Die Psychomotorik befasst sich mit den menschlichen Bewegungen, „bei denen bewusste Prozesse, Ausdrucksprozesse und Prozesse des Willens eine große Rolle spielen.“ Da Lernen, Wahrnehmen und Bewegen eng miteinander verbunden sind, kann durch spielerische Übungen der eigene Körper wahrgenommen werden. Die körperliche Bewegung hat einen nachweisbaren Effekt auf die emotionale Entwicklung, beispielsweise von verhaltensauffälligen Kindern. Somit ist die Psychomotorik persönlichkeitsentwicklungsfördernd. [1]

In der Psychomotorik gibt es pädagogische, aber auch therapeutische Ansätze. Sie bildet sozusagen ein Verbindungsstück zwischen diesen beiden Bereichen. [2] Nachfolgend werden verschiedene Förderkonzepte der Psychomotorik kurz vorgestellt. Die Unterteilung ist angelehnt an die Untergliederung von Fischer in „Einführung in die Psychomotorik“ Kapitel 4. [3]

Funktionale Perspektive

Psychomotorische Übungsbehandlung (PMÜ) nach Kiphard

Jonny Kiphard gilt als der „geistige Mentor“ der Psychomotorik. In den 70er Jahren hat sich die Psychmotorische Übungsbehandlung (PMÜ) in Deutschland verbreitet. Kiphard verarbeitet in seinem Konzept das Erlebte aus seiner Zirkuszeit. Mit seiner Arbeit spricht er alle Sinne an und ist besonders facettenreich.

Die PMÜ wurde in vier Gruppen unterteilt:

  • die Sinnes- und Körperschemaübungen;
  • die Übungen der Behutsamkeit und Selbstbeherrschung;
  • Rhythmisch-musikalische Übungen und
  • Übungen des Erfindens und Darstellens. [4]

Die PMÜ ist eine Gruppentherapie, bei der die Gruppengröße zwischen 6 und 10 Kindern liegen sollte. Die Behandlung sollte sich über mehrere Monate erstrecken. [5]

Klinische Psychomotorische Therapie (KPT)

Die Klinische Psychomotorische Therapie (KPT) ist eine Weiterentwicklung der PMÜ. Durch mehr Problemlöseaufgaben animiert sie gezielt zur Handlung. Die KPT wird von Ärzten verordnet und als Eingangs- und prozessbegleitende Förderdiagnostik ausgelegt. Im Vordergrund der Therapie steht die „Motorik als bewusstes und unbewusstes Bewegungsgesamt des Menschen“. [6]

Sensorische Integration nach Jean Ayres

Unter Sensorischer Integration versteht man die Verbindung verschiedener Wahrnehmungsbereiche. Alle Informationen, die über die Sinnessysteme aufgenommen werden können, werden miteinander verknüpft und anschließend zusammengeleitet. Das Ziel der Sensorischen Integrationstherapie ist es, das verstärkte Reizangebot zu erfahren und dann sinnvoll zu verarbeiten. Durch alltagsnahe, nachgestellte Situationen lernt das Kind seine Handlungen besser an die Umwelt anzupassen. [7]

Sensorisch Integrative Motodiagnostik und Mototherapie (SIM) nach Kesper und Hottinger

Die Sensorisch-Integrative Mototherapie nimmt besonders Bezug auf die motorische Entwicklung der ersten Lebensmonate eines Kindes. In den Übungen werden diese frühkindlichen Erfahrungen, wie Krabbeln, Rollen und Drehen, wiederholt. Dadurch erhalten die Kinder die Möglichkeit motorische Defizite auszugleichen. Die Motodiagnostik beobachtet die Fähigkeiten eines Kindes und auf dieser Grundlage wird ein individueller Förderplan erstellt. [8]

Erkenntnisstrukturierende / kompetenztheoretische Perspektive

Handlungsorientierter Ansatz nach Schilling

Das Modell von Schilling stellt den Menschen als aktives, handelndes und sich selbst regulierendes Subjekt in Interaktion mit seiner Umwelt dar. Die Grundannahmen seines Konzeptes sind, dass das Individuum und seine Umwelt eine untrennbare Einheit darstellen. Weiterhin ist die Entwicklung der Wahrnehmungsstrukturen ein lebenslanger Lernprozess, nach Piaget. In dieser Form der Psychomotorik werden problem- und fragenorientierte Aufgaben gestellt, welche eine Entwicklung von Lösungen notwendig machen. Ein Ziel ist es, die sozial-emotionalen Blockaden aufzuarbeiten, um damit die Schwächen der Kinder überwinden zu können. [9]

Kindzentrierte Mototherapie nach Volkamer und Zimmer sowie die kindzentrierte psychomotorische Entwicklungsförderung von Zimmer

Das Konzept von Volkamer und Zimmer ist zeitgleich zu dem von Schilling entstanden. Es stellt das Wachstum und den Drang nach Selbsterneuerung des Menschen in den Vordergrund. Ziel ist es, das Selbstbewusstsein und die Selbstwertschätzung des Kindes zu stärken. Über positive Körper- und Bewegungserfahrungen soll das erreicht werden. [10]

Psychomotorische Entwicklungstherapie von Krus

Hüpfende Kinder

Kinder verbessern gerne spielend ihre motorischen Fähigkeiten. © Lukas

In ihrer Diagnostik geht Krus so vor, dass sie das Verhalten eines Kindes zunächst beobachtet und einschätzt. Dazu gibt es einen Beobachtungsbogen, in welchen man die Auffälligkeiten, die im freien Verhalten eines Kindes entstehen, eingetragen werden. Damit sollen die Ressourcen des Kindes herausgestellt werden, doch auch die entwicklungshemmenden Umweltbedingungen werden nicht außer Acht gelassen. Die Beobachtungsschwerpunkte sind hierbei „Bewegung“, „Wahrnehmung“, „Psychomotorische Leistung und Verhalten“, „Sprache“, „Sozialverhalten und „Spielverhalten“. Die Therapie zielt darauf ab, die Ressourcen des Kindes zu fördern. [11]

Verstehender Ansatz in der Psychomotorik

Die Grundlage im Verstehenden Ansatz sind Entwicklungstheorien und -aufgaben. Aufgrund der Erfahrungen, die jeder Mensch erlebt, entsteht eine besondere Lebensgeschichte, welche seine individuelle Entwicklung erklärt. Die Entwicklungsthemen sind sehr umfangreich und erstrecken sich vom Geborgenheitsgefühl, über die Entdeckung des eigenen Geschlechts, bis hin zum Eintritt in das Arbeitsleben. Das Ziel dieser Therapie ist es, den Widerstand und die Hilflosigkeit des Menschen aufzuarbeiten. Genutzt werden dabei Rollen- und Symbolspiele aus der Psychomotorik. [12]

Ökologisch-systemische Perspektive

Systemisch-konstruktivistischer Ansatz von Balgo und Voss

Die Grundannahme des systemisch-konstruktivistischen Ansatzes ist es, dass der Mensch sich seine Lebenswirklichkeit schafft. Er ist ein selbstregulierendes Wesen in einem gesamtökonomischen System. Allerdings steht dieses Konzept noch am Anfang seiner Entwicklung. [13]

Quellen