Sitzen ist das neue Rauchen

Mädchen macht Yoga

Am Anfang ist alles spielerisch. Wenn es gut läuft, bleibt das auch so. © Todd Dailey under cc

Dem andauernden Sitzen werden allerlei schlechte Eigenschaften zugeschrieben, die Durchblutung versackt, die Verdauung stockt, weil die abgeklemmten inneren Organe nicht gut arbeiten können, aber auch der Atem kann nicht ruhig und weit fließen und weit heißt, bis in den Bauch. Auch wenn die Lunge zwar weiter reicht, als man meint, aber organisch nicht so weit, dass der Atem auch in den Bauch fließen kann, so kann man die dort beteiligte Muskulatur dennoch bemerken. Sitzen – vor allem starres und gekrümmtes – und enge Kleidung verhindern das. In den Bauch zu atmen bedeutet einfach, dass dieser sich beim Atemholen mit ausdehnt und entsprechend auch wieder zusammenzieht. Der Vorteil ist, man kann es jederzeit ändern, weil der Atem – auch hier ist er wieder eine Schnittstelle – zwar einerseits autonom verläuft, das heißt, wir atmen auch dann, wenn wir nicht dran denken, andererseits gehört er zu den autonomen Körperfunktionen, die wir am leichtesten willentlich regulieren können.

In der Anspannung ist unser Atem flach und gepresst, ich der Panik geht es bis in die Hyperventilation, wir hecheln dann eher, als zu atmen und ein bekannter Erste-Hilfe Trick ist, die damit verbundene Sauerstoffüberversorgung durch das Atmen in eine Tüte zu drosseln, so dass das Kohlendioxid des Ausatmens verstärkt eingeatmet wird, was die Panik unterbrechen kann. Die höhere Schule ist sicher, diese Situation in fachkundiger Begleitung durchzustehen, wie dies beím holotropen oder verbundenen Atmen der Fall ist. Auch hierbei spielt der Atem die zentrale Rolle, die Technik führt zu ungeheuer intensiven Erfahrungen, mehr dazu im verlinkten Artikel.

Den Yogis ist diese Technik sicher bekannt gewesen, da sie mit allen Formen der Atemregulation ausgiebig experimentiert haben. Nicht selten wird beim Pranayama oder Atem-Yoga der Atemfluss mit einer Visualisation oder Imagination verbunden, etwa mit einem Engergiestrom, der an der Vorderseite des Körpers mit dem Ausatem hinabsinkt, um beim Eintamen vom unteren Chakra, zwischen Anus und Genitalien über den Rücken wieder nach oben zu gelangen, hin zum oberen Chakra über dem Scheitel von wo aus es beim nächsten Ausatem wieder nach unten sinkt und so einen ewigen Kreislauf entstehen lässt. Das kann im Prinzip jeder sofort nachmachen, aber vergessen wir nicht, dass die Yogis diesen Übungen ihr ganzes Leben gewidmet haben, sie haben das nicht mal eben drei Minuten zum ausprobieren gemacht, sondern täglich und über Stunden, immer und immer und immer wieder. Es sollte uns nicht wundern, dass diese Forscher ihn ihrem Bereich führend waren.

Wissenschaftliche Untersuchen der Atemübungen des Yoga

Manche empfinden es als Aufwertung oder Auszeichnung, wenn sich die Wissenschaft dieser Themen annimmt, so wie wir das oben bei den Körperübungen sahen. Ich sehe das mit gemischten Gefühlen, da die Wissenschaft ihrem Wesen nach den Blick primär auf Teilaspekte richtet. Darin ist sie gut, da der Wissenschaft aber selbst ein Weltbild (das des Naturalismus) unterliegt, werden viele Bereiche aus anderen Systemen entweder systematisch missachtet oder, oft reduzierend, uminterpretiert. Man kann bestimmte Aspekte sehr genau betrachten, zum Beispiel dem Einfluss des Yoga auf die Beweglichkeit der Wirbelsäule, verfehlt aber, aufgrund isolierender Betrachtungen, andere Bereiche, nicht nur beim Yoga.

Das Leben ist immer ein Gesamtkunstwerk und wer aus Angst vor Hautkrebs die Sonne meidet, verschenkt unterm Strich mehr, als der gewinnt, denn über die Bildung des neuerdings stark beachteten Vitamin D3 hinaus, schützt die Sonne uns vor einer Vielzahl von Krankheiten und der einfache Tipp ist, dass regelmäßige und abwechslungsreiche Bewegung an frischer Luft für einen großen Teil der Menschen der westlichen Wertehemisphäre ein riesiger gesundheitlicher Gewinn wäre. Die Menschen werden heute mit ihren Krankheiten älter, dass sie gesünder wären, kann man nicht zwingend behaupten, siehe hier.

