Die organisierte Macht der Information

Mehr denn je leben wir heute in einer Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft und die Macht der Information ist uns im Zeitalter von Google, Facebook und NSA sowie anderen Geheimdiensten, die rund um den Globus spionieren mehr als bekannt, wenn auch nicht immer bewusst. Information als Machtinstrument zerfällt in drei Bereiche:

  • Die Macht der Überblicks
  • Gezielte Parameter
  • Die Deutungshoheit

Die reine Masse der Informationen ist im Grunde uninteressant, zum Machtfaktor wird sie dadurch, dass man den anderen versteht und seine Gewohnheiten kennt. Dann kann man die Informationen gewinnen, die für die eigenen Zwecke wichtig sind. Das unterteilt sich wiederum in einen militärischen oder wenigstens geheimdienstlichen und in einen zivilen Bereich. Durch geeignete Algorithmen können Nachrichtendienste potentielle Gefährder (oder wen sie dafür halten) ausfindig machen und dann gezielter observieren.

Die großen Suchmaschinenanbieter oder Social Media Unternehmen gehen ganz ähnlich vor, nur zielen ihre Algorithmen nicht auf Gefährder, sondern auf Kunden. Besser gesagt, auf die Vermittlung von Kunden. Das Design jedes einzelnen wird versucht herauszuarbeiten um über personalisierte Daten geeignete Kaufinteressenten herauszufiltern. Der Vorteil ist, dass man gezielt werben kann und die Lektüre über den 2. Weltkrieg, Babynahrung, Haarwuchsmittel oder Appetitzügler eben passgenau anbringen kann. Das bringt mehr Effizienz in die Werbung, wenn man dann noch herausfindet, wer nicht nur potentieller Kunde ist, sondern wirklich auch kauft, ist das ein zusätzlicher Gewinn.

Diese beiden Aspekte laufen selbst im Verborgenen ab und sowohl Militärs als auch Internetriesen haben kein Interesse daran, dass wir wissen, was sie über uns wissen. Denn einen Informations- und Wissensvorsprung zu haben, bedeutet Macht zu haben.

Öffentliche Informationen und die Deutungshoheit

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Die organisierte Macht der Informationen ist kaum zu überschätzen. © Purple Slog under cc

Auf den ersten Blick scheint es so zu sein, als seien die geheimen Informationen der entscheidende Vorteil, doch bei näherer Betrachtung ist das anders. Vor einigen Jahren hörte ich ein Interview mit jemandem, der ein ziemlich kritisches und Buch über einen großen Medienkonzern geschrieben hatte und die Frage kam auf, warum dieser Konzern nicht versucht das Buch zu verbieten. Doch die Strategie ist heute oft eine andere. Man kommentiert es einfach nicht. Ein paar Leute werden das Buch gelesen haben, doch schon nach wenigen Monaten ist es einfach ein Buch von vielen in der Flut der Skandal- und Enthüllungsliteratur.

Man kann sich das leicht vorstellen. Gerät man an brisante Informationen, muss man erst mal jemanden finden, der sie veröffentlicht. Gelingt das nicht und man kann kein öffentliches Interesse erzeugen, sind die Informationen nichts wert. Man selbst steht eventuell sogar als Querulant oder Spinner da und die konventionelle Sichtweise ist die, dass wenn die Informationen richtig sind, sich ja wohl jemand für sie interessieren müsse und wenn niemand drauf anspringt, wird wohl nichts dran sein. Das ist logisch zirkulär (und damit falsch), aber lebensweltlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Öffentlichkeit und ihre Repräsentanten sind immer etwas konservativ und bei ganz neuen Ideen und vermeintlich revolutionären Erkenntnissen wartet man lieber erst mal ab.

Doch etwas tut sich. Ein öffentliches Bild zu erzeugen und die Deutungshoheit in den Händen zu halten ist ein gewaltiger Machtfaktor, denn wer das kann, hat die Macht zwischen Spinner und ernst zu nehmen zu unterscheiden. Die alten Instanzen der Deutungshoheit und Definitionsmacht sind jedoch inzwischen selbst angeschlagen und dieser Trend hat sich in den letzten Jahren noch einmal verschärft. Die Kirchen haben (in Europa) an Ansehen und Einfluss verloren, der Politik in Deutschland laufen ungebrochen die Wähler davon, die Presse wurde als „Lügenpresse“ tituliert und auch der Wissenschaft glaubt man immer weniger.

Man könnte sich darüber freuen, wenn man das Gefühl hätte, dass sich Menschen im Informationszeitalter auf die Hinterbeine setzen und selbst informieren. Doch genau das geschieht nicht oder nur selten. Statt dessen wächst die Zahl der Bürger, die zwar das Gefühl haben, sie seien aufgeklärt, ließen sich nicht mehr länger an der Nase herum führen und im Besitz geheimer Informationen, doch tatsächlich laufen sie oft erschreckend platten Interpreten hinterher. Statt die Seichtheiten und Erklärungslücken anzuprangern, etwa das, was der Naturalismus nicht erklären kann, das, wo die Politik sich verkauft, statt zu regieren wird die einfache Les- und Gangart noch mal simplifiziert und das Ergebnis sind platte Einseitigkeiten in denen die Regression auf das Freund/Feind- und Schwarz/Weiß-Niveau vorherrscht.

Die nächstbeste Verschwörungstheorie kann zwar oft inhaltlich nur ein Gähnen hervorbringen, dass man damit aber überhaupt punkten kann ist Ausdruck einer Spannung und Unzufriedenheit in immer breiteren Schichten der Bevölkerung und das ist ein Signal, das man politisch ernst nehmen muss, gleichzeitig ein Gerangel um die Deutungshoheit von Informationen. Und da verschieben sich die Machtverhältnisse. Im Internetzeitalter kommen man nicht nur leichter an Informationen, man muss auch selbst lernen Werbung und Information, Seriöses und Unsinn zu unterscheiden oder wenigstens wissen, wo man skeptisch sein muss. Man kann aber auch prima über Blogs oder Youtube selbst Informationen verbreiten und die Welt auf seine Art deuten und erklären. War der Weg zur Anerkennung früher lang und steinig reicht heute oft ein Klick. Der Nachteil ist, dass das Medium flüchtig ist. Wer nicht nach Sekunden interessant wirkt, wird weggeklickt. Die kurze, schnelle, gut gemachte Botschaft kommt an, ob sie richtig ist, interessiert da erst mal nicht.

Wo die organisierte Macht der Information ein Machtmittel ist, ist die Information über die Information ein Weg dies zu torpedieren. Auf der Ebene der Geheimdienste leistet das der Spion, verpfeift man seine Informationen in die Öffentlichkeit ist man ein Whistleblower.