Einige große Krankheiten der Gegenwart

Freundinnen

Beziehungen sind ungeheuer wichtig für die körperliche Gesundheit. © Mike Nelson under cc

Rückenschmerzen gehören zu den Hauptproblemen vieler Menschen in Deutschland. Gewöhnlich schiebt man die Probleme auf Faktoren wie das Alter, dann ist von Abnutzung die Rede oder davon, dass man eben hart gearbeitet hat. Doch Studien haben ergeben, dass harte Arbeit überhaupt kein Risikofaktor ist, da Menschen mit leichter körperlicher Tätigkeit gleich viele Probleme hatten. Untersucht man die Wirbelsäule von Menschen, die im Alltag völlig gesund und beschwerdefrei sind, was Rückenprobleme angeht, stellt man fest, dass bereit bei der Hälfte aller 30-Jährigen ausgeprägte Degenerationserscheinungen der Rückenwirbel im MRT zu sehen sind, bei den beschwerdefreien 50-Jährigen sind es bereits 80%, im noch höheren Alter dann so gut wie jeder. Objektiver Befund und subjektive Beschwerden korrelieren kaum.

Was die Bandscheibe tatsächlich ruiniert sind erstaunlicherweise, so zeigten Meta-Analysen von wissenschaftlichen Studien, ganz andere Faktoren, nämlich: Rauchen, Diabetes, hoher Blutdruck, ein zu hoher Cholesterinspiegel und Bewegungsmangel, allesamt kennen wir diese als Risikofaktoren für Herz/-Kreislauferkrankungen. Nun fördern diese, verwirrenderweise, auch die Degeneration der Bandscheiben. Man weiß noch nicht, ob der gemeinsame Mechanismus die Verbesserung der Durchblutungssituation ist, für die Praxis ist das aber zunächst auch nicht wichtig, denn wer diese Bereiche verbessert tut zugleich etwas für Herz, Adern und den Rücken.[1]

Einer der nicht zu unterschätzenden Aspekte ist dabei die Bewegung und grob kann man sagen, egal welche Art von Bewegung, Hauptsache, man bewegt sich. Bewegung ist aber wiederum nicht nur gut für Herz, Adern, den Rücken und die Gelenke, sondern auch für die Haut, die Verdauung, das Immunsystem und für die Psyche. Sowie für Schmerzen aller Art, bei denen Bewegung einer der Hauptfaktoren zur Besserung ist[link]. Oft sogar gegen die Intuition der Betroffenen und alte Vorstellungen der Medizin, die erst mal Schonung empfehlen. Das gilt heute nur noch für wenige, spezielle Ausnahmen, alles anderen profitieren von der Bewegung. Stents
(zur Gefäßerweiterung des Herzens) bringen in aller Regel nicht viel
, der Abendspaziergang hingegen bringt immer etwas, buchstäblich jeder Schritt zählt. Aber nicht nur Schmerz- und Herz-Patienten profitieren von der Bewegung, auch für die Therapie von Depressionen ist die Bewegung nahezu unerlässlich. Depressionen[link] gelten einerseits als die zweithäufigste psychischen Erkrankungen, gleichzeitig jedoch auch als Stoffwechselstörung, also eine körperliche Erkrankung, aber die Einteilung in körperlich oder psychisch ist ohnehin nicht sonderlich sinnvoll, da die Psyche mittelbar allen Erkrankungen beteiligt ist. Nach einem Herzinfarkt ist einer der entscheidenden Größen, die vor einem weiteren und gefährlichen zweiten Infarkt schützt, dass eine eventuelle Depression behandelt wird.

Bewegung schützt auch vor weiteren Erkrankungen oder Risikofaktoren, nämlich dem heute verbreiteten Übergewicht und dem Stress, den man durch Bewegung gut abbauen kann. Wir erkennen hier bereits, wie ein einziger Punkt einen positiven Einfluss auf eine Vielzahl gravierender Erkrankungen hat. Und das gilt auch für die weiteren Bausteine.