So ist auch Yoga ein Lebensansatz, nicht primär eine Methode gegen Aua Rücken, Wechseljahresbeschwerden oder Depressionen und wissenschaftliche Ansätze können selten mehr als Schlaglichter abbilden. Dass sie das inzwischen tun ist aber dennoch erfreulich und so lesen wir:

„»Der Atem ist unser einziger Zugang, um bewusst das vegetative Nervensystem zu beeinflussen«, sagt Thomas Loew, Professor für Psychosomatik und Psychiatrie am Universitätsklinikum Regensburg. Bewusstes Atmen sei der gemeinsame Nenner und die Essenz aller Entspannungstechniken, vom autogenen Training bis zum Yoga. »Was daran wirkt, das zeigt unsere Forschung, ist vor allem eines: die Entschleunigung der Atmung.«

Loew und sein Team beschäftigen sich seit vielen Jahren damit, wie man Patienten und gesunden Stressgeplagten mit der richtigen Atemtechnik helfen kann. Sie haben ein einfaches Rezept gefunden: vier Sekunden lang einatmen und sechs Sekunden lang ausatmen. Das ist der Takt, bei dem sie im EEG den stärksten Gleichklang von Atmung und Hirnaktivität beobachteten. Bei sechs Atemzügen pro Minute zeigt sich außerdem der Einfluss des Atems auf den Herzschlag am deutlichsten.
Die Übung ist denkbar simpel. Man braucht dazu keine besondere Disziplin, muss sich nicht erst wochen- oder monatelang im Meditieren üben. Die Entspannung setzt schon beim ersten Mal ein, selbst bei Anfängern. Eines kann man aber doch falsch machen: »Die meisten führen die Atemübungen nicht lange genug aus. Ein paar Atemzüge reichen in der Regel nicht«, erklärt der Psychiater und Psychotherapeut Thomas Loew. »Die besten Effekte erzielen Sie, wenn Sie mindestens elf Minuten durchhalten«, sei es während eines Meetings, beim Bahnfahren oder abends auf der Couch. Dann startet der Organismus eine Art Wartungsprogramm: Beim Umschalten auf den Parasympathikus setzen biologische Reparaturmechanismen ein, es werden Zellschäden behoben und Energiereserven bereitgestellt.“[1]

So einfach wie vielversprechend, auch wenn die anderen Atemformen des Yoga damit nicht kleingeredet werden sollten.

Körper, Seele und Geist bilden im Yoga eine Einheit

Anders als im Buddhismus ist das Seeelenkonzept im Hinduismus zu Hause und all dies sammelt sich im Geist, der im indischen Denken oft in Körpern gedacht wird und einen letzten, großen Körper bildet, der alles durchzieht und beinhaltet. Spiritualiät ist anders als die Religion kein Glaube an etwas, sondern das Resultat gemachter Erfahrungen.

Im Yoga kennt man mehrere spirituelle Stufen, eine betrifft das kausale Verlöschen, das von Ken Wilber mehrfach beschrieben wurde. Die Meister tauchen in die Quelle ein, der alle Wahrnehmung entspringt. Danach nehmen sie nichts mehr wahr. Eindrucksvoll hat auch Kevin Dutton, dessen Spezialgebiet Psychopathen sind, diesen Zustand beschrieben. Die oft völlige Angstfreiheit der Psychopathen ist etwas, was diese auszeichnet, das schaffen außer ihnen nur noch jene, die sich dem kausalen Verlöschen hingeben. Lässt man unmittelbar neben langjährig trainierten Meistern eine Pistole knallen, zeigen diese keinerlei sicht- oder messbare Reaktion.

Doch um das völlige Abstreifen der Welt geht es nicht in allen yogischen Richtungen. Im Gegenteil wird auch hier das andauernde Bewusstsein auf die Welt und den Körper zurückgeführt. Wer alles umfasst, umfasst auch den eigenen Körper, aber eben nicht nur den. Es gibt die berühmte Geschichte, in der Schüler einem spirituellen Meister lauschen wollten und einer dabei mit Steinen einen streunenden Hund verjagt. Als der Stein den Hund trifft, zuckt der Meister, wie getroffen zusammen. Die Radikalität des alles und Überallseins kann man sich nicht vorstellen, aber Yoga hat auch für uns normale Menschen etwas zu bieten.

