Roboterhand

Die Motorik von Robotern verfeinert sich zunehmend. © Tobias Toft under cc

Die Fähigkeiten von Robotern werden zunehmend differenzierter und der Mensch fürchtet um seine berufliche Existenz in der Arbeitswelt 4.0.
Arbeit dient in der heutigen Zeit bei den meisten nicht mehr nur zum Broterwerb. Arbeit ist vielmehr ein Ausdruck von Identität. Die Wertigkeit, die mit dem Beruf verbunden wird, spornt an zu immer besseren Leistungen im Wettbewerb mit anderen und treibt manch einen psychisch und körperlich in den Burnout. Von einer „Erschöpfungskonkurrenz“ ist die Rede (WDR 5, 2016).
In diesem Zusammenhang könnten sich Roboter und Künstliche Intelligenz nicht nur als Bedrohung sondern auch als Chance begreifen lassen, den Menschen zu entlasten. Doch wie viele Jobs sind von dem Wandel zur Arbeitswelt 4.0 direkt oder indirekt betroffen?

Jobs im Wandel: Arbeitswelt 4.0

Die Studien dazu, wie viele Tätigkeiten durch Roboter beziehungsweise Künstliche Intelligenz betroffen sein könnten, führen zu einer breiten Ergebnislage. So kommen die Forscher der Universität Oxford zu der Annahme, dass 47 % aller Berufe durch die Computerisierung eingeschränkt werden könnten (Frey & Osborne, 2013). Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2016) gibt circa 15 % an. Darüber hinaus ist wichtig zu erwähnen, dass die Tätigkeiten, welche durch Computerisierung betroffen sein könnten, nicht zwingend wegfallen. Bei einem Großteil ändert sich die Arbeitsbeschreibung, hin zu zum Beispiel eher überwachenden und komplexer werdenden Arbeitsinhalten, sodass Weiterbildungen erforderlich werden.

Prognose Arbeitswelt 4.0: Profitierende Länder

Telepräsenz-Roboter

Telepräsenz-Roboter anstatt menschlicher Anwesenheit im Job. © Bernard Goldbach under cc

Im Rahmen der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums 2016 hat die Schweizer Großbank UBS vorgestellt, welche Länder zu den Gewinnern und Verlierern der vierten Industriellen Revolution zählen könnten (UBS, 2016). Dabei könnten die Industrienationen stärker von dem Wandel profitieren als die Schwellenländer, da das Überangebot an geringer qualifizierten Beschäftigten durch die Automatisierung kein Vorteil mehr wäre. Dagegen dürften Länder „mit den flexibelsten Arbeitsmärkten und Bildungs-, Infrastruktur- sowie Rechtssystemen“ am meisten profitieren, so die UBS.

Prognose Arbeitswelt 4.0: Aussichten für den Einzelnen

Gemäß der UBS (2016) werden neben Stellen mit geringer Qualifikation auch die Tätigkeiten mit mittlerem Qualifikationsniveau zunehmend betroffen sein, sodass die Einkommensschere noch weiter auseinanderklaffen dürfte: „Diejenigen mit dem höchsten Einkommen, der besten Qualifikation und dem grössten Wohlstand werden von dieser Polarisierung überproportional profitieren und dürften qualifikationsmässig die beste Ausgangslage vorfinden.“
Auch Kreativität, Innovationspotential, komplexes Denken und Empathie werden vermutlich zunehmend gefragter sein, da diese Fähigkeiten eher weniger von Künstlicher Intelligenz übernommen werden können.

Die BBC bietet auf ihrer Website Will a robot take your job? die Möglichkeit, anhand des eigenen Berufes die Wahrscheinlichkeit zu errechnen, inwiefern das individuelle Humankapital ersetzbar wäre (BBC, 2015).
So scheinen im sozialen Bereich tätige Menschen wie zum Beispiel Sozialarbeiter, Krankenschwestern, Therapeuten und Psychologen am wenigsten wahrscheinlich vom Wandel zur Arbeitswelt 4.0 betroffen zu sein. Auch Manager, Künstler, Designer oder Ingenieure.

Chancen durch Arbeitswelt 4.0

So dramatisch es zunächst klingen mag, die vierte Industrielle Revolution könnte auch Chancen für den einzelnen bieten. So könnte die Möglichkeit, über Hologramme oder Telepräsenz-Roboter an Konferenzen oder ähnliches teilzunehmen, zu mehr Flexibilität für den einzelnen führen. Arbeitswege würden eingespart und die Familie mehr in den Fokus gerückt. Home Office und Telearbeit könnten zu weniger Landflucht führen, da Arbeiten ortsunabhängig erfolgen könnten.
Automatisierung und Computerisierung verschaffen dem einzelnen mehr Zeit – Zeit für soziales Engagement und stärkeres Umweltbewusstsein zum Beispiel.

Das Bedingungslose Grundeinkommen

Mensch auf Klippe am Strand

Durch das Bedingungslose Grundeinkommen könnten die Menschen sich um Innovationen, Soziales, Kunst und Umwelt kümmern. © PROPanegyrics of Granovetter under cc

Bereits jetzt wird seitens verschiedener Wirtschaftsvertreter das Bedingungslose Grundeinkommen gefordert (zum Beispiel Hägler, 2016; WFG, o.A.; ZEIT Online, 2015). Denn Produzenten benötigen auch Konsumenten, damit das derzeit bestehende weltweite Wirtschaftssystem aufrecht erhalten werden kann. Das Bedingungslose Grundeinkommen wäre demnach eine Chance für die Arbeitswelt 4.0 – für den einzelnen sowie für die Wirtschaft -, um soziale Absicherung gewährleisten und neue Arbeitsaufgaben definieren zu können.

Der Mensch als Bestandteil einer Gesellschaft will und würde sich vermutlich trotz BGE arbeitstechnisch einbringen, um seinen Beitrag leisten zu können, dies legen zumindest Ergebnisse eines in Kanada durchgeführten Experiments zum Bedingungslosen Grundeinkommen nahe (vgl. z.B. Vetten, 2015). In dieser Langzeitstudie zeigte sich, dass die Menschen, die das BGE erhielten, eigenverantwortlicher in Bezug auf Arbeit und Bildung zu handeln scheinen, sowie darüber hinaus offenbar deutlich weniger krank geworden sind und weniger psychische Beschwerden aufgewiesen haben.

Welchen Weg der Mensch in der Arbeitswelt 4.0 gehen wird und inwieweit dieser von Künstlicher Intelligenz begleitet werden wird, lässt sich nur mutmaßen, jedoch scheinen sich Chancen und Risiken bestenfalls die Waage zu halten.
Auch in anderen Bereichen, die den Menschen direkt betreffen, kann Künstliche Intelligenz Veränderungen beziehungsweise Verbesserungen mit sich bringen – so zum Beispiel im medizinischen Sektor, wie der nächste Artikel zur Serie „Roboter und Psyche“ aufzeigen wird.

Quellen:

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