Gewalt hat viele Formen. Sie zeigt sich nicht zwingend über Schläge. Viel häufiger im Umgang mit dem Partner oder den Kindern ist die psychische Gewalt. Auch in welcher Konstellation sie stattfindet, hat viele Gesichter. So kann sie zum Beispiel nur von einem Partner ausgehen, wohingegen der andere in einer Art emotionaler Demutshaltung verharrt. Hierbei sind klassischerweise oft die Frauen betroffen, und die Männer sind die, welche psychische Gewalt ausüben. Der umgekehrte Fall existiert dennoch – und zwar häufiger als wir denken. Nur oder gerade weil Männer als Opfer nicht dem Klischee entsprechen, wird diese Variante häuslichen Terrors nur selten thematisiert. Psychische Gewalt kann ebenso von beiden Partnern in die Beziehung getragen werden, was so manches Mal in diversen Medien als temperamentvolle Streiterei abgetan wird.

Wer betroffen ist oder es zumindest vermutet, will nicht lange lesen müssen. Deshalb fangen wir gleich mit der Aufzählung an.

Psychische Gewalt: Wo fängt psychische Gewalt an?

Punkte, bei denen man hellhörig werden sollte.

Isolation

Der Partner wird isoliert. Seine Freunde bzw. Familie werden als problematisch abgetan. Dies kann bis zum Kontaktverbot, Sperren des Telefons oder Einsperren des Partners gehen.

Liebesentzug und Ignorieren

Zeichnung einer Person vor dem Fenster

Isolation als eine Form psychischer Gewalt
© Camilla under cc

Vor allem bei Kindern ist diese Form emotionaler Gewalt eine gern genutzte Methode. Teilweise wird diese Maßnahme sogar als Erziehungsmethode gedeutet. (»Du warst nicht brav, deshalb hab ich dich gerade nicht mehr lieb.«)

Aber auch zwischen zwei Partnern ist Ignorieren ein Merkmal psychischer Gewalt. Nicht mehr zu reden, wegzugehen, keine Antwort auf Messages – dienen als Bestrafung des anderen.

Drohungen und Einschüchterungen

Zu drohen, sich selbst oder andere zu verletzen, nicht nur körperlich, sondern auch emotional, ist ebenfalls eine Form psychischer Gewalt. Darüber hinaus finden sich Drohungen, Außenstehenden Geheimnisse zu verraten. (»Dann erzähle ich dem Kind, das wir uns trennen. Es soll wissen, was du getan hast.«)

Penetranz und Übergriffigkeit

Nicht von dem anderen ablassen und wiederholt die Grenzen des anderen überschreiten, sind außerdem eine Form psychischer Gewalt, ebenso wie den anderen in die Ecke zu drängen, seine Bedürfnisse nicht zu akzeptieren oder Druck auszuüben.

Manipulation und Abwertung

Menschen, die vor psychischer Gewalt nicht zurückschrecken, spielen Psychoterror-Spielchen mit dem Gegenüber. Sie manipulieren und loten dann die Reaktion des Gegenübers aus. Auch Abwerten des anderen ist eine sehr übliche Methode psychischer Gewalt. (»Du hast mich dazu gebracht, weil du Verhalten XY an den Tag gelegt hast.«, »Du bist so hässlich.«) Auch gezielte Abwertung in der Öffentlichkeit wie Lächerlich machen beziehungsweise die Frau als das Problem darstellen, zählen dazu.

Stalking und Eifersucht

Die Verfolgung des anderen nicht nur in der realen Welt, auch in der virtuellen, ist eine Form psychischer Gewalt. Dahinter steht die totale Kontrolle über den anderen.

Rasende Eifersucht ist kein Ausdruck von Liebe, sondern dahinter steht Besitzdenken. Man beansprucht den anderen für sich. Oft wird der andere als Objekt wahrgenommen, über dessen Stand man verfügen kann.

Psychische Gewalt: die Täter

Menschen, die gewalttätig sind, haben oft selbst Gewalterfahrungen in der Kindheit erlitten. Dies darf dennoch nicht als Entschuldigung für ihr Verhalten dienen. Der Ausüber psychischer und körperlicher Gewalt hat die Wahl, sein Verhalten zu ändern. Darauf zu warten und immer wieder zu hoffen, gerät zu einem Teufelskreis.

Abwechselnd kommen Phasen mit Versprechungen und Zuwendungsbekundungen. Dann soll wieder alles in Ordnung sein. Eine Angstspirale folgt. Man weiß nie, was als nächstes kommt. Denn psychische Gewalt kann jederzeit in körperliche übergehen. Vor allem Kinder sind dem Verhalten schutzlos ausgeliefert. Von Hause aus sind sie auf Bindungen orientiert und demzufolge per se in einem Ungleichgewicht zu ihren Eltern. Auch Frauen, die in einer sozialen Abhängigkeit vom Partner sind, sind häufiger betroffen. Der Grad von psychischer Gewalt ist ein schmaler. Sich Beratung (z.B. hinsichtlich Scheidung) beziehungsweise Hilfe zu holen, ist der erste Schritt, um sich aus der Opferrolle hinauszubegeben.