Körper, Seele und Geist bilden im Yoga eine Einheit

Anders als im Buddhismus ist das Seeelenkonzept im Hinduismus zu Hause und all dies sammelt sich im Geist, der im indischen Denken oft in Körpern gedacht wird und einen letzten, großen Körper bildet, der alles durchzieht und beinhaltet. Spiritualiät ist anders als die Religion kein Glaube an etwas, sondern das Resultat gemachter Erfahrungen.

Im Yoga kennt man mehrere spirituelle Stufen, eine betrifft das kausale Verlöschen, das von Ken Wilber mehrfach beschrieben wurde. Die Meister tauchen in die Quelle ein, der alle Wahrnehmung entspringt. Danach nehmen sie nichts mehr wahr. Eindrucksvoll hat auch Kevin Dutton, dessen Spezialgebiet Psychopathen sind, diesen Zustand beschrieben. Die oft völlige Angstfreiheit der Psychopathen ist etwas, was diese auszeichnet, das schaffen außer ihnen nur noch jene, die sich dem kausalen Verlöschen hingeben. Lässt man unmittelbar neben langjährig trainierten Meistern eine Pistole knallen, zeigen diese keinerlei sicht- oder messbare Reaktion.

Doch um das völlige Abstreifen der Welt geht es nicht in allen yogischen Richtungen. Im Gegenteil wird auch hier das andauernde Bewusstsein auf die Welt und den Körper zurückgeführt. Wer alles umfasst, umfasst auch den eigenen Körper, aber eben nicht nur den. Es gibt die berühmte Geschichte, in der Schüler einem spirituellen Meister lauschen wollten und einer dabei mit Steinen einen streunenden Hund verjagt. Als der Stein den Hund trifft, zuckt der Meister, wie getroffen zusammen. Die Radikalität des alles und Überallseins kann man sich nicht vorstellen, aber Yoga hat auch für uns normale Menschen etwas zu bieten.

Gipfelerfahrungen

Ich habe früher selbst eine Zeit lang Yoga-Übungen praktiziert, war über das Stadium des unbeholfenen Maikäfers hinaus, aber so richtig gute Fortschritte konnte ich bei mir nie entdecken, jedenfalls nicht beim Hatha-Yoga. Eines Morgens hat mich eine nervige Mücke viel zu früh aus dem Bett getrieben, so dass ich müde und gerädert aufstand. Da ich nichts zu tun hatte, machte ich meine Yoga-Übungen und an diesem Morgen war alles anders. Zwar machte ich die Übungen vermutlich nicht besser als sonst, aber das alles geschah mit einer wunderbaren Leichtigkeit und Unbeschwertheit, die ich von mir überhaupt nicht kannte. Alles ging wie doppelt gut geölt und ich hatte keine Ahnung, warum. Wovon ich aber spontan eine Ahnung bekam, war Yoga. Es geht ja um die Leichtigkeit und Harmonie der Übungen, nicht darum, sich die Beine um den Kopf zu schrauben und in einem Moment wurde mir klar, worum es beim Hatha-Yoga wirklich geht, der Mücke sei Dank.

Doch die Erfahrung war noch gar nicht vorbei, denn über Stunden, bis zum frühen Nachmittag fühlte ich mich so gesund und beschwerdefrei, wie nie zuvor und nachher in meinem Leben, so eine Art subjektiv empfundene Supergesundheit.

Gipfelerfahrungen sind an sich eher kurios, aber ihr Wert liegt darin, durch eigene Erlebnisse Einblicke in Bereiche zu bekommen, die man in aller Regel nicht erhält. Das ist für die Mehrzahl irritierend, wenn man solche Erfahrungen aber ein paar Mal machen konnte oder durfte, erlangt man eine subjektive Gewissheit und einen wenigstens flüchtigen Einblick in das, was zu erleben möglich ist, so dass man nachvollziehen kann, was geht, wenn Menschen ihr ganzes Leben solchen Praktiken widmen oder eine gewaltige spontane Erfahrung hatten. Die Erkenntnis, dass ganz anderes möglich ist, als die Mehrzahl der Menschen glaubt, ist in Zeiten des Wandels hilfreich. Yoga hat für Körper und Psyche solche Erfahrungen bereit.

Quellen