Intelligent Design

Gott als Schöpfer, intelligent design

Bildhafter Ausdruck einer ideologischen Auseinadersetzung. © the mad LOLscientist under cc

Intelligent Design ist eigentlich eine Spielart des Kreationismus. Es gibt letztlich keine genaue Definition die sagt, was noch Kreationismus und was schon Intelligent Design ist. Anhänger des Intelligent Design wagen sich jedoch in die Welt der Wissenschaft vor und nehmen Versatzstücke aus wissenschaftlichen Erzählungen auf. Wenn man sich ein wenig mit Naturwissenschaften auseinander setzt und sieht, an welch seidenem Faden die Möglichkeit hängt, dass es überhaupt intelligentes Leben gibt, dann kommt man ins Staunen. Feinst aufeinander abgestimmte Systeme und Wechselwirkungen müssen vorhanden sein, damit Menschen entstehen können.

Der Planet darf nicht zu warm und nicht zu kalt sein, er muss eine Atmosphäre haben, der Salzgehalt der Meere darf nicht zu hoch sein, die Sonnenstrahlen müssen abgehalten werden, der Sauerstoffgehalt muss innerhalb eines kleinen Rahmens recht konstant gehalten werden, es muss Kohlenstoff vorhanden sein und das ist nur ein minimaler Ausschnitt, ein winziger Blick auf das Wunder Leben.

Für die Anhänger des Intelligent Design ist diese unglaublich fein aufeinander abgestimmte Welt ein Argument, denn sie sagen: Das kann kein Zufall sein. Unsere Welt hat ein derartiges Feintunig, das könnten die besten Architekt und Molekularbiologen mit dem besten Supercomputern nicht schaffen, also muss es eine höhere und größere Macht geben, die dafür verantwortlich ist. Ein Argument, was auf den ersten Blick gar nicht mal so schlecht ist.

Organisierter Atheismus

Vor etwa fünf Jahre schwappte eine Welle des organisierten Atheismus hoch. Eine Bewegung die der Philosoph Peter Sloterdijk polemisch als „die Sommerlochoffensive der Gottlosen von 2007“ bezeichnete, „der wir zwei der oberflächlichsten Pamphlete der jüngeren Geistesgeschichte verdanken; gezeichnet Christopher Hitchens und Richard Dawkins.“[1]

Für einige der organisierten Atheisten sind diese Werke zur Offenbarung geworden. Die Klügeren von ihnen durchschauten irgendwann, dass Sloterdijk nicht so ganz falsch lag und fanden ihre Wege damit umzugehen. Doch oft ist etwas anderes passiert. Die genannten Autoren und ideologische Mitstreiter wie der Philosoph Daniel Dennett wurden zu Letztautoritäten aufgebaut. Was sie sagten, stimmte, weil sie stellvertretend für die Wissenschaft sprachen und was die Wissenschaft sagt, die harte Naturwissenschaft sagt, ist das einzige, was heute als gut belegt angesehen werden kann. Alles andere ist nur Interpretation und Gefasel, was bleibt, sind die „hard facts“.

Nun, wie immer man sich hier inhaltlich positioniert, etwas anderes wird sichtbar. Diese Gemeinschaften haben sich unter der Flagge des Atheismus und des Naturalismus gefunden, doch strukturell bekam die ganze Bewegung schnell den Charakter einer Glaubensgemeinschaft. Man meinte – und meint es noch immer! – wenn man das Wort „Naturwissenschaft“ im Mund führt, sei man bereits über das Religiöse und den Mythos hinaus, doch genau das ist oft nicht der Fall. Kreationisten und Vertreter des Intelligent Design argumentieren zum Teil auch „wissenschaftlich“, galuben zumindest, dass sie es täten. Doch ihre Sichtweise ist oft hoch selektiv und ihrer Argumentation zirkulär.

Bei der Überzahl der organisierten Atheisten und Skeptikerbewegungen ist es nicht anders. Sie argumentieren nicht wissenschaftlich, sondern politisch. Sie haben eine Agenda, wollen etwas durchsetzen, das mag berechtigt sein oder nicht, aber es ist nicht wissenschaftlich. Sie nehmen „die Wissenschaft“ (und oft nur eine reduzierte Lesart der Naturwissenschaft) für sich in Anspruch, um bestimmte gesellschaftliche Interessen durchzusetzen. Es ist eine Gemeinschaft, die bestimmte Interessen und Überzeugungen verbindet, eben eine Glaubensgemeinschaft, verbunden im Glauben an eine bessere Welt durch die Wissenschaft, Vertreter einer Weltsicht, die wir schon kennen, sie ist mythisch-rational.

Das Geschöpf hat nur eine begrenzte Einsichtsfähigkeit

Denn auch die Gegenseite wird nicht müde weiter zu argumentieren. Ein Argument der Fraktion der religiös Gläubigen lautet: Als Geschöpfe können wir niemals verstehen, was der Schöpfer, der viel größer und intelligenter ist, gewollt hat. Denn das wäre ja eine Umkehr der Verhältnisse. Das ist in sich zunächst einmal logisch, auch wenn man zig kritische Fragen stellen kann: Was spricht überhaupt für eine Schöpfung? Wer sagt, dass eine Geschöpf einen Schöpfer nicht überragen kann? Aber wenn man die religiösen Prämissen akzeptiert, ist der Schluss richtig. Nun sagt die atheistische Fraktion aber, dass man die religiösen Prämissen eben nicht akzeptieren muss. So weit ist das in Ordnung. Man kann, muss aber nicht. Merkwürdigerweise fordern dieselben Leute aber oft, man müsse allerdings die naturwissenschaftlichen Prämissen voraussetzungslos akzeptieren.

Doch auch das muss man nicht. Wer meint, dass man das eine oder andere ohne weitere Begründung tun müsse, lebt in einem Weltbild das mythisch-rational ist. Das bedeutet nämlich, dass man die Prämissen letztlich nicht bereit ist infrage zu stellen, sie aber, mit wissenschaftlichem Allerlei zu garnieren. Das ist die Schwierigkeit und der Irrtum unserer Zeit. Es reicht nicht Wissenschaft zu spielen oder zu sagen oder „Nature“ zu abonnieren, um ein Wissenschaftler zu sein. Echte Wissenschaft ist auf der reflexiven Stufe angekommen und ist bereit, notfalls auch die eigenen Prämissen zu hinterfragen. Wenigstens dem Selbstbild nach.