Vorstellung eines ewigen Lebens

Keine Angst vor dem Tod

Der Tod wird im Regelfall als Entwicklungsaufgabe des Alters gesehen. Aber auch schwerwiegende Erkrankungen, Unfälle u.ä. können ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Leben zur Folge haben. Obwohl der Tod zum Leben dazugehört, fällt es schwer ihn zu akzeptieren und keine Angst vor dem Tod zu haben.

In unserer Gesellschaft der ewigen Jugend und Gesundheit wird Altern und Tod geradezu ausgeklammert und verdrängt. Dies führt zu einer Entfremdung des Todes als Bestandteil des natürlichen Kreislaufes und lässt die Angst vor dem Tod immer größer werden.

Ist es möglich, die Angst vor dem Tod zu verringern, z.B. weil man religiös ist?

Religion und Angst vor dem Tod

Die aktuelle Forschung zum Zusammenhang zwischen Religion und der Angst vor dem Tod findet interessante Ergebnisse.

So zeigt eine Langzeitstudie von Wink und Scott (2005), dass ein kurvilinearer Zusammenhang zwischen der Religiosität und der Angst vor dem Tod existiert. Naheliegend ist, dass Personen, welche stark religiös sind und an ein Leben nach dem Tod glauben, den Tod eher weniger fürchten. Aber auch Personen, welche überhaupt nicht religiös sind, haben weniger Angst vor dem Tod. Dagegen fürchten Personen, die sich noch nicht mit dem Thema befasst haben oder sich noch keine eigene Meinung gebildet haben, den Tod am meisten.

Vorstellung eines ewigen Lebens

Religiosität gegen die Angst vor dem Tod © Bernd Baltz under cc

Es scheint also, dass eine gewisse Einstellung zum Tod von Vorteil ist, um die Angst vor dem Tod zu verringern. Diese Einstellung kann zum einen religiös geprägt sein. Sie kann aber auch eher weltlicher Natur sein. Eine abgeklärte naturwissenschaftliche Sichtweise, dass man Teil eines komplexen Gefüges ist, welches weiterläuft, während man selbst unwiederbringlich aufhört zu existieren, kann die Angst vor dem Tod ebenfalls verringern.

Je früher diese Weltanschauungen in Bezug auf den Tod gefestigt sind, desto geringer ist die Angst vor dem Tod im späteren Erwachsenenalter, wie die Forscher darüber hinaus zeigen konnten. Es scheint also von Nutzen, sich bereits im jungen bzw. mittleren Erwachsenenalter Gedanken über den Tod zu machen, anstatt diesen zu verdrängen.

Auch das Erleben schmerzhafter Erfahrungen kann mit der Angst vor dem Tod in Zusammenhang stehen.

Krankheit und Angst vor dem Tod

Wink und Scott (2005) zeigen in ihrer Studie, dass das Erleben von z.B. Krankheiten oder Trauerfällen die Angst vor dem Tod verringern kann. Womöglich führt die Konfrontation mit Leid und Schmerz dazu, den Tod weniger zu fürchten. Zum einen führt es dazu, dass man sich mit dem Sterben und dem Tod auseinandersetzt. Zum anderen kann der Tod aber auch etwas Tröstendes haben, denn er beendet Schmerz und Erschöpfung.

Schon früher versuchte man sich gedanklich mit dem Tod auseinanderzusetzen, in dem man sich ihm dem Schlaf ähnlich vorstellte.

Der Schlaf als kleiner Bruder des Todes

Früher wurde der Schlaf als kleiner Bruder des Todes bezeichnet. Heute weiß man anhand neuropsychologischer Forschungen, dass dies bei weitem nicht so ist und im Schlaf überaus wichtige Hirnprozesse wie z.B. die Gedächtniskonsolidierung ablaufen.

Dennoch kann es helfen, sich anhand des Schlaferlebnisses den Tod vorzustellen. Wenn man nicht gerade Erinnerungen an Träume hat, erlebt man Schlafphasen nicht bewusst, so als würde man während dieser Zeit nicht existieren. Trotz allem erscheint uns Schlaf als etwas Beruhigendes und wenig Bedrohliches.

Sich gedanklich mit dem Tod zu befassen, kann letztendlich helfen die Angst vor dem Tod zu verringern. Wichtig scheint, ihn als etwas Natürliches zu begreifen, anstatt ihn zu verdrängen. Zusammen mit einem zufriedenen Leben stünde dann einem friedvollen Abschluss des Lebens nichts mehr im Wege.

Quelle:

  • Wink, P. & Scott, J. (2005). Does religiousness buffer against the fear of death and dying in late adulthood? Findings from a longitudinal study.The journals of gerontology. Series B, Psychological sciences and social sciences, 60(4), P207-14.

Möchten Sie mehr über die Angst vor dem Tod erfahren? In unserer Artikelserie Die Angst vorm Sterben – Der Tod als Teil des Lebens (1) betrachten wir die Angst vor dem Tod aus einem anderen Blickwinkel und zeigen Ansätze zur Bewältigung auf.

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Kommentare
Eine Antwort. zu “Keine Angst vor dem Tod”
  1. Godfried sagt:

    Ich habe zwar auch Angst vor dem Tod an sich, weil da nichts mehr kommt, aber wie im Schlaf, merkt man eh nichts davon.

    Man sollte weniger Zeit mit der Angst verbringen und mehr mit dem Leben. Es ist doch verschwendete Lebenszeit, sich Gedanken über das “was wäre wenn” zu machen, genießt das Leben!

    Wenn oder besser gesagt, wann man stirbt, kann man sowieso unter keinen Umständen ändern. Es passiert alles, wie es passiert, man wird am Schicksal nichts ändern können. Kommt beispielsweise ein Tornado, kann man nicht wegrennen und kann nur überleben, wenn es das Schicksal so will. Schicksal ist kein Wesen, sondern eine Folge von Ereignissen, die unabänderlich sind. Fällt man aus einem Flugzeug ohne Fallschirm, ist es fast nicht möglich, dies zu überleben. Es sei denn, ein anderer Mensch würde versuchen zu helfen.

    Mein Rat: Lebt das Leben, habt Spaß, helft Mensch und Tier, wir sollten zusammenhalten und das Leben so schön wie möglich gestalten, für alle Lebensformen. Habt Respekt vor dem Leben. Sterben tun wir alle, aber leben nur einmal.

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