Frau macht Yoga vor einem See

Yoga ist ein Ansatz, der das ganze Leben umfasst, wenn man es möchte. © Bär Baer under cc

Yoga ist eine sehr alte Tradition, in der über spezielle Übungen Körper und Geist geschult werden. Wir müssen uns klar machen, dass Yoga durchaus die Unterscheidung von Körper, Seele und Geist kennt und Geist nicht nur als Denkfunktion sieht. Im Yoga sieht man darüber noch spirituelle Bereiche, betrachtet all diese von Beginn an aber als eine Einheit.

Das heißt, die Übungen für den Körper , zielen genau so sehr auf alles, sind dem Wesen nach immer auch schon Übungen spiritueller Natur, wie Meditationsübungen auch das ganze Leben meinen. Yoga kommt zwar aus der hinduistischen Tradition, ist aber als vorwiegend empirisches System, von diesem unabhängig und kann als eine große Methode relativ unproblematisch in andere Traditionen überführt werden.

Körper

Der Ausgangspunkt vieler Yogaübungen und das, wofür er im Westen oft gehalten wird, ist die Beschäftigung mit dem Körper , sind die oft bizarr anmutenden Verrenkungen zu denen der geübte Yogi oder die Yogini in der Lage sind. Es wäre jedoch vollkommen unangemessen Yoga auf den Körper oder noch schlimmer, auf Rückentraining zu reduzieren. Dagegen spricht schon, dass es auch Yoga Richtungen gibt, die ganz ohne körperliche Übungen auskommen.

Oft ist Hatha-Yoga, der körperbetonte Yoga, den es auch in diversen Richtungen gibt, der aber einen Kern von immer ähnlichen Übungen bildet, die Voraussetzung, der erste Schritt in einem größeren System, das Körper und Psyche integriert. Der Kern dieser Übungen ist mit Beharrlichkeit ganz gut zu schaffen, wobei schaffen, schaffen und schaffen durchaus unterschiedlich sind. Primär handelt es sich dabei um Übungen, die die Vorder- und Rückseite des Oberkörpers mehr oder weniger intensiv abwechselnd dehnen und kräftigen. Ziel ist weniger den Rücken gesund zu halten, sondern den Oberkörper zu entspannen, damit bei den später folgenden Atemübungen der Atem frei und ungehindert fließen kann.

Die Effekte auf den Rücken sind sozusagen Kollateraleffekte, Beifang, aber einer, der für unsere Zeit sehr wichtig geworden ist, da Rückenschmerzen zum Volksleiden avanciert.

Die Vermessung des Rückens

Im Rahmen von Schmerzfortbildungen kam und komme ich in den Genuss, diverse Referenten aus der Vielzahl der Bereiche zu hören, die sich mit Schmerzen befassen. Ein zentraler Bereich gilt dem Rücken, denn es ist bekannt, Deutschland hat Rücken und das seit langen Jahren. Zunächst ging man von dem Naheliegenden aus, dass nämlich die Rückenprobleme von harter Arbeit und Überlastung kommen, sowie von einer Degeneration der Wirbelsäule, durch eben diese harte Arbeit. Allerdings ist die harte körperliche Arbeit in den letzten Jahrzehnten immer weniger geworden, die Beschwerden wurden aber eher mehr.

Und so kam man nach und nach darauf, dass die Überlastung primär eine psychische ist auch und gerade, wenn der Rücken weh tut. Verrenkt ist oft das Arbeitsklima, ist die Zufriedenheit wieder hergestellt, lässt der Schmerz im Rücken häufig nach. Degeneriert sind Bandscheiben ohnehin, bei 30-Jährigen bereits zu 50% bei 50-Jährigen zu 80%, siehe auch Körperliche Gesundheit. Auch hat die körperliche Anstrengung im Beruf keinen Einfluss, Schwerarbeiter haben statistisch eine genau so kaputten oder intakten Rücken, wie ihre Alterskollegen, in körperlich anspruchslosen Bürojobs.

