Krankenschwester bei der Arbeit

Das Pflegepersonal: motiviert, doch oft überfordert © DBfK Pressefoto

Stress und Überforderung im Berufsalltag der Pflegekräfte haben nicht nur Auswirkungen auf die direkt Betroffenen und ihre Familien, sondern in immer breiterem Umfang auf die gesamte Gesellschaft. Was dem bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen heute schon droht und zukünftig noch mehr (und man darf annehmen, dass das nicht auf NRW beschränkt ist), ist ein massiver Pflegenotstand, wir stehen in der Gefahr eine, im wörtlichen Sinne, ungepflegte Gesellschaft zu werden.

Für eine alternde Gesellschaft, mitten im demographischen Wandel, bedeutet das aber, dass immer mehr Pflegekräfte gebraucht werden. Schon heute fehlen, nach Angaben des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, rund 30.000 Pflegekräfte, im Jahr 2050 werden 1 Million Pflegekräfte benötigt.

Das hat nicht nur Folgen für die ältere Generation, es bedeutet auch höhere Kosten und größere Belastungen für die jüngere – und kann zu psychosozialen Spannungen führen.

Durchschnittlich acht Jahre bleibt eine Pflegekraft in ihrem Beruf, bis zur Kündigung, wegen Überforderung: Burnout, Rückenprobleme, mangelnde Anerkennung von Vorgesetzen und schlechte Bezahlung sind nur einige der Gründe. Besorgniserregend ist, dass die Besten, da sie sich ihren Beruf so nicht vorgestellt haben, zuerst gehen, nämlich im Schnitt nach fünf Jahren. Wenn aber verstärkt diejenigen bleiben, die ihren „Job“ nur noch unmotiviert durchziehen, sind wir in der Gefahr englische Verhältnisse zu bekommen. Dabei beschränken sich die Autoren der Studie nicht nur auf die Darstellung der Zustände, sie bieten auch Lösungen an.

Was muss sich ändern?

Die Zahlen klingen und sind dramatisch, doch unerreichbar ist die Lösung nicht. Ein einziges Jahr mehr zu arbeiten würde ausreichen und der aktuelle Missstand wäre behoben. Dazu müsste nicht nur das Berufsbild attraktiver werden, sondern vor allem die Arbeitsbedingungen besser. Immer weniger Pflegekräfte müssen immer mehr Arbeit verrichten, die Verantwortung, der Stress und die Gefahren stehen oft in einem Missverhältnis zur Anerkennung durch Vorgesetzte und zum Lohn. Die Möglichkeit, sich um leidende Menschen so zu kümmern wie man es wollte, ist oft nicht ausreichend gegeben, die körperlichen und psychischen Anforderungen sind hingegen hoch.

Das ist nicht allein das bedauerliche Schicksal eines Berufsstandes, sondern mehr und mehr ein Problem, das uns alle angeht, denn wir sind die Pflegefälle der Zukunft, unsere Eltern schon etwas eher. Die Alternative der häuslichen Pflege ist privat kaum zu schaffen und selten zu bezahlen, die ungepflegte Gesellschaft droht.

Der Druck, unter dem die PflegerInnen stehen, vor allem der durch Arbeitsüberlastung (zu wenig Personal) und zu geringe Anerkennung durch Vorgesetzte, muss sich irgendwo entladen. Er tut es in internen Spannungen beim Pflegepersonal oder in Burnouts, Rückenbeschwerden und anderen, oft psychosomatischen Erkrankungen. Die Situation der Unterversorgung wird durch Krankenstand und Frustration dann weiter verschlimmert.

Einen Trost gibt es dennoch für Pflegekräfte: Wenn auch nicht immer von Vorgesetzen und Geldgebern gewürdigt, so haben Krankenschwestern in den Augen der Bevölkerung einen der vertrauenswürdigsten Berufe überhaupt.

Was kann man tun?

leerer Flur im Krankenhaus

Damit der Anblick menschenleerer Flure kein Alltag wird © DBfK Pressefoto

Jeder, der in der Situation ist, auf Pflege für sich oder seine Angehörigen angewiesen zu sein, muss sich klar machen, dass optimale ärztliche und pflegerische Versorgung wichtig ist und uns zusteht. Wo es nicht rund läuft, sollte man keine falsche Scheu vor einer Beschwerde haben, die dem überforderten Personal nicht schadet, sondern nutzt.

Die Mitarbeiter tun oft ihr Bestes, bei Einsparungen beim Personal werden sie nicht gefragt. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind natürlich auch Wirtschaftsunternehmen. In unser aller Interesse müssen wir uns fragen, ob sie das ausschließlich sein sollen und was uns gute Pflege wert ist.

Bei einseitig wirschaftlicher Ausrichtung wird die Talsohle wohl erst durchschritten, wenn die Kosten für Gerichtsprozesse aufgrund von Fehlern die Kosten und Mühen um mehr Personal übersteigen. Bis dahin werden wir eine ungepflegte Gesellschaft sein und das kann niemand wollen.

Noch keine Stimmen.
Bitte warten...