Partner zeigen positive Übertragung

Partnerschaft und Übertragung: Übertragungsauswirkung (2)

Partner zeigen positive Übertragung

Wie im vorherigen Artikel bereits erläutert, können in jeder Partnerschaft Gefühle, Gedanken, Erwartungen und Verhaltensweisen dem anderen gegenüber auftauchen, die auf einer Wiederholung früherer Beziehungsformen basieren. Im Zuge der Übertragung nimmt man also Dinge an seinem Partner wahr, die gar nicht unbedingt auf ihn zutreffen müssen. In diesem Teil sollen die Auswirkungen dieses Zuschreibungsprozesses genauer unter die Lupe genommen werden.

Positive Übertragungsphänomene

Neigt der Partner zu positiver Übertragung, schreibt er seinem Gegenüber gute Merkmale früherer Beziehungen wie Fürsorglichkeit, Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft oder Empathie zu (Wöller & Kruse, 2010). Hierbei ist es möglich, dass die Eltern sich früher genauso verhalten haben und man diese Erwartungen nun an seinen Partner weitergibt. Dies kann als ein Versuch betrachtet werden, innere Objektbeziehungen zu aktualisieren. Der Partner möchte sein Gegenüber unbewusst zu einer Rollenübernahme bewegen, indem er ihn dahingehend beeinflusst, sich entsprechend dieser Rollenzuweisung zu verhalten (Sandler, 1976). Er könnte sich möglicherweise sehr offen zeigen und erwarten, dass sein Gegenüber sich als guter Zuhörer erweist.

Folgen positiver Übertragung

Mild positive Übertragungen wirken sich günstig auf Beziehungen aus (Wöller & Kruse, 2010). Bei dieser Übertragungsform schreibt man dem Partner zwar positive Eigenschaften zu, schätzt diese aber auch nicht zu hoch ein. Beispielsweise hält man den anderen zwar für verlässlich, weiß aber auch, dass dieser auch mal etwas vergessen kann. Tritt dann ein Fehlverhalten des Partners ein, fällt die Enttäuschung vermutlich geringer aus.

Eine Gefahr positiver Übertragung liegt hingegen in der Idealisierung des Gegenübers (Wöller & Kruse, 2010). Erwartet man von diesem, dass alles verlässlich und überaus korrekt erledigt wird, ist die Enttäuschung im Falle eines Fehlers höchstwahrscheinlich umso größer.

Negative Übertragungsphänomene

Der Unterschied zur positiven Übertragung besteht darin, dass negative Erfahrungen früherer Beziehungen auf den Partner übertragen werden (Wöller & Kruse, 2010). Aus Sicht der operanten Konditionierung (Thorndike, 1911) richten Menschen ihr Verhalten entsprechend der Folgen aus, die mit der Ausführung einer Handlung verbunden sind (Rheinberg, 2006). Beispielsweise kann eine Tätigkeit unterlassen werden, weil sie mit einer gewissen Bestrafung in Zusammenhang steht. Hierbei handelt es sich um ein erlerntes Handlungsschemata. Ist der Partner nun als Kind von seinen Eltern häufig für falsche Äußerungen bestraft worden, wird er es auch bei anderen vermeiden kritische Themen anzusprechen, aus Angst verachtet oder verurteilt zu werden.

Folgen negativer Übertragung

Hat der Partner vornehmlich schlechte Erlebnisse mit Menschen aufzuweisen, wird er diesen höchstwahrscheinlich mit mehr Misstrauen entgegentreten. Macht er nun die Erfahrung, dass sich sein Partner ihm gegenüber positiv verhält, mag dies das Beziehungsgeschehen begünstigen.

Allerdings kann der Partner genauso gut negative Anteile in seinem Gegenüber aktivieren, die dazu führen, dass dieser sich ihm gegenüber wie vermutet schlecht verhält. Die Reaktion des Gegenübers verstärkt wiederum die negative Übertragung des Partners (Treurniet, 1996; Wöller & Kruse, 2010). Beispielsweise vermutet der Partner von seinem Gegenüber mit geringer Wertschätzung behandelt zu werden. In Folge dessen zeigt er sich misstrauisch. Das Gegenüber interpretiert dieses Misstrauen ebenfalls als Ablehnung seiner Person und zeigt sich somit auch misstrauisch. Auf Dauer fühlen sich beide umso mehr abgelehnt.

Quellenangaben

  • Rheinberg, F. (2006). Intrinsische Motivation und Flow-Erleben. In J. Heckhausen & H. Heckhausen (Hrsg.), Motivation und Handeln (3., durchges. Aufl., S. 331–354). Berlin: Springer.
  • Sandler, J. (1976). Gegenübertragung und Bereitschaft zur Rollenübernahme. Psyche, 30, 297-305.
  • Thorndike, E.L. (1911). Animal intelligence: Experimental studies. New York: Macmillan.
  • Treurniet, N. (1996). Über eine Ethik der psychoanalytischen Technik. Psyche, 50, 1-31.
  • Wöller, W. & Kruse, J. (2010). Übertragungsphänomene erkennen. Die Diagnose von Übertragungsmanifestationen. In W. Wöller & J. Kruse (Hrsg.), Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (3., durchges. Aufl., S. 226-231). Stuttgart: Schattauer GmbH.
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