Dennoch stehen die Bandscheiben unter Druck, sogar unter erheblichem. Teams der Charité in Berlin haben es nachgemessen, die gute Nachricht ist, dass unser Rücken dafür gemacht ist, dass er geradezu monströse Belastungen gut aushält, wenn er gepflegt wird und das heißt in erster Linie bewegt wird. Und bewegt heißt vielseitig und in alle Richtungen, weshalb Schonhaltungen auch so fatal sind. Der Tisch der Bewegungsangebote sollte reichhaltig gedeckt sein und am rechhaltigsten ist er gedeckt, wenn man Yoga macht, mit weitem Abstand, auch das hat das Team um den Berliner Professor Hendrik Schmidt von Julius Wolff Institut nachgemessen. Dass die Wirbelsäule immer wieder einen anderen Neigungswinkel erfährt, statt zum starren Stab zu mutieren, ist wichtig und da ist Yoga unübertroffen.

Besonders eklatant ist die Einschränkung der Bewegungsmuster im realen Leben oft bei Männern über 50 zu sehen, die kaum noch in der Lage sind ruhige und fließende Bewegungen auszuführen, ihr Bewegungsablauf ist zackig und abgehackt.

Kontrollierte, ruhige und entspannte Bewegungen

Aller Anfang ist schwer und so ist es erst mal ein Erfolg, wenn man die Übungen des Hatha-Yoga irgendwie hinbekommt. Man lernt ganz nebenbei, dass es oft nicht die fehlende Kraft ist, die es verhindert, dass man sich langsam aus dem Liegen auf dem Rücken mit Hilfe der Bauchmuskeln ins Sitzen aufrichtet, sondern eine Verspannung des Rückens. Wir sind es gewohnt, sehr oft den ganzen Körper anzuspannen, so dass ältere Menschen kaum noch in der Lage sind isolierte Bewegungen einzelner Körperregionen durchzuführen und genau das lernt man beim Yoga. Wer auf dem Rücken liegend den Oberkörper langsam aufrichten will, findet sich nicht selten wie ein zappelnder Maikäfer wieder, dem bei dem Versuch die Beine in die Luft gehen. Ist der Rücken entspannt, geht das problemlos und fehlende Kraft der Bauchmuskeln ist längst nicht immer der Grund für Misserfolge, die Koordination von Anspannung und Entspannung ist hier das Geheimnis.

Es ist eine erstaunliche Erfahrung beim Hatha-Yoga, zu bemerken, wie wenige Muskeln man braucht um eine kontrollierte Bewegung durchzuführen oder den Körper in einer bestimmten Spannung zu halten. So wenig Muskeln wie nötig, so entspannt wie möglich lautet die Devise, denn es geht ja um die Vorbereitung zu einem ruhige fließenden Atem. Seinen Körper immer besser kennen zu lernen und immer mehr entspannte Kontrolle über ihn zu gewinnen, kann darüber hinaus aber auch eine Lust sein, zumal man die Erfolge mit in den Alltag nimmt.

Atem

Der Atem wird seit alten Zeiten in enger Verbindung mit der Seele (oder manchmal dem Geist) gesehen, der Atem und die Kommunikation, der modulierte Atem, ist im Grunde auch die körperloseste Form des Austauschs mit der Welt. Über den Atem sind wir zugleich mit der Welt des Lebendigen verbunden, egal ob Freund oder Feind, Tier oder Pflanze. Dem Atem kommt ganz natürlich eine Form des Austauschs zu und so spielt der Atem, seine Kontrolle und das Spiel mit den diversen Möglichkeiten, mit ihm umzugehen, eine große Rollen. Kein anderes System weltweit hat so viel über den Atem herausgefunden, wie dies beim Yoga der Fall ist.

Auf das leichte Fließen des Atems kommt es auch beim Hatha-Yoga schon an und im guten Fall lernt man auch in einer Anspannung den Atem leicht weiter fließen zu lassen. Pranayama heißt diese Art des Atem-Yoga, die ungeheuer viel mit meditativen Übungen und der Lenkung von Energien im Körper zu tun hat. Die Regulation des Atems kennen wir durchaus, in unserem Weltbild steht sie nur nicht so sehr im Vordergrund. Stress- und Angstpatienten lernen über den Umweg der Therapie oft den Atem zu regulieren und sich körperlich zu entspannen.

