Wir alle erleben ihn nachts. Er ist wie ein Film, dessen Sinn uns auf den ersten Blick fragwürdig erscheint. Der Traum. Trauminhalte spiegeln bewusste und dynamisch unbewusste Anteile unseres Erlebens und unserer Persönlichkeit wider.

Brücke zur Traumwelt

Brücke zur Traumwelt © Shadowgate under cc

Was sind Träume?

Trauminhalte bestehen vorwiegend aus einer Folge visueller Bilder, die während des Schlafes erlebt werden. Sie bestechen in der Regel durch eine oder mehrer Handlungen und Interaktionen. An diesen sind der Träumer und weitere Personen beteiligt. Sie haben Ähnlichkeit mit einem Film, in dem der Träumer sowohl Autor, Regisseur, Mitspieler als auch Beobachter ist (Jung, 1925). Trauminhalte werden durch das dynamisch Unbewusste beeinflusst (Freud, 1900).

Das dynamisch Unbewusste

Entstehung

Das Unbewusste ist im Verlauf der persönlichen Lebensgeschichte durch Verdrängung entstanden. Das Verdrängte entsteht wiederum aus Erfahrungen mit der Umwelt. Es lässt sich als eine Reaktion auf erhöhten Stress ansehen. Stressursachen können negative Gedankeninhalte wie beispielsweise Ängste oder Kränkungen sein, die verdrängt werden, um den Körper auf Dauer vor einem zu hohen Energieverlust zu bewahren (Schmidbauer, 2009). Auch werden Triebregungen, die mit den Werten, Normen und Einstellungen unserer Gesellschaft nicht vereinbar sind, verdrängt. Hierzu zählen beispielsweise sexuelle Wünsche und Fantasien (Freud, 1900).

Trauminhalte als Ausdruck des dynamisch Unbewussten

Verdrängte Gedanken sind uns im Alltag zwar nicht bewusst, aber vergessen haben wir sie deshalb nicht. Verlässt nun ein Teil dieser verdrängten Gedanken die sichere Schutzhülle des Unbewussten um ins Bewusstsein zu gelangen, kann dieser Teil als das dynamisch Unbewusste bezeichnet werden. Trauminhalte sind eine Brücke zwischen dem Unbewussten bzw. den verdrängten Gedanken und dem Bewussten bzw. den gegenwärtig erlebten Gedanken (Freud, 1900). Daher können Gedanken oder innere Konflikte, die wir im Alltag ausklammern, in Träumen wieder zum Vorschein kommen.

Was beeinflusst die Trauminhalte?

Bewusstseinsfähiger Kompromiss

Trauminhalte werden so gestaltet, dass sie vom Bewusstsein des Träumers im Schlaf toleriert werden können. Der Traum wird also zensiert und gibt nicht alle Einzelheiten eines verdrängten Konfliktes wieder. Der Schlaf soll nicht durch eine zu beängstigende Symbolik gestört werden (Freud, 1900).

Eine Möglichkeit der Traumzensur besteht in der Entkoppelung. Hierbei werden Wortvorstellungen in harmlosere Bilder umgewandelt (Ermann, 2005). Beispielsweise kann jemand, der Angst vor Spritzen hat, von einer Nähnadel träumen. Eine Nähnadel hat zwar gewisse Ähnlichkeit mit der Spritze, da sie ebenfalls pickt, ist aber wesentlich kleiner und sticht weniger stark.

Auch kann eine Verschiebung vorgenommen werden, indem Bedeutsames durch Unwichtiges ersetzt wird (Mertens, 2003). Hat jemand Angst vor dem Ertrinken, würde er Wasser nur in Form einer Pfütze auf einer großen Straße wahrnehmen.

Im Zuge der Verdichtung kann ein Bild mehrere Bedeutungen enthalten (Mertens, 2003). So kann ein Wohnungsbrand einerseits bedeuten, dass das Hab und Gut des Bewohners in Gefahr ist und andererseits, dass er sich von unnötigen Altlasten befreien möchte.

Tagesrest

Unter Tagesresten versteht man Eindrücke aus dem aktuellen bewussten Erleben, die sich in Trauminhalten widerspiegeln (Mertens, 2003). Menschen sind in Wachphasen einer Fülle von Eindrücken ausgesetzt, die nicht alle tiefergehend verarbeitet werden können. Wer beruflich voll eingespannt ist, sich um seine Familie kümmern muss oder eine umfangreiche Freizeitgestaltung hat, kann nicht alles Erlebte sofort reflektieren. Eine Verarbeitung dieser Erlebnisse findet dann aber möglicherweise im Traum statt.

Quellenangaben

  • Ermann, M. (2005). Träume und Träumen. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Freud, S. (1900). Die Traumdeutung. Wien, Leipzig: Verlag Franz Deuticke.
  • Jung, C.G. (1925). Analytical psychology: Notes of the seminar given in 1925. Zürich: William McGuire.
  • Mertens, W. (2003). Traum und Traumdeutung (3., durchges. Aufl.). München: C.H. Beck.
  • Schmidbauer, W. (2009, März). Das Glück der Verdrängung. Online verfügbar (09.12.2011).
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