Frau schaut auf Glühbirne

Normale Wahrnehmung statt weit entfernt: Behandlung der Depersonalisation © Darron Birgenheier under cc

Die Behandlung der Depersonalisation kann auf verschiedenen Wegen erfolgen, ebenso wie die Ursachen vielschichtig sind. Welcher Behandlungsansatz gewählt wird, ist vor allem von der Ursache, vom Schweregrad und der Dauer der Beeinträchtigung abhängig.

Behandlung der Depersonalisation je nach Schweregrad

Häufig können Gefühle der Depersonalisation von vorübergehender Natur sein und sich von selbst auflösen. Selbst wenn das Erleben von Depersonalisation häufiger auftreten oder etwas länger anhaltend sein sollte, muss nicht zwangsläufig eine Behandlung erfolgen, insofern die empfundene Beeinträchtigung nicht stark ist beziehungsweise das Depersonalisationserleben unterdrückt oder davon abgelenkt werden kann (MSD, 2007). Bei einigen Betroffenen verschwinden mit der Zeit die Symptome der Depersonalisation, ohne dass eine Intervention erfolgt ist. Dies ist unter anderem dann möglich, wenn die Auslöser Stresserlebnisse sind und diese noch nicht lange bestehen.
Demgegenüber steht allerdings, dass man aus Angst vor möglichen Behandlungen Gefahr läuft, zu lange zu warten, die Symptome auf die leichte Schulter zu nehmen, und diese sich verschlimmern könnten beziehungsweise sich manifestieren könnten, was den Interventionserfolg möglicherweise erschwert.

Behandlung der Depersonalisation je nach Ursache

Sollten keine organischen Ursachen der Depersonalisation zugrunde liegen und dementsprechend keine medizinische Behandlung nötig sein, ist eine psychotherapeutische Abklärung angeraten. Psychische Störungen, die mit der Depersonalisation in Zusammenhang stehen können, wie zum Beispiel Angststörungen oder Depressionen, müssen gezielt behandelt werden.

Wird das Depersonalisationssyndrom diagnostiziert, so kann dieses gemäß Michal (2013) als »Flucht vor dem vollen Erleben der Wirklichkeit« und aus kognitiv-behavioralischer Sicht als umfassendes Vermeidungsverhalten verstanden werden. Eine Bearbeitung dessen scheint unausweichlich, um therapeutische Fortschritte verbuchen zu können.
Darüber hinaus räumt Michal ein, dass, obwohl die Krankheit unter Ärzten und Psychologen als schwer behandelbar gilt, diese durchaus gut psychotherapeutisch behandelt werden kann, unter der Vorraussetzung, dass die Patienten ernst genommen werden und eine genaue Diagnosestellung erfolgt. In endkatastrophisierender Weise sollten Ärzte die Patienten über die Symptomatik aufklären. Eine fundierte Kenntnis der Erkrankung ist dabei notwendig.

Medikamentöse Behandlung

Zur Behandlung des Depersonalisationssyndroms gibt es keine Medikamente, die zugelassen sind (Michal, 2013). Zudem können Antipsychotika zumeist den Zustand der Betroffenen verschlechtern. Jeder medikamentöse Behandlungsversuch gilt als off-label (Michal, 2013), dass heißt, es wird ein zugelassenes Medikament verordnet, das außerhalb des in der Zulassung beantragten Gebrauchs bezüglich der Indikationen liegt. Gemäß dem Manual der Diagnostik und Therapie (MSD, 2007) können Anxiolytika und Antidepressiva bei einigen Patienten helfen, vor allem wenn die Depersonalisation mit Angst oder Depression einhergeht.

Um den Betroffenen die Angst vor dem klinischen Erstkontakt zu nehmen, können Sprechstunden in Kliniken genutzt werden, die für eine erste Klärung der Symptome und Aufklärung der Patienten sorgen können.

Depersonalisationssprechstunde für einen ersten Kontakt

Wendeltreppe

Kliniksprechstunde zur Überwindung der Hemmschwelle für Behandlung der Depersonalisation © Martin Fisch under cc

Häufig existiert eine Hemmschwelle: Ängste, die verhindern, dass man sich mit auftretenden Symptomen in therapeutische Diagnostik und Behandlung begibt. Manche Kliniken versuchen dieser Hemmschwelle etwas entgegenzusetzen. So bietet die Universitätsmedizin Mainz (2015) eine Depersonalisationssprechstunde an. Inhalt dieser Sprechstunde ist eine ausführliche Befragung in Bezug auf die Beschwerden, daraus resultierende Probleme und Einschränkungen sowie eventuelle bisherige Behandlungsversuche. Im Rahmen einer psychoedukativen Beratung wird darüber hinaus über das Krankheitsbild informiert, versucht zu verstehen, woher die Probleme kommen beziehungsweise wodurch die Symptome aufrechterhalten bleiben, und welche Möglichkeiten es gibt, diese zu überwinden.

Generell gilt, dass belastende Ereignisse, traumatische Erlebnisse als Ursachen der Depersonalisation psychotherapeutisch angegangen werden können. Auch lässt sich psychotherapeutisch erlernen, wie mit Stress umgegangen werden kann, sogenannte Copingstrategien werden erlernt.

Darüber hinaus kann es wichtig sein, in den Situationen, in denen Depersonalisationssymptome auftreten, Techniken zum Umgang damit zur Hand zu haben.

Psychotherapeutische Techniken zum Umgang mit Depersonalisation

Beispielhaft sind gemäß dem Manual der Diagnostik und Therapie (MSD, 2007) psychotherapeutische Techniken aufgeführt, welche beim Umgang mit Depersonalisationssymptomen helfen könnten.

  • Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie: Blockieren des zwanghaften Denkens an den irrealen Gefühlszustand, Lenken der Aufmerksamkeit auf andere Tätigkeiten wie zum Beispiels Hobbys, Gespräche etc.
  • Grounding-Techniken: Nennen des eigenen Namens (laut), körperlichen Kontakt mit Gegenständen aufnehmen, Dinge laut beschreiben, dadurch bessere Verankerung in der Realität

Um den Facetten der Ursachen von Depersonalisationssymptomen gerecht werden zu können, sind eine genaueste diagnostische Abklärung, eine Aufklärung des Patienten zur Verminderung von Angst und Steigerung der Therapiemotivation sowie eine auf die Ursachen zugeschnittene, gezielte Intervention vonnöten, um eine erfolgreiche Behandlung der Depersonalisation erzielen zu können.

Quellen:

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