Sitzen ist das neue Rauchen

Mädchen macht Yoga

Am Anfang ist alles spielerisch. Wenn es gut läuft, bleibt das auch so. © Todd Dailey under cc

Dem andauernden Sitzen werden allerlei schlechte Eigenschaften zugeschrieben, die Durchblutung versackt, die Verdauung stockt, weil die abgeklemmten inneren Organe nicht gut arbeiten können, aber auch der Atem kann nicht ruhig und weit fließen und weit heißt, bis in den Bauch. Auch wenn die Lunge zwar weiter reicht, als man meint, aber organisch nicht so weit, dass der Atem auch in den Bauch fließen kann, so kann man die dort beteiligte Muskulatur dennoch bemerken. Sitzen – vor allem starres und gekrümmtes – und enge Kleidung verhindern das. In den Bauch zu atmen bedeutet einfach, dass dieser sich beim Atemholen mit ausdehnt und entsprechend auch wieder zusammenzieht. Der Vorteil ist, man kann es jederzeit ändern, weil der Atem – auch hier ist er wieder eine Schnittstelle – zwar einerseits autonom verläuft, das heißt, wir atmen auch dann, wenn wir nicht dran denken, andererseits gehört er zu den autonomen Körperfunktionen, die wir am leichtesten willentlich regulieren können.

In der Anspannung ist unser Atem flach und gepresst, ich der Panik geht es bis in die Hyperventilation, wir hecheln dann eher, als zu atmen und ein bekannter Erste-Hilfe Trick ist, die damit verbundene Sauerstoffüberversorgung durch das Atmen in eine Tüte zu drosseln, so dass das Kohlendioxid des Ausatmens verstärkt eingeatmet wird, was die Panik unterbrechen kann. Die höhere Schule ist sicher, diese Situation in fachkundiger Begleitung durchzustehen, wie dies beím holotropen oder verbundenen Atmen der Fall ist. Auch hierbei spielt der Atem die zentrale Rolle, die Technik führt zu ungeheuer intensiven Erfahrungen, mehr dazu im verlinkten Artikel.

Den Yogis ist diese Technik sicher bekannt gewesen, da sie mit allen Formen der Atemregulation ausgiebig experimentiert haben. Nicht selten wird beim Pranayama oder Atem-Yoga der Atemfluss mit einer Visualisation oder Imagination verbunden, etwa mit einem Engergiestrom, der an der Vorderseite des Körpers mit dem Ausatem hinabsinkt, um beim Eintamen vom unteren Chakra, zwischen Anus und Genitalien über den Rücken wieder nach oben zu gelangen, hin zum oberen Chakra über dem Scheitel von wo aus es beim nächsten Ausatem wieder nach unten sinkt und so einen ewigen Kreislauf entstehen lässt. Das kann im Prinzip jeder sofort nachmachen, aber vergessen wir nicht, dass die Yogis diesen Übungen ihr ganzes Leben gewidmet haben, sie haben das nicht mal eben drei Minuten zum ausprobieren gemacht, sondern täglich und über Stunden, immer und immer und immer wieder. Es sollte uns nicht wundern, dass diese Forscher ihn ihrem Bereich führend waren.

Wissenschaftliche Untersuchen der Atemübungen des Yoga

Manche empfinden es als Aufwertung oder Auszeichnung, wenn sich die Wissenschaft dieser Themen annimmt, so wie wir das oben bei den Körperübungen sahen. Ich sehe das mit gemischten Gefühlen, da die Wissenschaft ihrem Wesen nach den Blick primär auf Teilaspekte richtet. Darin ist sie gut, da der Wissenschaft aber selbst ein Weltbild (das des Naturalismus) unterliegt, werden viele Bereiche aus anderen Systemen entweder systematisch missachtet oder, oft reduzierend, uminterpretiert. Man kann bestimmte Aspekte sehr genau betrachten, zum Beispiel dem Einfluss des Yoga auf die Beweglichkeit der Wirbelsäule, verfehlt aber, aufgrund isolierender Betrachtungen, andere Bereiche, nicht nur beim Yoga.

Das Leben ist immer ein Gesamtkunstwerk und wer aus Angst vor Hautkrebs die Sonne meidet, verschenkt unterm Strich mehr, als der gewinnt, denn über die Bildung des neuerdings stark beachteten Vitamin D3 hinaus, schützt die Sonne uns vor einer Vielzahl von Krankheiten und der einfache Tipp ist, dass regelmäßige und abwechslungsreiche Bewegung an frischer Luft für einen großen Teil der Menschen der westlichen Wertehemisphäre ein riesiger gesundheitlicher Gewinn wäre. Die Menschen werden heute mit ihren Krankheiten älter, dass sie gesünder wären, kann man nicht zwingend behaupten, siehe hier.

