte aufgeführt, welche die Panik verstärken können:

  • Viel Kaffee sowie alkoholhaltige Getränke trinken
  • Medikamenteneinnahme
  • Sport/körperliche Anstrengung
  • Emotionale Ausbrüche
  • Sexuelle Beziehungen
  • Horrorfilme, medizinische Dokumentationen oder traurige Filme
  • Aufenthalt im Freien bei zu heißem oder zu kaltem Wetter
  • Bewusstsein darüber, keine medizinische Versorgung in der Nähe zu haben
  • Hektik, Stress, Anspannung

Therapeutische Intervention

Fydrich und Janßen benennen in Bezug auf das Vorgehen bei der Intervention von Panikstörungen unter anderem eine gute Vorbereitung des Patienten auf die Therapie sowie die Erarbeitung gemeinsamer Ziele und der Behandlungsmethode. Darüber hinaus ist die Aufklärung des Betroffenen über seine Störung ein wichtiger Therapiebaustein. Was bedeutet diese Störung? Wie sehen die damit einhergehenden körperlichen Prozesse aus? Was hat zur Entstehung der Panikstörung geführt?
Eine kognitiv-behaviorale Intervention ist angedacht. Zum einen sind Übungen in der Realität vorgesehen, Konfrontation und Erprobung von neu gelernten Strategien im Umgang mit den Situationen. Zum anderen soll eine kognitive Umstrukturierung beim Betroffenen erreicht werden (Bearbeitung der angstauslösenden Gedanken). Ein adäquater Umgang mit Stress sowie das Verändern psychosozialer Belastungsfaktoren sollten ebenfalls Bestandteile einer therapeutischen Intervention sein.

Wenn die Angst den Alltag beherrscht und Panikattacken zu einem lebensbestimmenden Element werden, ist eine sorgsame Diagnostik und darauf gut abgestimmte therapeutische Intervention angeraten.

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