Effektivität beim Sport

Extrinsische Motivation beim Sport

“Eigentlich quäle ich mich nur ins Fitnessstudio, um eine so schöne Figur zu haben wie die Models aus dem Fernsehen.” Extrinsische Motivation beim Sport liegt dann vor, wenn allein äußere Gründe dazu führen, sich sportlich zu betätigen. Es geht also nicht um den Sport selbst. Dieser ist nur Mittel zum Zweck. Dies kann sowohl Vor- als auch Nachteile haben.

Wie kommt extrinsische Motivation beim Sport zustande?

Handlungsmotive

Effektivität beim Sport

Effektives Training zur Verbesserung der Figur © U.S.Army under cc

Unter Handlungsmotiven lassen sich grundlegende und situationsübergreifende Ziel- oder Wertungsdispositionen eines Menschen verstehen (Schneider & Schmalt, 2000; Schüll, 2003). Es handelt sich also um unsere Einstellungen und Meinungen, die wir gegenüber gewissen Sachverhalten haben.

Wahl extrinsischer Handlungsmotive

Handlungen werden häufig durch äußere Anreize ausgelöst (Nerdinger, 2008). Beispielsweise sieht man in der Fernsehsendung “Germanys Next Topmodel” lauter schlanke Frauen. Dies allein wirkt sich allerdings noch nicht auf die Motivation aus. Das Ausmaß der Handlungsmotivation ist viel eher von der individuellen Bewertung dieses Anreizes abhängig (Atkinson, 1957; Vroom, 1964). Ist es der Person also wichtig auf andere attraktiv zu wirken, wird sie sich ebenfalls wünschen, so schlank wie die Models aus dem Fernsehen zu sein. Sie wird daher ein erhöhtes Maß an Zeit und Anstrengung in ihre Figur investieren. Deshalb wählt sie eine Sportart aus, die es ihr ermöglicht dieses Ziel zu erreichen.

Extrinsische Motivation beim Sport liegt also dann vor, wenn der Anreiz außerhalb des Handlungsvollzuges liegt (Krapp & Weidemann, 2006). Die sportliche Tätigkeit wird also nur ausgeführt, um abzunehmen oder einen strafferen Bauch zu bekommen.

Vorteil: Zielgenaues Vorgehen

Extrinsische Motivation beim Sport ist dann von Vorteil, wenn sie zielgenau ist. Im Zentrum des Interesses stehen also die Handlungen, die die höchste Effektivität erbringen (Pittman, Boggiano & Ruble, 1983; Shapira, 1976; Skinner, 1938). Es werden also die sportlichen Aktivitäten ausgewählt, welche die meisten Kalorien verbrennen oder den Körper am besten straffen. Beispielsweise folgt das Training einem vorher festgelegten Traingsplan, welcher die effektivsten Übungen für einzelne Körperbereiche aufweist. Dies führt bei entsprechender Disziplin am ehesten zur Traumfigur.

Vorteil: Positive Verstärkung

Die extrinsische Motivation beim Sport ist stark mit dem Modell der operanten Konditionierung verknüpft (Thorndike, 1911). Im Zuge der positiven Verstärkung wird die Auftrittswahrscheinlichkeit für ein Verhalten erhöht, wenn dieses eine positive Konsequenz hat. Die Person würde also häufiger das Fitnessstudio aufsuchen, wenn ihr Freunde oder (potentielle) Sexualpartner Komplimente für ihre Figur machen.

Nachteil: Extinktion

Nur was passiert, wenn diese Komplimente ausbleiben oder sich die Erfolge nicht wie gewünscht einstellen? Da die extrinsische Motivation beim Sport ihren Aufmerksamkeitsfokus nicht im sportlichen Erleben selbst, sondern eher in der erwarteten Belohnung hat, kann die Sportart bei Wegfallen dieser Belohnung schnell an Bedeutung verlieren. Wird das Verhalten also von außen nicht mehr positiv verstärkt, tritt eine so genannte Extinktion ein. Darunter wird eine Löschung des vorher gezeigten Verhaltens verstanden. Dieses tritt demnach seltener auf oder wird ganz eingestellt (Linden & Hautzinger, 2000). Die betreffende Person würde das Fitnessstudio also seltener oder gar nicht mehr besuchen.

Als Kriterien für die Wahl einer geeigneten Sportart sollten demnach, neben positiven Konsequenzen wie Abnehmen, auch erlebnisorientierte Aspekte wie Spaß oder persönliches Interesse eine Rolle spielen. Auf diese wird im zweiten Artikel näher eingegangen.

Quellenangaben

  • Atkinson, J.W. (1957). Motivational determinants of risk-taking behavior. Psychological Review, 64, 359-372.
  • Krapp, A. & Weidemann, B. (2006). Pädagogische Psychologie (5., durchges. Aufl.). Weinheim: PVU.
  • Linden, M. & Hautzinger, M. (2000). Verhaltenstherapiemanual. Berlin: Springer.
  • Nerdinger, F.W., Blickle, G. & Schaper, N. (2008). Arbeits- und Organisationspsychologie. Berlin: Springer.
  • Pittman, T.S., Boggiano, A.K. & Ruble, D.N. (1983). Intrinsic and extrinsic motivational orientations: Limiting conditions on the undermining and enhancing effects of reward on intrinsic motivation. In J. Levine & M. Wang (Hrsg.), Teacher and student perceptions: Implications for learning (S. 319-340). Hillsdale, NJ: Erlbaum.
  • Schneider, K. & Schmalt, H.-D. (2000). Motivation (3., durchges. Aufl.). Stuttgart: Kohlhammer.
  • Schüll, P. (2003). Motive Ehrenamtlicher. Eine soziologische Studie zum freiwilligen Engagement in ausgewählten Ehrenamtsbereichen. Unveröffentlichtes Manuskript. Universität Bayreuth.
  • Shapira, Z. (1976). Expectancy determinants of intrinsically motivated behavior. Journal of Personality and Social Psychology, 34, 1.235-1.244.
  • Skinner, B.F. (1938). The behavior of organisms. New York: Appleton-Century-Crofts.
  • Thorndike, E.L. (1911). Animal intelligence: Experimental studies. New York: Macmillan.
  • Vroom, V. (1964). Work and motivation (9., durchges. Aufl.). New York: Wiley.
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