So ist auch Yoga ein Lebensansatz, nicht primär eine Methode gegen Aua Rücken, Wechseljahresbeschwerden oder Depressionen und wissenschaftliche Ansätze können selten mehr als Schlaglichter abbilden. Dass sie das inzwischen tun ist aber dennoch erfreulich und so lesen wir:

„»Der Atem ist unser einziger Zugang, um bewusst das vegetative Nervensystem zu beeinflussen«, sagt Thomas Loew, Professor für Psychosomatik und Psychiatrie am Universitätsklinikum Regensburg. Bewusstes Atmen sei der gemeinsame Nenner und die Essenz aller Entspannungstechniken, vom autogenen Training bis zum Yoga. »Was daran wirkt, das zeigt unsere Forschung, ist vor allem eines: die Entschleunigung der Atmung.«

Loew und sein Team beschäftigen sich seit vielen Jahren damit, wie man Patienten und gesunden Stressgeplagten mit der richtigen Atemtechnik helfen kann. Sie haben ein einfaches Rezept gefunden: vier Sekunden lang einatmen und sechs Sekunden lang ausatmen. Das ist der Takt, bei dem sie im EEG den stärksten Gleichklang von Atmung und Hirnaktivität beobachteten. Bei sechs Atemzügen pro Minute zeigt sich außerdem der Einfluss des Atems auf den Herzschlag am deutlichsten.
Die Übung ist denkbar simpel. Man braucht dazu keine besondere Disziplin, muss sich nicht erst wochen- oder monatelang im Meditieren üben. Die Entspannung setzt schon beim ersten Mal ein, selbst bei Anfängern. Eines kann man aber doch falsch machen: »Die meisten führen die Atemübungen nicht lange genug aus. Ein paar Atemzüge reichen in der Regel nicht«, erklärt der Psychiater und Psychotherapeut Thomas Loew. »Die besten Effekte erzielen Sie, wenn Sie mindestens elf Minuten durchhalten«, sei es während eines Meetings, beim Bahnfahren oder abends auf der Couch. Dann startet der Organismus eine Art Wartungsprogramm: Beim Umschalten auf den Parasympathikus setzen biologische Reparaturmechanismen ein, es werden Zellschäden behoben und Energiereserven bereitgestellt.“[1]

So einfach wie vielversprechend, auch wenn die anderen Atemformen des Yoga damit nicht kleingeredet werden sollten.

Körper, Seele und Geist bilden im Yoga eine Einheit

Anders als im Buddhismus ist das Seeelenkonzept im Hinduismus zu Hause und all dies sammelt sich im Geist, der im indischen Denken oft in Körpern gedacht wird und einen letzten, großen Körper bildet, der alles durchzieht und beinhaltet. Spiritualiät ist anders als die Religion kein Glaube an etwas, sondern das Resultat gemachter Erfahrungen.

Im Yoga kennt man mehrere spirituelle Stufen, eine betrifft das kausale Verlöschen, das von Ken Wilber mehrfach beschrieben wurde. Die Meister tauchen in die Quelle ein, der alle Wahrnehmung entspringt. Danach nehmen sie nichts mehr wahr. Eindrucksvoll hat auch Kevin Dutton, dessen Spezialgebiet Psychopathen sind, diesen Zustand beschrieben. Die oft völlige Angstfreiheit der Psychopathen ist etwas, was diese auszeichnet, das schaffen außer ihnen nur noch jene, die sich dem kausalen Verlöschen hingeben. Lässt man unmittelbar neben langjährig trainierten Meistern eine Pistole knallen, zeigen diese keinerlei sicht- oder messbare Reaktion.

Doch um das völlige Abstreifen der Welt geht es nicht in allen yogischen Richtungen. Im Gegenteil wird auch hier das andauernde Bewusstsein auf die Welt und den Körper zurückgeführt. Wer alles umfasst, umfasst auch den eigenen Körper, aber eben nicht nur den. Es gibt die berühmte Geschichte, in der Schüler einem spirituellen Meister lauschen wollten und einer dabei mit Steinen einen streunenden Hund verjagt. Als der Stein den Hund trifft, zuckt der Meister, wie getroffen zusammen. Die Radikalität des alles und Überallseins kann man sich nicht vorstellen, aber Yoga hat auch für uns normale Menschen etwas zu bieten.

