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Narzissmus und Paranoia

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Der weibliche Narzissmus ist oft kalt, unnahbar und schön. © Sherry’s Rose Cottage under cc

Narzissmus und Paranoia klingen bereits nach Pathologie, jedoch stellen sie zunächst dynamische Gegenpole der Psyche dar, die im Gesunden beginnen und dann tatsächlich bis zu den allerschwersten Formen der Psychopathologie hinabreichen. Wir wollen diesen Weg nachzeichnen.

Narzissmus und Paranoia in gesunder Form

Gesunder Narzissmus ist der Wunsch geliebt zu werden und in angemessener Weise für das eigene Wohlergehen zu sorgen, man will, im besten Sinne, seinen Teil vom Kuchen abhaben und traut sich seine Erwartungen und Ansprüche offen und ungehemmt zu formulieren.

Eine gesunde paranoide Einstellung ermöglicht es, sich nicht einfach übers Ohr hauen zu lassen, nicht naiv zu glauben, es würden einem schon keiner etwas Schlechtes antun. Sie entspricht dem, was man gesunde Skepsis nennt. In ausgewogener Form beides Garanten für psychische Gesundheit.

Narzissmus und Paranoia in leicht pathologischer Form

Es gibt eine leichte und sehr gut therapierbare Form des Narzissmus, bei der die Menschen gut im Alltag funktionieren, jedoch Schwierigkeiten haben längerfristige Arbeits- und Paarbeziehungen aufrecht zu erhalten. Ihr Selbstbild signalisert einen leichten Besonderheitsanspruch, die Bedürfnisse anderer erscheinen ihnen weniger wichtig. Ihr Grundmotiv ist liebenswert oder bewundert zu sein, sie wollen gut ankommen, beachtet werden, die Stimmung ist, dass einem niemand etwas Böses will oder wollen kann.

Leichte pathologische Paranoia beinhaltet Misstrauen, ein wenig mit der Tendenz aus Prinzip misstrauisch zu sein: Man weiß ja nie; Die Sache hat bestimmt einen Haken; Geschenkt kriegt man nichts, soviel ist mal sicher. So ein Mensch ist vorsichtig, etwas miesepetrig, aber natürlich auch wachsam. Das Grundgefühl ist, dass man immer auf der Hut sein sollte.

Narzissmus und Paranoia in mittlerer Pathologie

Auf diese Art kennen wir Narzissmus und Paranoia am besten. Die narzisstische Pathologie ist hier sozusagen in ihrer vollen Blüte. Das Selbstbild des Individuums ist grandios und egozentrisch, kann aber bei Kontakt mit der Realität, wie zum Beispiel dem wirklichen beruflichen oder sozialen Status, zusammenfallen. Neid und Gier motivieren das Ich und gefährden langfristige Projekte mit anderen. Der Narzissmus ist ausbeutend, von der Bewunderung anderer abhängig, ohne diese Abhängigkeit jedoch tolerieren zu können. Egozentrische Scham regiert über auf andere bezogene Schuld, die Werte und Phantasien erscheinen naiv. Leere und Langeweile dominieren das Selbsterleben, so dass ein andauernder Hunger nach Abwechselung und Unterhaltung entsteht, der teilweise durch Alkohol und Drogen ausgefüllt wird.

Der paranoide Gegenpol zeigt hier auch schon grandiose Züge. Ich und meine auserwählten Freude, wir wissen, wie die Welt funktioniert, was eine Tendenz zu Verschwörungstheorien entstehen lässt. Der Paranoiker meint eine Gefahr zu kennen, die nur er und ein paar Auserwählte sehen können. Andere gelten als dumm, gerissen oder verführt. Oft verschreiben sich Paranoiker einer größeren Sache oder der Phantasie einer größeren Idee, das moralische Element des Paranoikers, der sich gerne als Aufklärer siehrt. Das misstrauische Gefühl, hintergangen zu werden, ist allgegenwärtig, auch in Partnerschaften, was zu Dauerkonflikten führen kann. Jeder vermeintliche Gegenbeweis verschärft das Misstrauen nur, denn die paranoide Logik ist: „Wer mir was beweisen will, wird sicher was zu verbergen haben, warum sollte er mir sonst was beweisen wollen?“. Gerne stellt er die Frage, wem das nutzt, wer einen Vorteil davon hat. Güte und Freude an der Freude anderer kann der Paranoiker, als Motiv, nicht nachvollziehen.

Narzissmus und Paranoia wachsen zusammen

Auf der Stufe schwerer und schwerster Pathologie wachsen das narzisstische und paranoide Element zusammen und immer mehr Aggression dominiert die Psyche. In projektiver Identifikation meint man genau zu wissen, dass man überall von Verrätern umzingelt ist, die Welt ist ein einziger Kampfplatz, man selbst allerdings der beste Kämpfer, weil man grausamer, gerissener und skrupelloser als alle anderen ist. Im Syndrom des malignen Narzissmus tritt uns diese Haltung in aktiver Variante entgegen, spielgelbildlich gibt es eine passive Variante, die sich durch parasitäres Verhalten und chronische Ausbeutung anderer und der Gesellschaft darstellt. Man zerstört „das Schweinesystem“ von innen, dadurch, dass man es maximal ausnutzt, so kann man chronisch ausbeutendem Verhalten noch den ideologischen Anstrich geben, etwas Gutes zu tun.

Die narzisstische Unfähigkeit dankbar zu sein, sich aber als großartig zu empfinden, vermischt sich hier mit dem paranoiden Wunsch ein stiller und verkannter Kämpfer für das Gute zu sein, in einer durch und durch schlechten Welt.

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