Man kann es sehr kompliziert machen oder ganz leicht

Kompliziert wird es, wenn man sich alles in eine mordsmäßig lange to-do-Liste übersetzt, die berücksichtigt, was gut für welchen Teil des Körpers ist, die man dann genau verstehen und pflichtgemäß abarbeiten muss. Dann gibt es dies, das und jenes zu berücksichtigen und sehr schnell ist alles ungeheuer kompliziert und für viele Menschen anstrengend, es sei denn man ist ein Fan, komplizierter Listen, das gibt es durchaus.

Wenn man es sich leicht machen möchte, geht man am besten von sich selbst aus und schaut, was einem Spaß macht. Eine der Schwierigkeiten unseres Lebens besteht oft darin, dass wir die Dinge, die Spaß machen künstlich von denen trennen, die gesund sind. Wir wissen schon was uns Freude macht, außer bei Depressionen. Nimmt man uns das weg, sind wir beleidigt und bereits im Widerstand. Schaltet man auf stur und nur noch auf Spaß, lässt man alles andere sausen und verlässt die Couch nicht mehr, weil man den kick selbst findet oder beigebracht bekommen hat: fettig, süß und vor allem ständig Essen, Pornos schauen und dabei masturbieren, rauchen und trrinken, kaufen und spielen. Nicht was man kauft oder spielt, sondern dass man es tut, ist der entscheidende Punkt, nämlich der, der Dopamin ausschüttet, Drogen machen nichts anderes, als noch mehr davon frei zu setzen. Auf einem Dopamin High zu surfen kann erhebend sein, allerdings wird alles andere dann entsprechend farblos und öde, das fiese Ende aller künstlichen Highs ist sehr oft die Depression.

Bewegung setzt auch Dopamin frei, man muss sich aber zunächst überwinden. Schafft man das, wird man vom Körper doppelt belohnt, weil man sich überwunden und bewegt hat. Besser ist es jedoch, die Schranke, dass alles was schön ist keinen Spaß macht, aus dem Kopf zu kriegen und einfach Spaß und Freude zu haben, denn auch das ist einfach:

„Die beiden Studien The Grant Study und The Glueck Study beschäftigten sich über 75 Jahre lang mit dieser einen Frage: Was macht den Menschen wirklich glücklich? Die Forscher beobachteten über 600 Menschen über diese Jahrzehnte, verfolgten ihre Lebensgeschichten, testeten ihre Blutbilder, scannten ihre Gehirne. Für die Dauer der Studien öffneten diese Menschen die Fenster zu ihren Leben. Einige der Proband*innen sind bereits gestorben, mit anderen stehen die Forscher*innen immer noch in Kontakt.

Nach einer Analyse dieser unvorstellbaren Massen an komplexen Daten bleibt laut Robert Waldinger, der Teile der Studie betreute, eine Kernerkenntnis: „Gute Beziehungen machen uns glücklicher und gesünder. Punkt.“ Die Betonung liege dabei auf gut, wie Waldinger in einem Vortrag für TED erklärt. „Es geht nicht um die Anzahl der Freunde, oder ob man in einer verpflichteten Beziehung steckt. Es ist die Qualität der nahen Beziehungen, die zählt.“

Die Qualität einer Beziehung erkenne man daran, wie sicher man sich selbst in ihr fühle, während man sein Innerstes mit anderen teile. Daran, wie verwundbar wir dabei seien, wie tief die Beziehung gehe. Und daran, ob wir uns in ihr entspannen können und wir so sein können, wie wir sind; aber auch den*die andere*n so zu schätzen, wie er*sie ist.
Es ist demnach weder Geld, noch körperliche Gesundheit, was uns glücklich macht.“[2]

Es ist also sinnvoll stabile Beziehungen zu suchen, um glücklich zu werden.

Spaß und Unbeschwertheit kombinieren

Gerade um die Erfahrung zu machen, dass etwas für die eigene Gesundheit zu tun, kein leidiges Pflichtprogramm ist, sollte man von Anfang an darauf achten, dass es Freude macht. Bewegung an frischer Luft ist dabei prima, sei es Gartenarbeit, das Spiel mit den Kindern oder Enkeln, die Radtour mit Freunden, wenn im Idealfall die Arbeit auch noch Freude macht, ist das auch nicht schlecht.