Körper, Seele und Geist bilden im Yoga eine Einheit

Anders als im Buddhismus ist das Seeelenkonzept im Hinduismus zu Hause und all dies sammelt sich im Geist, der im indischen Denken oft in Körpern gedacht wird und einen letzten, großen Körper bildet, der alles durchzieht und beinhaltet. Spiritualiät ist anders als die Religion kein Glaube an etwas, sondern das Resultat gemachter Erfahrungen.

Im Yoga kennt man mehrere spirituelle Stufen, eine betrifft das kausale Verlöschen, das von Ken Wilber mehrfach beschrieben wurde. Die Meister tauchen in die Quelle ein, der alle Wahrnehmung entspringt. Danach nehmen sie nichts mehr wahr. Eindrucksvoll hat auch Kevin Dutton, dessen Spezialgebiet Psychopathen sind, diesen Zustand beschrieben. Die oft völlige Angstfreiheit der Psychopathen ist etwas, was diese auszeichnet, das schaffen außer ihnen nur noch jene, die sich dem kausalen Verlöschen hingeben. Lässt man unmittelbar neben langjährig trainierten Meistern eine Pistole knallen, zeigen diese keinerlei sicht- oder messbare Reaktion.

Doch um das völlige Abstreifen der Welt geht es nicht in allen yogischen Richtungen. Im Gegenteil wird auch hier das andauernde Bewusstsein auf die Welt und den Körper zurückgeführt. Wer alles umfasst, umfasst auch den eigenen Körper, aber eben nicht nur den. Es gibt die berühmte Geschichte, in der Schüler einem spirituellen Meister lauschen wollten und einer dabei mit Steinen einen streunenden Hund verjagt. Als der Stein den Hund trifft, zuckt der Meister, wie getroffen zusammen. Die Radikalität des alles und Überallseins kann man sich nicht vorstellen, aber Yoga hat auch für uns normale Menschen etwas zu bieten.

Gipfelerfahrungen

Ich habe früher selbst eine Zeit lang Yoga-Übungen praktiziert, war über das Stadium des unbeholfenen Maikäfers hinaus, aber so richtig gute Fortschritte konnte ich bei mir nie entdecken, jedenfalls nicht beim Hatha-Yoga. Eines Morgens hat mich eine nervige Mücke viel zu früh aus dem Bett getrieben, so dass ich müde und gerädert aufstand. Da ich nichts zu tun hatte, machte ich meine Yoga-Übungen und an diesem Morgen war alles anders. Zwar machte ich die Übungen vermutlich nicht besser als sonst, aber das alles geschah mit einer wunderbaren Leichtigkeit und Unbeschwertheit, die ich von mir überhaupt nicht kannte. Alles ging wie doppelt gut geölt und ich hatte keine Ahnung, warum. Wovon ich aber spontan eine Ahnung bekam, war Yoga. Es geht ja um die Leichtigkeit und Harmonie der Übungen, nicht darum, sich die Beine um den Kopf zu schrauben und in einem Moment wurde mir klar, worum es beim Hatha-Yoga wirklich geht, der Mücke sei Dank.

Doch die Erfahrung war noch gar nicht vorbei, denn über Stunden, bis zum frühen Nachmittag fühlte ich mich so gesund und beschwerdefrei, wie nie zuvor und nachher in meinem Leben, so eine Art subjektiv empfundene Supergesundheit.

Gipfelerfahrungen sind an sich eher kurios, aber ihr Wert liegt darin, durch eigene Erlebnisse Einblicke in Bereiche zu bekommen, die man in aller Regel nicht erhält. Das ist für die Mehrzahl irritierend, wenn man solche Erfahrungen aber ein paar Mal machen konnte oder durfte, erlangt man eine subjektive Gewissheit und einen wenigstens flüchtigen Einblick in das, was zu erleben möglich ist, so dass man nachvollziehen kann, was geht, wenn Menschen ihr ganzes Leben solchen Praktiken widmen oder eine gewaltige spontane Erfahrung hatten. Die Erkenntnis, dass ganz anderes möglich ist, als die Mehrzahl der Menschen glaubt, ist in Zeiten des Wandels hilfreich. Yoga hat für Körper und Psyche solche Erfahrungen bereit.

Quellen