Andere Glaubenssätze können das innere Kind heilen

Graffiti: inneres Kind

Hat das innere Kind Zeit rauszukommen und zu spielen? © Davidlohr Bueso under cc

Das ist die gute Nachricht. Man kann seine Glaubenssätze tatsächlich verändern. Nach Stefanie Stahl bedürfen nur diejenigen einer Therapie, die aus Gründen, die ihnen selbst nicht bewusst sind, nicht gesund werden wollen. Es gibt wie bei allen Methoden jedoch auch hier Vorbehalte, etwa, wenn eine Abspaltung gewisser Teile der Psyche, etwa nach einem echten Psychotrauma vorliegen. Versuchen kann man es dennoch, nur dann vielleicht unter therapeutischer Aufsicht.

Entscheidend soll sein den wichtigsten Glaubensatz zu erkennen und umzuwandeln. Ist natürlich auch nicht so leicht, denn woher soll man wissen, welcher der wichtigste ist, der leuchtet ja nicht rot auf oder piept auch nicht. Mit ein wenig Übung und Aufmerksamkeit kann man allerdings die prägenden Sätze ausfindig machen, etwa wenn man sich vorstellt, sich in neue Situationen zu begeben. Menschen, die sich weniger zutrauen, sehen das nicht als spannende Herausforderung, sondern präsentieren gleich die Gründe dafür, warum das nicht geht.

Entweder es ist tatsächlich nichts für sie, kann ja sein, dass jemand keine große Lust auf eine weite Reise hat, aber nicht selten auch deshalb, weil man es sich nicht zutraut, weil heimliche Ängste und Befürchtungen da sind, die für einen selbst eine Nummer zu groß sind. Hinter den Begründungen hierfür findet man oft die verborgenen Glaubenssätze, umso mehr, je häufiger man Vorschläge aller Art verweigert.

Eine erste gute Herangehensweise ist die Glaubenssätze darauf abzuklopfen, ob sie eigentlich stimmen. So gut wie alle Kinder hören irgendwann, dass die faul seien, aber gilt das eigentlich, wenn man dieses Urteil wieder und wieder innerlich hört, tatsächlich heute noch für mich? Es kann sein, dass Menschen sich halb tot ackern und immer noch denken, sie seien faul, denn da ist diese innere Stimme: „Ich bin so faul.“ Vielleicht identifiziert man sie als die Stimme der Mutter und vielleicht ist diese bereits verstorben oder man hat keinen Kontakt mehr, wartet auf die erlösenden Worte aber gerade von ihr.

Das kann man aus der Sicht des heutigen, erwachsenen Menschen verstehen und so gut wie jeder ist in der Lage für ein Kind, was von der Mutter kritisiert wurde, Verständnis zu haben. Auch, wenn man slebst dieses Kind ist. Das traurige, geschockte oder verletzte Kind wünscht sich Sehnsüchte die Erlösung von der Mutter, aber es gibt Situationen in denen dieses Happy End nicht vorkommt, was dann? Dann übernimmt man selbst, als inzwischen erwachsener Mensch diese Rolle, nimmt aus dieser Position heraus das innere Kind in den Arm, tröstet es und erklärt ihm die Situation, die er heute selbst viel besser verstehen kann, als das Kind das eingeschränkte oder oft auch gar keine Fähigkeit dazu hatte. „Jeder sagt mal aus der Aufregung oder dem Ärger heraus, einen Satz, der kein abschließendes Urteil sondern eine Momentaufnahme war. Sie hat Dich dennoch immer geliebt.“ Das könnte die Botschaft an das innere Kind sein, dass von einer Bemerkung im Affekt tief getroffen ist.

Tatsächlich ist das, was ein psychisch verletztes Kind als schweres Gepäck mit durch sein Leben schleppt, eben ein Problem aus der Sicht eines Kindes. Würde man einem Erwachsenen, der sich im komplexen Alltag halbwegs bewährt mit derartigen Glaubenssätzen kommen, würde dieser oft nur mit den Achseln zucken und ungerührt sagen: „Na gut, wenn Du meinst.“

Öfter hat man es jedoch mit den genannten Endlosschleifen von Sätzen zu tun, die immer wiederholt werden. Verletzend sind oft die Bemerkungen, die sehr persönlich sind und das Aussehen oder bestimmte vermeintlichen Charakterzüge entwerten. Das wesentliche Element ist jedoch, dass Kinder, in ihrer typisch kindlichen Art, die nicht zu vermeiden ist, die Reaktionen der Eltern sehr oft auf sich beziehen. Kommt dann noch eine Bemerkung hinzu, wird die Sache rund und das Kind denkt, dass die Eltern böse oder traurig sind, weil das Kind etwas falsch gemacht hat. Sind die Eltern öfter böse oder traurig, kann das Kind denken, mit ihm selbst stimme ganz grundsätzlich etwas nicht: Mama oder Papa lieben mich nicht, weil ich dumm, faul, hässlich, schmutzig oder böse bin.