Mal wieder ausgehen und Spaß haben, ein Konzert, eine Kirmes, ein Kabarettprogramm, sich in einem Restaurant oder bei einem Wellnesswochenende verwöhnen lassen, oder worauf man eben gerade Lust hat. Noch besser ist auch hier aktiv zu werden, Musik zu machen, zu schreiben, Freunde zu besuchen, um wieder zu erleben, dass man nicht passiv davon abhängig ist, was die Welt einem schenkt, sondern für sein Glück und seine körperliche Gesundheit selbst sorgen kann.

Wenn man so viele Menschen um sich nicht dauernd braucht, kann man auch alleine durch den Wald spazieren gehen und die Umgebung wieder bewusster wahrnehmen. Das Grün des Waldes entspannt, die Bewegung, die Luft, all das tut gut, Bäume stoßen sogar Stoffe aus, die das Immunsystem des Körpers anregen, hier ist also ein Ort an dem man tatsächlich Kraft tanken kann. Das Immunssystem profiert wesentlich davon, dass wir entspannt und schützt uns dann auf ziemlich geniale Weise vor einer Unzahl von Krankheiten, umso mehr, je mehr man ihm zumutet. Das Immunsystem braucht Aufgaben und will kämpfen. Wir müssen uns nicht kleinlich vor allem schützen, es reicht, wenn man weiß, wo man aufpassen sollte, ansonsten knüppelt unser Immunsystem so ziemlich jeden Feind nieder, dafür ist es fast fünf Milliarden Jahre lang optimiert worden.

Riesige Teile des Immunsystems sitzen im Darm und auch der profitiert von Bewegung, wie uns Bücher wie etwa Darm mit Charme gut verdaubar nahe bringen.

All diese Erkenntnisse kommen aus der wissenschaftlichen Medizin, auch wenn vielen Alternativmedizinern vieles davon schon lange klar war. Die Wege, die die Disziplinen gehen waren und sind verschieden, freuen wir uns, wenn am Ende für uns etwas Sinnvolles dabei herauskommt, was obendrein auch noch leicht umzusetzen ist und von Spezialisten bestätigt wird, denn gerade sie werden im Rahmen ihrer Spezialisierung oft auf die Vielzahl der Zusammenhänge aufmerksam. Es ist nie zu spät anzufangen. Hieß es früher, im Alter lohne sich weder körperliches Training noch Psychotherapie, doch das ist alles überholt, wer will, der kann in jedem Alter anfangen und erstaunliches bewegen, vor allem sich und die eigenen Muster.

Die subjektiven Faktoren sind für Patienten wegweisend und viel wichtiger, als die objektiven, auf die man zuvor vertraute. Prophylaxe und Therapie gehen so fließend ineinander über denn glücklich zu sein, gute Beziehungen zu haben körperlich und geistig flexibel zu bleiben oder zu werden, setzt neue Vorzeichen. Die Qualität schlägt dabei die Quantität, die berümhten 500 Social Media Freunde sind nichts wert, die eine beste Freundin aber jede Menge und selbst beim Lebensalter ist es so, dass 20 Jahren längeres Überleben in Isolation nicht immer die bessere Option ist, als ein qualitativ erfülltes und glückliches Leben.

Körperliche Gesundheit, tiefe Beziehungen, einen Sinn im Leben zu sehen, vielfältig und mit Spaß aktiv zu sein und einige ausgewählte Angebote der Welt dankbar annehmen und diese eigenen Ideen bereichern, dieses Spiel auf Gegenseitigkeit funktioniert auf allen Ebenen. Auch Kreativität und Phantasie sind Bausteine einer Medizin, die neben weiterer Spezialisierung immer mehr zu einer multimodalen Medizin werden wird, die Innen und Außen, Phantasie und Realität, Körper und Psyche verbindet, weil sie ohnehin verbunden sind.

Quellen