Ein Mann löst Sudoku

Der Nutzen diverser Gehirnjoggingmethoden ist wissenschaftlich umstritten © SMI Eye Tracking under cc

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendjemand anruft oder zu ihm kommt und von ihm wissen will, was man tun kann, um im Alter geistig fit zu bleiben, lässt uns der bekannte Hirnforscher Manfred Spitzer wissen. Die Kanditaten der letzten Jahre haben Namen wie Gehirnjogging, Braingym, Sudoku und dergleichen mehr, bei Kindern ist es das allen bekannte Memory® Spiel, das den Weg zur optimalen Verschaltung bahnen soll.

Aber können Gehirnjogging & Co. auch halten, was sie versprechen? Eher nicht, wie sich immer mehr herausstellt.

Wer aus Spaß am Rätseln rätselt, der kann das auch weiter tun, doch wer damit zielgerichtet sein Gehirn fit halten will, setzt hier nur bedingt aufs richtige Pferd. Zwar haben die Übungen allesamt einen Trainingseffekt, aber nur genau für jenen engen Bereich, den man trainiert und nicht darüber hinaus. Sprich, wer Sudokus löst, wird mit der Zeit immer besser darin, aber er wird sich Worte nicht gezielter merken können oder besser behalten, wo er seinen Autoschlüssel verlegt hat oder kreative Lösungsansätze finden.

Fragen, die Alt und Jung betreffen

Doch nicht nur die ältere Generation interessiert sich für Techniken zur Optimierung der Denkleistung. Auch Studenten, Schüler, Arbeitnehmer sind heute mit diesen Möglichkeiten konfrontiert. Die diversen Angebote, die es derzeit gibt, können aber auch nicht die Größe unseres Kurzzeitgedächtnisses erhöhen, sondern sind primär Strategien den „Arbeitsspeicher“ des Gehirns effektiver zu nutzen.

Entscheidend ist, dass die fluide Intelligenz trainiert wird. Sie hilft uns dabei, neue Situationen zu lösen, die Fernbedienung eines neuen Geräts zu beherrschen, ohne die Gebrauchsanweisung zu studieren – und vor allem: sie greift auf viele unterschiedliche Lebensbereiche über, anders als das Lösen spezieller Aufgaben.

Was bedeutet fluide Intelligenz?

Fluide Intelligenz ist die Fähigkeit des Arbeitsgedächtnisses Probleme zu lösen, Muster zu erkennen und kreativ lernend Prinzipien zu isolieren. Die kristalline Intelligenz ist die Fähigkeit auf erlerntes Wissen und Lebenserfahrung zurückzugreifen. Geistig fit zu bleiben oder gut lernen zu können ist also eine Domäne der fluiden Intelligenz.

Nun ist die Frage, ob man die fluide Intelligenz trainieren und verbessern kann und die Antwort ist: Man kann! Zum einen soll es recht anspruchsvolle Übungen geben, die die fluide Intelligenz steigern, wie etwa der N-Back Test, doch diese werden zum Teil noch kontrovers diskutiert und die Stimmen mehren sich, dass es viel effektivere „Übungen“ gibt: Körperliche Bewegung und soziale Kontakte.

Was wirklich hilft

Die lapidare Antwort von Professor Spitzer in einem Interview mit dem Tagesspiegel:

Wir schauen den Gehirnen mit unseren Scannern ja bei der Arbeit zu, und am aktivsten sind sie, wenn Menschen mit Menschen zu tun haben. Ältere Menschen fragen mich oft, ob das tägliche Lösen von Kreuzworträtseln gutes „Gehirnjogging“ gegen Alzheimer sei. Meine Antwort lautet immer: Wenn Sie jeden Tag einen Enkel hüten würden, wär das für Ihr Gehirn besser, weil es stärker gefordert wäre.

Und damit ist er nicht allein. Regine Hauch lässt in ihrem Beitrag zur WDR5-Sendung Leonardo den Psychologie-Professor Axel Buchner zu Wort kommen, der einen direkten positiven Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Intelligenz im Alter sieht. Wer körperlich fit ist, hat auch höhere Chancen geistig fit zu bleiben. Man weiß noch nicht genau warum das so ist, ob es die bessere Durchblutung oder Lungenfunktion ist, aber man sieht, dass es so ist.

In seinem Buch „Die Säulen der Gesundheit“ greift der Arzt und Psychotherapeut Rüdiger Dahlke ebenfalls diese Synthese zwischen Bewusstsein und Bewegung auf. Er bezieht sich dabei unter anderem auf die Amerikanische Therapeutin Jean Houston, die feststellte, dass „bestimmte Bewegungsübungen die Entwicklung der Intelligenz fördern“.

Und welche sind das? Tanzen und Jonglieren, meint Professorin Petra Jansen und ist damit ganz bei Dr. Dahlke, der sagt, dass es vor allem um die Koordination des ganzen Körpers und um immer neue Herausforderungen für das Gehirn geht.

Quellen: