Chronische und schwerste Erkrankungen

Auch bei schwersten Erkrankungen, sowie bei chronischen Leiden, greift man auf psychosomatische Ansätze oder psychologische Unterstützung zurück.

Ein Ansatz besteht darin, die Ressourcen des Patienten zu stärken und ihn auf das hinzuweisen, was er bereits im Rahmen seiner Krankheit an Kompetenzen erworben und geschafft hat. Auch die Klärung von Sorgen und Ängsten im Rahmen potentiell lebensbedrohlicher Erkrankungen ist wichtig. Und auch hier wird herausgearbeitet, was dem Patienten aktuell wichtig ist.

Ein Ansatz der durch die Psyche den Körper heilen will, muss den Patienten mit ins Boot holen und zwar gerade auch jene Patienten, die die Hoffnung nachvollziehbar verloren haben. Der Patient darf dabei nicht irgendein Spielball therapeutischer Konzepte sein, sondern derjenige um den es primär geht, dessen Heilung sich, wenigstens im Rahmen dieses Konzeptes alles unterzuordnen hat. Der Patient ist dabei jemand der zur Mitarbeit gewonnen werden muss und zwar in dem Rahmen, wie er es für richtig hält.

Das kann im Einzelfall bedeuten, dass ein Patient aktiv mitarbeitet und alles über seine Krankheit wissen möchte, während ein anderer sagen kann: „Machen sie, was sie wollen, Hauptsache es hilft.“ Beides ist möglich und noch sehr viel andere Wege und Abzweigungen, die an dieser Stelle nicht im Detail besprochen werden können.

Ausblick

Das Thema Gesundheit und Psyche wird eines sein, was uns im Verlauf des Jahres immer wieder beschäftigen wird. Wir wollen dabei zum Teil das leisten, was hier anklang, das, was schon bekannt ist, in eine systematischere Form zu gießen, Ergebnisse zusammen zu tragen, die es überall auf der Welt bereits gibt und dabei nach Möglichkeit ideologiefrei vorzugehen.

Die Mitarbeit und Anregungen unserer Leser würde uns freuen und interessieren, denn oft wird ein leidender Mensch als kompetenter Partner nicht ernst genommen und in vielen Fällen verschenkt man damit Erfahrung und Potential. Wir wollen auch eine Offenheit für das zeigen, was wir nicht verstehen.

Viele Prozesse der Psychologie stehen in der Nachfolge Freuds, was einerseits ein großartiges und zu unrecht unterschätztes Erbe ist. Auf der anderen Seite war Freud ein Rationalist, der der Vernunft viel zumutete und -traute, wodurch er viele Möglichkeiten in diesem Bereich offenlegte, andererseits hat die Vernunft ihre Grenzen und viele Prozesse spielen sich diesseits oder jenseits der Verstehbaren ab.

Nicht selten wirken einfache Bilder oder Sätze tiefgehender als komplizierte Konzepte, manchmal ist es gut, wenn der Patient eine Erklärung findet, die ihn befriedigt, auch wenn man die selbst nie teilen würde. Die Balance ist die, zwischen neuen, kühnen, unerschrockenen Konzepten, die von authentischer Begeisterung und Engagement getragen werden und einer Demut, die uns hoffentlich hilft, den Bogen nicht zu überspannen und den übergeordneten Gedanken an das Wohl des leidenden Menschen nicht aus den Augen zu verlieren.

Quellen:

  • [1] Jana Hauschild und Claudia Wüstenhagen in ZEIT Wissen, Nr. 3/2013, online: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/03/koerper-psyche-gefuehle-gesundheit/seite-2
  • [2] Ausführlich und lesenswert in dem Zusammenhang: Harro Albrecht, Schmerz: Eine Befreiungsgechichte, Pattloch 2015