Wer bestimmt das denn eigentlich?

glückliche Geschäftsfrau

Als Businessfrau gilt es freundlich und seriös daher zu kommen. © Steve wilson under cc

Für viele, die sich mit dem Thema beschäftigen und drauf einlassen können, wird oft sehr schnell der innere Zusammenhang zwischen den Erscheinungen klar und hat man den Schlüssel erst einmal gefunden, geht man dieser anderen Sichtweise mit einer gewissen Lust nach. Aber stimmen diese Zusammenhänge denn auch und wer bestimmt das eigentlich? Bestimmen tut sie niemand, die meisten Begriffe haben eine innere Zusammengehörigkeit, die den Sprechern sinnvoll erscheint. Wir sind ständig dabei unsere Umwelt zu klassifizieren. Hund, Fliege und Meise eben als Tiere; Kaktus, Eiche und Gras als Pflanzen. Beide Gruppen würden wir als lebendig bezeichnen, Tiere zeichnen sich in der Regel durch eine größere Beweglichkeit aus, später dann (wenn man sich in der Biologie besser auskennt) durch einen anderen Stoffwechsel. Doch richtig eindeutig sind unsere Klassifizierungen nie. Sind Viren nun lebendig? Man weiß es nicht genau. Das Schnabeltier gab ebenfalls Rätsel auf. Was ist schön und was hässlich, was ich richtig und falsch, krank und gesund? Je näher man sich klassische Grenzen anschaut, umso mehr verschwimmen sie, umso unschärfer werden sie, dennoch werden wir kaum auf die Idee kommen, eine leere Getränkedose, die vom Wind über die Straße geweht wird als lebendig anzusehen, auch wenn wir sie aus der Ferne vielleicht nicht von einem Igel unterscheiden können.

Ein Schluss von der äußeren Erscheinung auf das Wesen oder die innere Beschaffenheit, ist seit dem Altertum und quer durch die Kulturen bekannt, unter anderem als Elementelehre, der wir unsere vier Temperamente verdanken, oder Signaturenlehre. Wie im Link dargestellt, gibt es bei ihr Erfolge und Misserfolge, erstaunlich genug, dass dieses an sich als antiquiert und unwissenschaftlich geltende Denken und Analogien überhaupt Erfolge zu verzeichnen hat. Denn das schnelle und assoziative Denken gilt nicht selten als eine Verwechslung zweier, allerdings häufig durcheinander gebrachter Anätze, denen wir uns nun widmen.

Korrelation und Kausalität

Korrelationen setzen zwei Größen in Beziehung, die in einem statistisch auffallenden Zusammenhang stehen, wie Feinstaub oder Zigarettenkonsum und Lungenerkrankungen, Alkohol und Lebererkrankungen und so weiter. Aus der Korrelation meint man einen kausalen, also ursächlichen Zusammenhang zwischen beiden Größen herstellen zu können, dass also viel Alkohol das Auftreten von Lebererkrankungen begünstigt, was auch ursächlich erwiesen ist.

So gibt es einen statistischen Zusammenhang, eine Korrelation, zwischen Einkommen und Schuhgröße, der kausale Zusammenhang, dass man mehr Geld bekommt, weil man größere Schuhe trägt, besteht dennoch nicht. Der kausale Zusammenhang ist vielmehr die noch immer ungleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen und weil Männer (auch nur statistisch) größere Füße haben als Frauen, besteht die Korrelation.

Analoges Denken setzt ganz ähnliche Größen in Beziehung, wenn man so will Erscheinungen, von denen man vermutet, dass aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit ebenfalls ein Zusammenhang besteht. So zum Beispiel zwischen dem Körper und der Psyche. Sind Dicke gemütlich, Dünne nervös, Kräftige aufbrausend? Vielleicht manchmal, sicher nicht immer, aber niemand sagt, dass man beim analogen Denken nur zwei Größen in Beziehung setzen darf, im Gegenteil, je mehr Hinweise in eine bestimmte Richtung weisen, um so genauer auch das analoge Denken.

Wir sind noch immer Wesen, denen Abweichungen von der Norm, vom Erwarteten auffallen. Ein großer, kräftiger Mann mit einer hellen Stimme. Ein Mensch, der viele Gesten des Selbstbewusstseins audrückt, aber es nicht schafft, einem in die Augen zu schauen. Wir sind geübt, den Menschen und Situationen als Ganzheit wahrzunehmen, durchaus als Ganzheit von Erwartungen. Stellen wir uns einen Moment vor, dass an einer Ampel ein Sportwagen mit Breitreifen und lautem Motor, quietschend losfährt. Wenn wir den Wagen am Rand stehen sehen und sich die Tür öffnet, wer steigt wohl aus? Wenn es eine grau gekleidete Rentnerin ist, die ihren Rollator aus dem Kofferraum holt, wären wir überrascht. Ein Bruch unserer Erwartungen.

Erneut sei man also vor Vorurteilen gewarnt, doch die gehen in alle Richtungen. Galt der Zusammenhang zwischen körperlicher Erscheinung und psychischer Disposition längere Zeit als faschistoid, so kann man sich im Zeitalter der Rebiologisierung vor vermeintlichen oder tatsächlichen Zusammenhängen kaum retten und was eben noch gar nicht ging, ist heute ganz selbstverständlicher Teil des Wissens. Erst neuerdings treffen wir wieder eine neue Ungewissheit an.

Sprache, Zigarren und Assoziationswolken

Sprache ist psychosomatisch, heißt es. Und soll heißen, dass wir die Beziehungen zwischen Begriffen, Bildern, Symbolen, Mimik und Gestik kennen, die tief in uns angelegt sind. Schon Freud nahm ganz selbstverständlich darauf Bezug, dass Träume oder Phantasien von länglichen Gegenständen wie Zigarren, Spritzen oder Bananen oft Symbole für einen Phallus sind. Und „Veronika, der Spargel wächst“ soll nicht nur auf die baldige Gemüseernte hinweisen, sondern auf das Schießen der Säfte in Frühling im Allgemeinen.

Der Frühling wird allgemein als schöne Zeit und harmlose Zeit des Erwachens der Natur angesehen, doch bei allem Knospen, Schießen und allen durch die Luft flirrenden Samen (Pollen), ist er auch eine Zeit von Neuem, Energie und Impuls. Jene Kette, die wir als aggressiv und impulsiv kennen lernten, jetzt mit einer sexuellen Färbung. Freilich zählt auch hier der Kontext. Wer als Gemüsehändler von Bananen träumt, meint vielleicht wirklich die Frucht, ansonsten ist Sexualität bei uns oft zensiert und drückt sich daher symbolisch aus.

Anders als logische Ketten der Begründung oder Kausalität funktioniert analoges Denken in Assoziationswolken. Über Begriffe, die eine Folge anderer Begriffe im Schlepptau haben. Die Assoziationen sind jedoch nicht nur auf Begriffe begrenzt, sondern greifen auf andere Bereiche wie Stimmung, Körperspannung usw. über, wie in Priming ausgeführt. Begriffe haben allgemeine Assoziationen, die von fast allen Menschen geteilt werden, daneben persönliche Assoziationsketten, die das individuelle Verhältnis eines Menschen zu diesem Begriff bestimmten. Hören wir einen bestimmten Begriff, ist die ganze Assoziationswolkc da, einmal die Teile, die unsere persönliche Begriffsbestimmung ausmacht, zum anderen jene, die den Kern der Wolke darstellen, die wir mit den anderen teilen und die dafür sorgt, dass wir mit anderen erfolgreich kommunizieren können, indem wir ungefähr auf dasselbe beziehen, was für den Alltag ausreicht.