Fremdsuggestion

Einhorn

Denken Sie jetzt nicht an eine Einhorn … kaum möglich, es zu vermeiden. © theaelix under cc

Wird eine direkte oder indirekte Suggestion einem anderen Menschen erteilt, spricht man von Fremdsuggestion. In der Therapie kann die Macht der Suggestion konstruktiv und zum Wohle des Patienten genutzt werden, auch die Fremdsuggestion. Hierzu dient meist ein kurzer Satz, aus dem das Suggestionsziel klar und eindeutig hervorgeht. Zwei Beispiele: „Entspanne dich jetzt!“ oder „Schließ‘ bitte das Fenster!“.

Je nach Charakterstruktur reagieren Menschen auf direkte Suggestionen sehr unterschiedlich. Ein kooperativer Mensch (Show-Hypnotiseure suchen diese gezielt aus) reagiert auf direkte Aufforderungen eher positiv als ein Mensch, der zu Widerspruch neigt. Direkte (autoritäre) Suggestionen scheitern im Lebensalltag oft am Widerstand einer Person die Suggestion zu befolgen, da sie leicht Konflikte erzeugen, wie etwa: „Ich lasse mir nichts befehlen.“

Eine indirekte Suggestion sagt dem Patienten nicht, was er tun soll, vielmehr wird das Suggestionsziel auf sanfte Weise angestrebt. Zwei Beispiele: „Während du meine Stimme hörst und entdeckst, wie einfach du dich entspannen kannst, werden die Gedanken bereits weniger“ oder „Es könnte jetzt an der Zeit sein, dass der Raum ausreichend belüftet ist“.

Indirekte Suggestionen fördern Potentiale und natürliche Reaktionstendenzen, ohne autoritär oder kontrollierend wahrgenommen zu werden. Sie haben den Charme, aus eigenem Antrieb das Gewünschte zu bewirken und kooperieren elegant mit dem Willen des Patienten.

Ein Sonderfall sind Suggestionen mit Verneinungen. „Denken Sie nicht an einen rosaroten Elefanten.“ Die Aufforderung zeigt, dass sie entgegen dem ausgesprochenen Verbot an einen Elefanten denken müssen und in ihrem Geist sogar – wenigstens für einen kurzen Moment – ein Bild von einem Elefanten erscheint. Ein anderes Beispiel: „Denken sie beim Fasten nicht an Schokolade“, und schon läuft ihnen das Wasser im Mund zusammen.
Verneinungen werden vom Gehirn teilweise ignoriert. Das Unterbewusstsein kennt keine „Nicht-Bilder“. Es „bebildert“ die verneinten Inhalte. Mit anderen Worten: Verneinungen ziehen Dinge in Ihr Bewusstsein, die Sie nicht haben wollen. Der Hintergrund ist folgender:

  • Man kann nur dann einen Gedanken verneinen, wenn man ihn auch denkt. Bei Verneinungen muss das Gehirn erst einmal identifizieren, woran es nicht denken soll – und daran denken. Erst im zweiten Schritt kann die Verneinung befolgt werden, aber die primäre Erzeugung des Gedanken daran wird bereits einen gewissen Effekt haben, wie das Beispiel mit der Schokolade zeigt.
  • Die verneinende Aussage spricht unser logisches Denken, die linke Gehirnhälfte (bei Rechtshändern), an, während der inhaltliche Teil, der rosa Elefant oder die Schokolade, mit der rechten Gehirnhälfte gesehen wird.
  • Verneinungen sind verwirrende Doppelbotschaften für unser Gehirn und können mitunter entgegengesetzte Tendenzen, sogar im Sinne einer „selbstzerstörenden Prophezeiung“, erzeugen.

Der praktische Tipp: Verwenden Sie Suggestionen stets in bejahender Form! Beispielsweise bei Höhenangst:

  • Statt: Ich habe keine Angst – Ich vertraue mir
  • Statt: Ich fühle mich nicht schwach in den Knien – Ich bin trittsicher
  • Statt: Mir wird nicht schwindelig – Ich fühle mich wohl

Autosuggestion

Autosuggestion ist ein Prozess der Selbstbeeinflussung, durch die man sein Unbewusstes trainiert, an etwas zu glauben. Die verbreiteste und älteste Methode der Autosuggestion ist das Gebet, ein allen Menschen vertrautes Mittel, Wünsche auf irrationalem Wege und einfache Weise zu verwirklichen.

Für Verfechter des positiven Denkens ist Autosuggestion ein geistiges Verfahren mit dem Ziel, das Unterbewusstsein direkt anzusprechen und es mit der Verwirklichung des Gewünschten zu programmieren, indem der Wunsch in einen kurzen Satz, einen Slogan, gekleidet und gedanklich oder gesprochen möglichst oft wiederholt wird.