Hier gilt es mit dem eigenen Erwachsen-Ich dem Eltern-Ich von damals die Kraft zu nehmen das eigene Kindheits-Ich stellvertretend zu behüten, auch um sich die wunderbaren Eingenschaften der Kindheit, wie eine unverstellte Neugier, Spontaneität, Begeisterung und wirklich im Moment zu sein, zu erhalten oder wieder zu erlangen. Oft kann man hier diverse Ansätze kombinieren, das bewusste Verstehen, die Imagination eines Kindes, das man liebevoll im Arm hält und verständnisvoll anlächelt.

Das innere Kind in anderen Therapiemethoden und grundsätzliche Fragen

Man kann von der Methode das innere Kind zu heilen halten, was man will, sie hat einen entscheidenden Vorteil, nämlich ziemlich gut zu wirken, was für den Betroffenen ein gutes Argument ist. So gibt es neben der fortlaufend weiter entwickelten Transaktionsanalyse, auch noch weitere Methoden, die mit dem inneren Kind arbeiten. Nahezu alle imaginativen Ansätze können die Arbeit mit dem inneren Kind integrieren, viele körpertherapeutische Anätze können dies ebenfalls und all das wird auch bereits getan.

Die katathym-imaginative Therapie, die Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie, EMDR, Hakomi, die Hypnotherapie so wie Ansätze aus der systemischen Therapie können hier beispielhaft genannt werden. Auch die Reinkarnatonstherapie, die Muster, nicht Ursachen in ‚früheren Leben‘ oder eben musterhaften Bildgeschichten sucht, ist hier ein denkbarer Ansatz, zumal in ihr, das verbundene Atmen bereits ein fest integrierter Bestandteil ist, das wenigsten der Überzeugung vieler Atemtherapetuen nach, Geburtsmuster aufdecken kann.

Das innere Kind zu heilen oder sein Leid zu lindern, ist ein schöner Therapiebaustein, der in viele andere Therapiemethoden eingebaut oder mit diesen kombiniert werden kann. Die Kritik an dem Ansatz ist, dass er im Grunde seicht ist und die wesentlichen und tieferen Aspekte psychischer Dynamiken gar nicht oder nur sehr oberflächlich bearbeitet. Allerdings erleben wir seit Jahren eine Trendwende in den Psychotherapie, die vom Verstehen von Zusammenhängen, in Richtung der Veränderung geht. Die ehemaligen Antipoden der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie gleichen sich dabei immer mehr an und es werden auch noch die ebenfalls in ihrer Wirkung lange Zeit sehr unterschätzten und stiefmütterlich behandelten.

Man muss nicht immer alles verstehen, viel kann auch auf der körperlichen, imaginativen und emotionalen Seite passieren. Die Gefahr dabei ist, dass Ansätze, die zu wenig reflektieren, aber dennoch funktionieren, zu einer Verflachung führen und einer weiteren Funktionalisierung und Instrumentalisierung von Beziehungen und ehedem komplexerer Ideen Vorschub leisten. Die positive Variante wäre, dass wir Module kennen lernen, die sich zu einem neuen psychotherapeutischen Gesamtkonzept vereinen, wie wir es heute schon bei einigen Störungen stehen, etwa bei Depressionen. Hier geht es nicht nur um die Kombination von Psychotherapie und Medikamenten, sondern Bewegung ist für die Depressionstherapie essentiell, die Orientierung an Lebensrhythmen und dergleichen.

Analog der multimodalen Schmerztherapie, die auch nicht nur eine beliebige Mischung darstellt, sondern ein fein auseinander abgestimmtes Konzept mit festen Bausteinen (sofern es sich um eine echte multimodale Schmerztherapie handelt, nicht nur um einen Verkaufstrick). Das innere Kind könnte sich als ein fester Baustein in einer solchen muiltimodalen Psychotherapie erweisen.

Quellen