Placeboforschung

Eigentlich ist man auch hier weiter und die Forschung über die Wirkung von Placebos ist hier eindeutig. Doch auch das ist ein Fragment, ein Baustein, an dem geforscht wird und der noch nicht ausreichend in Beziehung gesetzt wurde. Und auch der Placeboeffekt wird immer noch als suspekt und dubios angesehen, statt dass man gezielt und systematisch mit ihm arbeitet. Auch er hat das Problem, dass er so merkwürdig ungreifbar erscheint und das stille Dogma, dass nur der Körper richtig krank sein kann und man demzufolge auch nur über den Körper wieder gesund werden kann, infrage stellt.

Auch dies Ausdruck eines bestimmten Weltbildes und seiner Sichtweise, bei der wir uns irgendwann trauen müssen, sie zu erweitern, zum Wohle des Patienten, der wir irgendwann selbst sein können. So wird die Psychosomatik immer noch als Randdisziplin gesehen und fast schüchtern und oft nur begleitend (oder wenn nichts geholfen hat) angesehen, statt sich dazu zu bekennen, dass hier womöglich viel mehr drin ist.

Der andere wichtigste Punkt: Den Patienten ins Boot holen

Psychosomatik wird auch auf Stressphänomene und deren körperliche Auswirkungen reduziert. Das ist auf der einen Seite wichtig, weil oft unterschätzt wird, welche dramatischen Auswirkungen Stress haben kann. Nicht nur ein bisschen Magengrimmen, sondern nahezu alle Bereiche des Körpers, vom Immunsystem, über das Herz, die Muskulatur (die Schmerzen verursacht) und vieles mehr sind davon betroffen, der ganze Körper ist in Aufruhr, wenn die Psyche es ist und das heißt einfach, wenn wir es sind.

Denn Psyche und Körper hängen natürlich aufs direkt zusammen, wenn sie nicht in gewisser Weise dasselbe sind. Insofern ist die Stressreduktion in den allermeisten Fällen tatsächlich sinnvoll und gut und all die unspezifischen Ansätze die uns helfen, Stress zu verringern, wunderbar, nur ist das eben nicht alles. Es geht um mehr als Stressreduktion, es gibt womöglich viel spezifischere Ansätze.

blaugrüner Zylinder mit Auswuchs, schwebend

Die Psyche ist für viele so skurril und ungreifbar, wie dieser Körper. © Jiri Karel under cc

Ebenso hat man immer wieder herausgefunden, dass Optimismus ob er nun berechtigt ist, oder nicht, tatsächlich hilft, mindestens mal um schwierige Situationen zu verarbeiten, vermutlich aber weit darüber hinaus. Offensichtlich hilft er so sehr, dass man schon seit längerem darauf gekommen ist, diesen Effekt zu nutzen und mit positivem Denken, Lachyoga, bewusstem Lächeln oder der Lähmung von Ärgermuskeln im Gesicht durch Botox, versuchte man diesen Weg zu beschreiten.

Auch dagegen sei nichts gesagt, außer, dass auch dies ein unspezifischer Ansatz ist, der genauer sein könnte, indem man nicht so tut als sei jemand optimistisch sondern versucht herauszufinden, wie und wann jemand tatsächlich und mit voller innerer Überzeugung an begründeter Zuversicht gewinnen kann. Und auch dafür muss man wissen, wie der Mensch tickt, was ihn bewegt und ängstigt und was ihn hoffen lässt.

Dieser Ansatz ist ergänzend gedacht, aber auch mit dem Anspruch zu heilen, gezielter vorzugehen als jene die da benutzen, von man meint, dass es allen hilft, wie weniger Stress und mehr Zuversicht.

Was hat denn nun geholfen?

Das muss die Forschung, aber nicht den Patienten interessieren. Der Forscher sollte wissen, was der Goldstandard der Therapie bei einer Erkrankung ist, falls es einen gibt, der Patient hat darüber hinaus alles Recht pragmatisch zu sein. Wovor man ihn schützen sollte, ist aus Panik oder Verzweiflung alles zu versuchen und somit eine vielversprechende Therapie zu behindern. Aber über ein offenes Gespräch hinaus sollte man ihn nicht behindern sondern mit ihm kooperieren. Dieses Bewusstsein stellt sich glücklicherweise immer mehr ein.