Das Ende des Jahres naht, Silvester und Neujahr stehen vor der Tür und das Versprechen, einen Vorsatz oder gar mehrere gute Vorsätze im neuen Jahr umzusetzen. Doch wie lange halten die guten Absichten an? Und ist wirklich jeder Vorsatz ein vernünftiger?

Häufigste gute Vorsätze

Laut einer Studie der DAK-Gesundheit im Jahre 2013 wünschten sich über die Hälfte der Befragten weniger Stress und mehr Zeit für Familie und Freunde. Auch mehr Zeit für sich, mehr Sport und eine gesündere Ernährung standen bei etwa der Hälfte der Studienteilnehmer als gute Vorsätze hoch im Kurs. Klassische gute Vorsätze, wie zum Beispiel weniger zu rauchen, Alkohol zu trinken oder fernzusehen, wurden dagegen weitaus seltener angegeben (11-16%).

Darüber hinaus gab jeder zweite Befragte an, seine Vorsätze sechs Monate oder länger durchgehalten zu haben. Beste Voraussetzungen also, um für sich selbst da zu sein.

Wirklich gute Vorsätze: Persönliche Grenzen setzen

Silvester in Berlin

Gute Vorsätze können durchaus mehr Stress bedeuten © Marcel Berkmann under cc

Doch anstatt sich selbst unter Druck zu setzen, indem man sich durch weitere gute Vorsätze noch mehr im Leben aufbürdet, und stolz darauf zu sein, die »Zielvorgaben« erfüllt zu haben, könnte nur ein einziger – wirklich wichtiger – Vorsatz im Mittelpunkt stehen: Das Setzen persönlicher Grenzen und das Finden einer stabilen Mitte. Alles Weitere ergäbe sich dann vermutlich von selbst.

Der Ökonomisierung der Gesellschaft entgegenwirken

Die fortschreitende Ökonomisierung unserer Gesellschaft hat uns zu »Getriebenen« gemacht. Viel zu oft versuchen wir, die an uns gestellten Rollenanforderungen (zumindest unsere Vorstellung davon) zu erfüllen, definieren uns selbst sogar darüber und versuchen den Klischees eines karriereorientierten Mannes, einer selbstbewussten Frau, eines liebevollen Vaters oder einer sexuell aufgeschlossenen Liebhaberin zu entsprechen. Wir haben verlernt, wir selbst zu sein. Wir definieren uns über Etikettierungen wie »Büchernärrin«, »Cineast« oder »Partygänger« – und dabei sollte uns klar sein, dass diese geschaffenen Stereotype vor allem dazu dienen, gesellschaftliches Funktionieren und Konsumieren anzuregen.

Viele Menschen versuchen dem entgegenzuwirken, indem sie gute Vorsätze, wie mehr Zeit für sich und andere, mit ins neue Jahr tragen. Doch oftmals scheint selbst die Umsetzung dieser, von gewissen stereotypen Vorstellungen geprägt zu sein: sich mit einem guten Buch und einem Glas Rotwein vor den Kamin zu begeben, sich tanzend durch den Raum zu bewegen oder mit Freunden bei einem guten Essen an einem großen Tisch beisammen zu sitzen.

In sich hineinhören, anstatt Klischees zu erfüllen

Authentizität scheint das Zauberwort des neuen Jahrtausends zu sein und ist dabei genauso wenig greifbar wie schwer umsetzbar. Nachstehend folgt ein Versuch, das Setzen persönlicher Grenzen und das Finden einer stabilen Mitte zu umreißen (Bei der empfohlenen weiterführenden Literatur handelt es sich um Erziehungsratgeber, ein Umstand, der nicht abschrecken sollte, überlegt man, dass das, was wir unseren Kindern auf den Weg mitgeben wollen, auch für uns zutreffen sollte):

  • Sich trauen, nein zu sagen: Klare Worte sind besser (»Nein, das möchte ich nicht, weil ich jetzt gerne lesen möchte.«) anstatt drumherumzureden (»Eigentlich würde ich gern lesen wollen …«). Individuelle Abgrenzungen sollten geschaffen werden (Juul, 2014).
  • Persönliche Grenzen entscheiden, keine gesellschaftlichen Normen: »Das opulente Sonntagsmahl«, bei dem alle an einem Tisch sitzen, kann es selbstverständlich geben, aber nur weil alle Familienmitglieder es so wollen und nicht weil »man« es eben so macht.
  • Verantwortung gegenüber sich selbst, nicht gegenüber anderen: Mehr Entscheidungsfreiheit und Selbstverantwortung für die eigenen Kinder bedeutet auch mehr Freiraum für sich selbst. Dieser Weg ist kein egoistischer, wie er zunächst wirken mag. Vielmehr geht es darum, den Kindern von Anfang an für das Leben mitzugeben, dass sie für sich entscheiden können und für sich und ihr Wohlergehen selbst Verantwortung tragen (Juul, 2009).
  • In sich hineinhören: Was will ich wirklich jetzt gerade in dieser Situation? Stereotype Vorstellungen versuchen auszuklammern (Wie »man« es macht, um sich zu entspannen, ist irrelevant!), die eigene Bewertung zählt, keine von außen getriggerte.
  • Vermeiden von Selbstbetrachtung: »Kein Blick von außen auf sich selbst« stattdessen versuchen »bei sich zu bleiben«.

Achtet man auf seine persönlichen Grenzen und eine stabile Mitte, werden sich vermutlich andere gute Vorsätze als überflüssig erweisen, da man diese in Zusammenhang mit dem eigenen Wohlbefinden sehr wahrscheinlich sowieso erfüllen wird.

Quellen:

  • DAK-Gesundheit (2013). Gute Vorsätze 2014 – Die Mehrheit will weniger Stress. Verfügbar unter: http://www.dak.de/dak/bundes-themen/Gute_Vorsaetze_2014-1341608.html [15.12.2015].
  • Juul, J. (2009). Dein kompetentes Kind: Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.
  • Juul, J. (2014). Nein aus Liebe: Klare Eltern – starke Kinder. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.