„Es geht mir jeden Tag in jeder Hinsicht immer besser und besser“,

lautete die Formel für alle Fälle von Émile Coué (1875 – 1926), dem Begründer der modernen, bewussten Autosuggestion. Coué war Apotheker. Gemäß seiner Lehre soll jeder Gedanke in uns bestrebt sein, Wirklichkeit zu werden. Seine Einschätzung teilen wir nicht. Dafür haben wir zu viele überflüssige und belanglose Gedanken, die kommen und gehen und dabei kaum bemerkt werden. Ein weiterer Irrtum ist, dass die für die Autosuggestion gewählte Formel zwingend in der Gegenwartsform gehalten werden muss, um das Unterbewusstsein anzusprechen. Bei einem ständig unter starken Schmerzen leidenden, schwerkranken Menschen müsste die Formel „Ich bin gesund“ heißen, während sein realisierter Istzustand dagegen steht. Der Verstand schaltet sich ein und sagt: „Du machst dir etwas vor“ oder „Das stimmt nicht“. Es ist nicht besonders plausibel, davon auszugehen, dass, wenn ein Patient die autosuggestive Aussage nicht glauben kann, es dennoch zur gewünschten Programmierung im Unterbewusstsein kommt. Auch dann nicht, wenn die Autosuggestion in der Befehlsform gehalten wird, das heißt in möglichst eindringlicher Form sich vorgesprochen wird. Der Widerspruch erzeugt ein mulmiges Gefühl und der Verstand, der alles zensiert, wird nicht akzeptieren, was vorgesprochen oder gedacht wird.

Autosuggestion sollte in „positiv gefühlter glaubhafter“ Form erfolgen, sie muss zunächst den kritischen Wächter des Bewusstseins umgehen, entweder sprachlich, bildlich oder als Metapher (im übertragenen Sinne). „Ich wähle die Möglichkeit, dass ich gesund bin – und Heilung beginnt jetzt!

Faustformel: Ein Glaubenssatz, den man sich nicht merken kann oder der sich fremd oder falsch anfühlt, ist ungeeignet. Ein Glaubenssatz, der sich stimmig anfühlt und mit Leichtigkeit zum leisen Sprechgesang wird, sogar bis in den Schlaf hinein, ist geeignet. Am wirksamsten arbeitet das Unterbewusstsein, wenn der Mensch schläft, weil die Tätigkeit des Bewusstseins im Schlaf eingestellt ist. Daher sind die letzten Minuten vor dem Einschlafen oder die ersten Minuten nach dem Aufwachen für die Aufnahme von Suggestionen besonders geeignet.

Um mit der Aufmerksamkeit bei seiner Formel zu bleiben, empfiehlt sich die Verwendung einer Perlenschnur, ähnlich dem Rosenkranz (Zähl- oder Gebetskette für das Rosenkranzgebet) oder der Tesbih-Schnur (Gebetsschnur der tibetischen Lamas).

Zur Technik: Jedes Mal, wenn die gewählte Formel halblaut oder in Gedanken wiederholt wird, schiebt man eine Perle weiter, bis alle Perlen von links nach rechts oder umgekehrt, von dem einen zum anderen Ende der Schnur, gelangt sind. Die Perlenschnur macht ein Zählen der Suggestionen entbehrlich und lenkt vor allem die Aufmerksamkeit des Übenden auf seine Formel. Dies erhöht beim abendlichen Gebrauch die Wahrscheinlichkeit, den Wunsch mit in den Schlaf hinüberzunehmen, was besonders wirksam ist, weil das Unterbewusstsein in der Gedankenkette, in der man einschläft, noch eine Weile weiterarbeitet. Sie kennen das Phänomen aus der Schulzeit, wo sie abends im Bett versucht haben die aufgegebenen Verse eines Gedichts auswendig zu lernen. War das Aufsagen vorm Einschlafen noch problematisch, funktionierte es nach dem Aufwachen meist viel besser.

Die Macht der Suggestion ist am wirksamsten, wenn die Formel mit einem dazu passenden Bild vor Augen und emotionaler Beteiligung ausgesprochen wird. Durch eine kombinierte Anwendung von Autosuggestion und Imaginationstechniken werden Fenster zum Unbewussten aufgestoßen und die besten Erfolge erzielt.
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psyheu.de bedankt sich bei unserem Gastautor Klaus Ulbrich für den Beitrag. Herr Ulbrich arbeitet als Hypnotherapeut in eigener Praxis, er ist Begründer der Individuations-Therapie und unter seiner Website ganzheitliche-hypnotherapie.de erreichbar.