Wäre ein Lernen ohne Schule in Deutschland vorstellbar? In vielen anderen Ländern ist dies möglich und Homeschooling-Befürworter sagen ja, wie Teil eins dieser Artikelserie aufgezeigt hat. Kritiker dagegen äußern Bedenken. Teil zwei dieser Serie schenkte den kritischen Stimmen Gehör.

Im dritten Teil wollen wir nun versuchen uns beiden Seiten anzunähern. Doch zunächst erst einmal der aktuelle Status quo in Bezug auf ein Lernen ohne Schule in Deutschland.

Homeschooling in Deutschland versus Schulpflicht

Besser lernen ohne Schule in Deutschland?

Besser Lernen ohne Schule in Deutschland? Schulgebäude in Berlin © grueneberlin under cc

In Deutschland besteht derzeit die Schulpflicht gegenüber vielen anderen Ländern mit einer sog. Bildungspflicht. Kurz gesagt: Kinder müssen eine staatliche oder staatlich anerkannte bzw. genehmigte Schule besuchen.

Damit ist ein Lernen ohne Schule in Deutschland nur unter bestimmten Vorraussetzungen erlaubt, so z.B. bei Arbeit im Ausland. Besteht dagegen nach Antragsprüfung keine Veranlassung, müssen Kinder zur Schule. Bei Nichtbeachtung greifen Maßnahmen, damit ein Kind bzw. dessen Familie der Schulpflicht nachkommt.

Den Befürwortern für ein Lernen ohne Schule in Deutschland bleibt dann häufig nur die Flucht nach vorn – sei es im wörtlichen Sinne, wie am Beispiel einer deutschen Familie, welche Asyl in den USA als politisch Verfolgte beantragt hat und auch erhielt – oder im übertragenen Sinne gemäß den Reaktionen der UNO zu möglichen Menschenrechtsverletzungen in Zusammenhang mit einer Schulpflicht.

Einzelne Politiker befürworten Homeschooling

Mittlerweile äußern sich aber auch deutsche Politiker (z.B. Norbert Blüm, CDU) zur Möglichkeit von einem Lernen ohne Schule in Deutschland, vor allem aufgrund von Ermangelung an Alternativen im derzeitigen Regelschulsystem.

Ließe sich also ein Lernen ohne Schule in Deutschland umsetzen, damit man den Befürwortern und auch den kritischen Stimmen gerecht werden kann?

Lernen ohne Schule in Deutschland – Eine Annäherung

Als mögliche Gefahren beim Homeschooling sieht man die mangelnde Überprüfung von Lernfortschritten sowie auch eine eingeschränkte sozial-geistige Entwicklung. Die Bildung von Parallelgesellschaften vor allem auch bezüglich rechtsradikaler Tendenzen wurde zuletzt auf psyheu.de benannt.

Staatliche Kontrollinstanz notwendig

Am Beispiel Österreichs ließe sich ein Kompromiss für ein Lernen ohne Schule in Deutschland formulieren: In regelmäßigen Abständen werden die Homeschooler dort geprüft, genügen ihre Leistungen nicht, wird ein Schulbesuch erforderlich.

Um den Kritikern aber gänzlich gerecht zu werden, müssten diese „Kontrollen“ neben dem fachlichen Kenntnisstand auch soziale und ethische Bereiche mit einbeziehen. Inwiefern wäre dies aber vertretbar bzw. real umsetzbar?

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob es überhaupt sinnvoll wäre, da ja selbst bei staatlichem Schulbesuch die Freizeitgestaltung am Nachmittag nicht überblickt werden kann.

Auch Freizeit birgt Chancen und Gefahren

Denn auch die Freizeitgestaltung birgt Gefahren. So könnten die befürchteten politischen Fehlgesinnungen auch am Nachmittag zu den Kindern durchdringen, gerade aus Ermangelung an Alternativen im Freizeitbereich. Diesbezüglich scheint ein Lernen ohne Schule in Deutschland also kein Tropfen auf den heißen Stein zu sein.

Zum anderen bringt Freizeit auch Chancen mit sich: Die von Kritikern vermuteten mangelnden sozialen Kompetenzen ließen sich beim Lernen ohne Schule durch die Nachmittagsgestaltung in Sportvereinen etc. kompensieren.

Aufklaffen der Gesellschaft auch ohne Homeschooling

Privatschule oder Lernen ohne Schule in Deutschland?

Lernen ohne Schule in Deutschland vs. Privatschule © Montgomery County Planning Commission under cc

Die soziale Schere in der Gesellschaft würde auch ohne ein Lernen ohne Schule in Deutschland weiter aufgehen. Denn Homeschooling wäre nur ein weiterer Mitstreiter – neben all jenen Privatschulmöglichkeiten – im Run auf die beste Schulausbildung, so man es sich leisten kann.

Insgesamt lässt sich ein Lernen ohne Schule in Deutschland durchaus als eine Alternative in Erwägung ziehen. Inwieweit eine staatliche Kontrolle erfolgen sollte (und sei es nur zur Prüfung der Kindeswohlgefährdung), müsste erwogen werden.

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Quellen:

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