Figur ohne Gesicht

Er ist überall © Keoni Cabral under cc

Stalking, Drohungen und Mobbing stellen, ebenso wie Erpressungen und Cybermobbing, aktive Formen psychischer Gewalt dar.

Anders als bei der emotionalen Erpressung schädigt der Täter nicht sich selbst, sondern versucht aggressiv das Opfer zu schädigen.

Ob im Rahmen einer ehemaligen oder auch nur phantasierten Beziehung, verwickelt ein Stalker sein Opfer in ein emotionales Verwirrspiel, aus angeblicher Liebe (an die der Täter zuweilen selbst glaubt) und handfester sadistischer Manipulation. „Keiner kann sich vorstellen, wie sehr ich dich liebe, ich weiß, wir gehören zusammen (und wehe, wenn du nicht auch so empfindest)!“ Der letzte Teil ist oft unausgesprochen, aber als Drohung ständig präsent. „Ich liebe dich zwar, aber ich kann auch anders“, ist die konstante Drohkulisse des Stalkers. Das stellt er durch seine scheinbare Omnipräsenz unter Beweis. Er kann jederzeit anrufen, auftauchen und es reicht nach einiger Zeit, wenn er nur, ganz gelegentlich, auf der anderen Straßenseite steht, um die nötige Wirkung zu entfalten.

Das Opfer wird verängstigt, verunsichert, aus der emotionalen Balance gebracht, der Stalker fühlt sich großartig: überlegen und mächtig. Denn er bekommt was er vor allem will: Aufmerksamkeit. Das Problem ist, dass in manchen Fällen jede Form von Aufmerksamkeit etwas ist, an dem sich der Stalker weidet. Am Anfang meint man, ein vernünftiges Gespräch könne die Sache aus der Welt schaffen, dann beginnt man zu schimpfen, zu drohen und eventuell zu flehen und zu verhandeln. Der Stalker findet das alles großartig, weil es ihm um Aufmerksamkeit und Macht geht. Und alles Tun geschieht im Rahmen seiner Regie und nach seinen Regeln.

Die Scham des Opfers

Ob beim Stalking, Drohungen oder Mobbing, die Schamgefühle des Opfers sind ein wesentlicher Punkt. Opfer haben oft das Gefühl, sie hätten irgendwas falsch gemacht und oft will die Öffentlichkeit mit ihnen auch nichts zu tun haben, da man nicht in Schwierigkeiten reingezogen werden möchte.

Ist man einmal als jemand abgestempelt, mit dem man alles machen kann, ist diese Situation schwer zu korrigieren. Die eigene Scham wird immer größer, ein Schwächling zu sein oder sich nicht früh genug gewehrt zu haben.

Beim Cybermobbing wird die Gutgläubigkeit oder ein einmaliger Fehltritt (vielleicht ein aus Unbedarftheit überlassenes Nacktfoto) gnadenlos ausgenutzt. Privates und Intimes wird veröffentlicht und der Vertrauensvorschuss enttäuscht. Das Opfer wird manchmal erpresst oder die Privatsphäre wird grob missachtet. Je nach soziokuluturellem Umfeld kann das zur Folge haben, dass das Opfer seinen Ruf als ruiniert ansieht oder tatsächlich von der Familie verstoßen wird.

Stalking, Drohungen, Mobbing: Die Phase des Antestens

Tatsächlich testen Täter oft, wie weit sie bei einem Opfer gehen können. So kommt es, dass oft Menschen, die bereits Opfer geworden sind, wieder zu welchen werden. Daraus den Vorwurf abzuleiten, das Opfer sei selbst schuld, ist jedoch verfehlt und missversteht den Unterschied zwischen Schuld (die hat der Täter!) und einer Möglichkeit aktiv zu werden (die hat das Opfer).

Die Botschaft des Täters ist: „Wenn du alles machst, was ich will, passiert dir nichts.“ Manche Menschen lassen sich davon beeindrucken, andere nicht. Die Unbeeindruckten sind ein zu hohes Risiko für den Täter und er lässt sie meist in Ruhe, für die anderen beginnt nicht selten ein Martyrium. Doch auch zu einem grausamen Spiel gehören immer zwei und man hat es selbst in der Hand irgendwann den Spieß umzudrehen.

Die Motive des Täters

Tipps für den Weg aus der Opferrolle beim nächsten Mal. Wichtig ist jedoch auch, den Täter zu verstehen. Seine Motive sind in der Regel nicht die, die er angibt. Liebe, die die Grenzen des anderen achtet, ist es nicht, die den Stalker motiviert, es sind Macht und Kontrolle, das Gefühl Terror verbreiten zu können, wann immer man will. Triumph statt Liebe.

Beim Mobbing und Cybermobbing kann man zuweilen eine gewisse Unbedarftheit und Gruppenzwang der Täter vermuten. Die Täter müssen es anfangs gar nicht böse meinen und ahnen bisweilen gar nicht, welche Lawine sie da lostreten. Hier macht ein klärendes Gespräch mitunter Sinn, wenn die Situation nicht zu verfahren ist, beim Stalking niemals. Doch auch beim Cybermobbing kann eine bösartige Komponente ins Spiel kommen, in der ein Dialog sinnlos ist, der Täter will dann nur noch Macht demonstrieren und ausüben.

Je sadistischer der Täter agiert, umso weniger lohnt ein Gespräch, egal ob bei Stalking, Drohungen oder Mobbing.