Desinformation als Waffe

Kriege und Auseinandersetzungen werden nicht allein auf der Ebene der Taten und Fakten geführt und entschieden, ein wichtiges Element jedes „Krieges“ ist die gezielte Desinformation. Es geht gar nicht so sehr um die Deutungshoheit, sondern zusätzlich um das Säen von Zweifeln und Verunsicherung im Lager des Gegners.

In ideologischen Schlachten ist das nicht anders. Verschwörungstheoretiker sind de facto im Kriegszustand. Sie sind in der Überzahl zutiefst ideologisch motiviert und glauben ihre Verschwörungstheorien selbst. Der kaltlächelnde Geschäftemacher, der mit der „Masche Verschwörung“ abräumt, ist eher die Ausnahme.

Doch die Aussage, dass jemand ein Verschwörungstheoretiker sei, ist natürlich selbst zur Waffe geworden und wird seinerseits von Gruppierungen genutzt um Kritiker zu diskreditieren, eine Taktik, die beide „Seiten“ verwenden. Geheimdienste nutzen tatsächlich Internetforen um dort Kritik zu untergraben.

Ein Überangebot an Informationen

Es ist keine gezielte Desinformation, aber wir leiden heute eher an zu vielen, statt zu wenigen Informationen. Unser Problem ist, dass es zu vielen Themen 20 verschiedene Meinungen und Ansichten gibt und man weiß nicht genau, was man nun glauben kann und darf. Das verunsichert und ist, gezielt eingesetzt, eine mächtige Waffe.

Schweigen als Waffe

Ich hörte einmal ein Interview mit einem Autor, der ein sehr kritisches Buch über einen großen Verlagskonzern geschrieben hat. Auf die Frage der Journalistin, warum der Konzern denn gegen das Buch nicht prozessieren würde, antwortete der Autor, dies hätten sie nicht nötig, es würde reichen, das Buch einfach totzuschweigen. Kein Kommentar ist oft besser als eine Rechtfertigung, wenn man ein Thema beenden will. Das gelingt Organisationen besser als Einzelpersonen, die sich persönlich gekränkt und getroffen fühlen.

Verschwörungstheorien und die Diskreditierung der Andersgläubigen

Verschwörungstheoretiker sind eifrig bemüht, sich gegen „den Mainstream“ und „das Establishment“ zu stellen und machen keinen Hehl daraus, dass sie die anderen in aller Regel verachten. „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“, ist ihre Unterstellung und so wird suggeriert, dass so ziemlich alles was wir in der Welt sehen, Lug und Betrug und in Wirklichkeit ganz anders ist und vor allem, dass alles was passiert einen Zweck hat und irgendwelchen geheimen Machenschaften dient. Zufälle gibt es in dieser Weltsicht nicht.

Die Feinde sind gerissen, ihr größter Trick ist ihre vermeintliche Harmlosigkeit, so die Verschwörungstheoretiker. Die Masse ist hingegen verführt und ahnungslos (durchsetzt von einigen Agenten der „anderen Seite“) und wird von den Strippenziehern an der Nase herum geführt. Einzig beim Verschwörungstheoretiker gelingt das nicht, so meint er selbst.

Seit Jahren beobachten wir einen Niedergang des Vertrauens in ehemaligen Autoritäten und Institutionen. Dadurch und wohl auch durch das Internet sind Verschwörungstheorien im Aufwind. Jeder kann sich alles besorgen, im Zweifel gibt es für jede noch so abstruse Idee eine eigene Website.

Ein andere Identität

Sitzender Ritter und Pferd

Verschwörungstheoretiker wollen oft edle Ritter der Wahrheit sein. © SPT Photographe under cc

Was macht Verschwörungstheorien denn nun so attraktiv? Wenn die Masse dumm und verführt ist, bin ich der Durchblicker. Das gute Gefühl, es etwas besser zu wissen, als die anderen. So ganz genau muss man es auch selten belegen, es reicht oft den Verdacht in die Welt zu sezten. Die Rechthaberei ist sicher ein starkes Motiv, es dringt immer wieder durch, wenn der Verschwörungstheoretiker sich bestätigt fühlt.

Dieses Gefühl wird von ihm aber zuweilen etwas eigenwillig interpretiert, denn der Satz „Genau, wie ich es schon immer gesagt habe“, kommt ihm manchmal auch dann über die Lippen, wenn exakt das Gegenteil erläutert wird. Vermutlich ist es eine Mischung aus argumentativer Gewohnheit und echter Überzeugung, die den Verschwörungstheoretiker glauben macht, alles was gesagt wird, habe immer auch noch eine zweite, verborgene Bedeutung, eine Marotte, die im Alltag ein wenig anstrengen kann.

Ein Motiv, das auf der richtigen, guten Seite zu stehen, erwähnten wir schon in unseren Beiträgen über Fundamentalismus und Terrorismus und grenzten es vom normalen Kriminellen ab, der auf eigene Rechnung agiert und keine moralischen oder ideologischen Ambitionen hat.

Ein weiteres darf man jedoch auch nicht vergessen: Verschwörungstheorien machen die Welt ein wenig bunter. Es ist schon wahr, die Welt ist spannend, je mehr man in der Lage ist den eigenen Dunstkreis um das Ego zu verlassen, umso mehr. Aber eben nicht immer. Verschwörungstheorien sorgen für einen wohligen Schauer, bedienen paranoide Tendenzen in uns (wie Krimis auch), machen das Leben aufregend. Solange die Ängste nicht zu groß werden, ist das vielleicht gar nicht so schlecht.

Verschwörungsideen sind mit ihren Hauptzutaten, Misstrauen und dem Moralismus („Ich will die Wahrheit aufdecken“), sehr deutlich auf der paranoiden Seite unterwegs, doch steckt in dem notorischen Besserwissen auch ein gewisser grandios-narzisstischer Zug.