Was folgt daraus? statt: Wem nutzt es?

„Cui bono?“ oder „Wem nutzt es?“, die Frage vieler Verschwörungstheorien. Zuweilen eine gute Frage, aber für die meisten von uns ist die Frage, ob es nun einflussreiche Familien, geheimpolitische Bünde, astrale Genien oder Außerirdische sind, die unsere Geschicke bestimmen, eher nachrangig. So überzeugt die einen von ihrer Existenz zu sein scheinen, sehr viele Menschen leben ihr Leben ohne die Mächtigen, die am Rad des Schicksals drehen, je zu bemerken.

Gute Noten und persönliche Bekanntschaften sind in aller Regel ein zuverlässigerer Weg um einen Arbeitsplatz zu bekommen als Kontakte zu einflussreichen Außerirdischen oder spirituellen Wesenheiten. „Was folgt daraus?“, wäre also eine Frage, die man sich vorlegen kann und die das „Wem nutzt es?“ überragt.

Wie bekomme ich, was ich brauche?

Mit einem gewissen Grad an Reflexionsvermögen kann man merken, was Verschwörungstheorien interessant macht und wo sie bestimmte Bedürfnisse kompensieren. Diese Bedürfnise zu haben, ist menschlich und weder schlecht noch falsch. Man sollte sie sich erfüllen, für den einen ist es Spannung und Abwechslung, für den anderen Wissen und Anerkennung. Eine gewisse Angst, magisch angegriffen zu werden, mag einem eine bestimmte Wichtigkeit geben, schließlich wählen die mächtigen Magier mich, nicht Frau Merkel, aber wer Panikattacken bekommt, weil er ohne Amulette das Haus nicht mehr verlassen kann, hat sicher keinen Gewinn mehr, von der Selbstüberhöhung.

Cool bleiben und die Sachebene nicht verlassen

Man kann die Argumente prüfen. Die Philosophie verfügt da über ein schönes Mittel, die Logik. Bei Verschwörungstheorien findet man fast immer eine petitio principii, ein Schluss, der nicht belegt, was er belegen soll. Auch Verschwörungstheoretiker wollen überzeugen, schauen wir, ob sie es in allen Fällen können. Da auch der Zweifel begründet sein muss, kann man sich diese Gründe und ihre Quellen mal anschauen. Wer an diese Quellen ebenso kritisch herangeht, wie der Verschwörungstheoretiker an die normale Wissenschaft, wird staunen und sieht bald, falls er es will, viele Kartenhäuser zusammenfallen.

Alternativ ist die Psychologie ein Weg. Man kann sich das so wegrationalisieren, dass die Psychologie ein Instrument der Gegenseite ist um die wahren Verhältnisse zu verschleiern und die tumbe Masse einzulullen, aber wer sich dort einarbeitet – und die intelligenten Verschwörungstheoretiker schaffen das bestimmt -, entdeckt in der Psychologie einen eigenen Kosmos, bizarr mitunter, vor allem hochinteressant.

Die Welt der Verschwörungstheorien zu verlassen, ist nicht nur schön, es ist ein Abschied und mit Schmerzen verbunden, man ist im Grunde dort angekommen, wo man nie hinwollte, im vergleichsweise normalen Alltag. Wer beide Seiten gut kennt, hat die Wahl und kann selbst entscheiden und oft ist es eine gute Wahl, sich mit dem Mainstream wenigstens zu versöhnen.

Verschwörungstheorien: Wo stehen wir selbst?

Am Ende ein kurzer Selbsttest. Zwischen einem Hardcore-Verschwörungstheoretiker, der sich in seiner Welt vergraben hat, und einem Interesse an der Frage, ob man uns wirklich immer die Wahrheit sagt und woran man das erkennen kann, liegen Welten. Ein paar kurze Fragen zeigen uns, wo wir da stehen.

Was vergleichen wir miteinander?

Eigene Stärken mit den Stärken der anderen? Die Schwächen des eigenen Ansatzes mit den Schwächen des anderen? Meistens vergleicht man die Stärken der eigenen Weltsicht mit den Schwächen der anderen und das ist bereits ein wenig unredlich.

Wenden wir unsere besten Argumente auch gegen das eigene Lager an? Gibt es dort jemanden der profitiert, der ein ideologisches oder finanzielles Interesse haben könnte?

Wie oft und gründlich wollen wir die eigene Meinung widerlegt haben?

Wir lesen in aller Regel Bücher, Blogs und Artikel, schauen Videos und Fernsehsendungen, die das ausdrücken und bestätigen, was wir ohnehin denken und annehmen. Wenn wir uns in eine Idee vernarrt haben, sind wir auch daran interessiert sie widerlegt zu bekommen? Interessieren uns die Argumente der anderen Seite wirklich? Sind wir bereit zuzuhören und versuchen wir die Welt, so gut es geht, durch die Brille der anderen zu sehen?

Je mehr wir dies tun, umso mehr sind wir von einem im besten Sinne wissenschaftlichen Geist beseelt und eine plumpe Verschwörungstheorie prallt an uns ab. Lassen wir uns hingegen nur unsere eigene Meinung bestätigen und entwerten Menschen mit anderer Meinung, muss man aufpassen.

Wie stark sind Argwohn und Misstrauen bei uns ausgeprägt?

Sind wir gewöhnlich offen für Kritik und können sie dankbar annehmen oder ist jeder Kritiker gleich ein Feind? Sind wir misstrauisch und stark eifersüchtig und meinen, dass uns ohnehin jeder belügt, so ist auch hier Vorsicht geboten, allerdings wird man das oft selbst nicht mehr kontrollieren können.

Verschwörungstheorien folgen zwar simplen gut/böse-Bildern, helfen uns jedoch auch das Leben aufregender zu machen, bestimmte Ängste zu verarbeiten und Aggressionen loszuwerden. Sofern sie unser Leben nicht immer mehr dominieren und die Ängste überhand nehmen, können sie unser Leben durchaus bereichern, doch es ist ein schmaler Grat auf dem man wandelt, da die Bereicherung emotionale Verwicklung voraussetzt. Manchmal ist eine Verschwörungstheorie eine Kompensation, aber warum nicht, wenn Angst und Aggression dabei nicht zu groß werden?

Vermutlich ist am Ende nicht jede Verschwörungstheorie tatsächlich eine Verschwörungstheorie und manch ein mürrischer Fragensteller ist auf dem richtigen Weg. Wir wissen es nicht und vielleicht ist das manchmal gut, denn auch das lässt uns weitermachen.