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Macht Selbstständigkeit glücklich? – Nicht unbedingt!

Dass Selbstständigkeit glücklich machen kann, zeigen viele Studien (z.B. Benz & Frey, 2008). Selbstbestimmtes Arbeiten sowie der eigene Chef zu sein stehen offenbar mit höherer Arbeitszufriedenheit in Zusammenhang, verglichen mit angestellten Mitarbeitern. Die Höhe des Einkommens oder die Anzahl der Arbeitsstunden – beides bei Selbstständigen ja oft in eher ungünstigerem Verhältnis – beeinflussen die höhere Arbeitszufriedenheit dabei nicht. Es scheint also, als wäre die berufliche Selbstständigkeit der ultimative Weg für ein glückliches, langes Arbeitsleben.

Nun lassen allerdings neuere Studienergebnisse vermuten, dass dahingehend differenziert werden sollte, ob Selbstständigkeit glücklich macht. Denn während für Einige selbstständiges Arbeiten berufliche Zufriedenheit bedeutet, scheint es für Andere nicht der richtige Weg zu sein.

Gründe für Selbstständigkeit entscheidend

In ihrer Studie (2012) fanden Binder und Coad vom Max-Planck-Institut für Ökonomik zwei Gruppen von Selbstständigen, welche sich hinsichtlich ihrer Zufriedenheit unterschieden. Ob berufliche Selbstständigkeit glücklich macht, scheint von den Gründen für die Selbstständigkeit abzuhängen.

Die Forscher ließen zwei Motivationsarten als Gründe dafür sich selbstständig zu machen in ihre Berechungen mit einfließen: Selbstständigkeit als Weg aus der Arbeitslosigkeit, sozusagen gezwungenermaßen, versus Selbstständigkeit als selbst entschiedene, frei gewählte Möglichkeit.

Frei gewählt macht Selbstständigkeit glücklich

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Binder und Coad fanden in ihrer Langzeitstudie (2012) heraus, dass Personen, welche freiwillig aus einem Beschäftigungsverhältnis in die Selbstständigkeit wechselten, einen signifikanten Zuwachs an Lebenszufriedenheit im Allgemeinen aufwiesen. Erhoben wurden die Daten in den ersten zwei Jahren nach Beginn der Selbstständigkeit. Es scheint also, als würden freiwillig Selbstständige nicht nur einen Zuwachs an Arbeitszufriedenheit, sondern auch allgemein einen Zuwachs an Zufriedenheit in ihrem Leben erhalten. Diese Personen scheint die berufliche Selbstständigkeit glücklich zu machen.

Gezwungenermaßen selbstständig macht nicht zufriedener

Personen, welche sich gezwungenermaßen selbstständig machen, um der Arbeitslosigkeit zu entfliehen, profitieren offenbar nicht in puncto Lebenszufriedenheit. Sie unterschieden sich in Bezug auf ihre Lebenszufriedenheit nicht von Personen, welche aus der Arbeitslosigkeit in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis wechselten. Vielmehr zeigte sich – wenn auch nicht statistisch signifikant – sogar eine geringere Lebenszufriedenheit als bei der Vergleichsgruppe der Neu-Angestellten.

Ob Selbstständigkeit glücklich macht, hängt also vor allem von der Motivation für die Entscheidung zur Selbstständigkeit ab. Wählt man aus freien Stücken die berufliche Selbstständigkeit, kann dies durchaus der Weg in die berufliche Erfüllung sein. Wer aus der Not heraus selbstständig ist, profitiert dagegen eher nicht davon, sein eigener Chef zu sein.

Quellen:

  • Benz, M. & Frey, B.S. (2008). Being Independent is a Great Thing: Subjective Evaluations of Self-Employment and Hierarchy. Economica 75, 362-383.
  • Binder, M. & Coad, A. (2012). Life satisfaction and self-employment: A matching approach. SMALL BUSINESS ECONOMICS. DOI 10.1007/s11187-011-9413-9.
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