Plato

Die hier beschriebenen Bewusstseinszustände haben eine gewisse Ähnlichkeit mit dem was der Philosoph Plato uns lehrt. Wie oben im ‚Abstreifen der Welt‘ beschrieben, ist auch Plato der Idee, dass uns die Erfahrungen mit dem was wir normale Welt nennen würden zwar zu gewissen Anteilen der Urideen oder Archetypen bringt, die aber in ihrer vollen Entfaltung, also reiner, ohne Anhaftungen der Welt zu erfahren sind. Es gibt zumindest Erfahrungen, die dem nicht widersprechen würden. Es wird immer wieder gerätselt ob Plato nun einen Dualismus vertritt oder einen Monismus. Da die Dinge der Welt in unterschiedlich abgestufter Weise immer schon Anteil an den Urideen haben, kann man hier eigentlich nicht von einem Dualismus sprechen, da bei zunehmender Intensität einer Erfahrungen die Uridee stärker und reiner vorhanden ist.

Kontrast

Dennoch bleibt ein Kontrast zwischen reinen Ideen und solchen, die der Vermittlung durch Erfahrungen in und mit der grobstofflichen Welt bedürfen. Natürlich stellt sich hier die Frage, ob die reinen Erfahrungen, da ohne Körper nun auch schwer vorstellbar, überhaupt in diesem Sinne ohne grobstoffliche Zustände denkbar wären, aber immerhin kann man sich vorstellen, was Plato meinte: Zum einen kann Freude durch irgendein Ereignis vermittelt sein: Man bekommt eine gute Note, gewinnt im Lotto, trifft einen verloren geglaubten Bekannten, oder die Freude kann in einem unvermittelten Glücksgefühl, ohne erkennbaren äußeren Grund bestehen. Es gibt außergewöhnliche Bewusstseinszustände in denen das tatsächlich so ist.

Fusion

Baum mit Sonne in trübem Licht

Erleuchtung ist die Wertschätzung eines jeden Augenblicks.© Hartwig HKD under cc

Brad Warner ist nur eine Stimme unter vielen, quer durch die Zeiten und Traditionen, die sagen, dass es a) diese Erleuchtungszustände gibt, b) sie umwerfend sind, und c) dass es überraschenderweise auf sie nicht ankommt. Erleuchtung, ist der vielleicht außergewöhnlichste Zustand in den man geraten kann und er ist keine Dauerhigh, keine ausgedehnte Ekstase, sondern einfach nur das Verweilen im Moment. Da unsere Momente im Leben auf den ersten Blick nicht immer großartig sind, ist auch der Zustand der Erleuchtung nicht immer großartig, sondern wechselhaft.

Die Frage ob war, ob es sich denn lohnt, was man davon hat. Das Ich – und das heißt, man selbst – muss die Komfortzone verlassen. Das ist erst mal nicht schön. Man profitiert genau dann, wenn man sich für mehr interessiert, als das eigene Selbst und das auch noch selbstlos, also nicht berechnend. Diesen Sprung muss man machen, sonst klappt es nicht. Darum kann Erleuchtung eine Matrize, ein Wegweiser sein, der zeigt, wohin die Reise gehen könnte. Dann allerdings hat man etwas davon, weil man im Moment lebt. Im Moment, wenn man dort wirklich ist, zerfallen alle Sorgen über ein Morgen. Man kann lange darüber diskutieren, ob das einfach heillos naiv ist oder wirklich der Weg zum Glück, die andere Seite ist das Planen und Kontrollieren und jenseits gewisser Grenzen führt auch das schnell ins Unglück oder Zwänge und des Wahns.

Doch Erleuchtung verlangt kein entweder-oder, sondern bringt die Gegensätze zusammen, fusioniert sie. Der Glanz des Außergewöhnlichen ist nur die Blaupause für unsere Aufmerksamkeit. Sind wir dabei, anstatt wegzudriften und alles öde und langweilig zu finden, ist alles in Ordnung, darum wird auf das vermeintlich Allergewöhnlichste ein ebenso großer Wert gelegt, wie auf das scheinbar Außergewöhnliche. Beim Außergewöhnlichen sind wir ohnehin dabei, doch irgendwann verliert sich unsere Aufmerksamkeit und das ist der wesentliche Punkt um den es geht. Bleibt man aufmerksam, wach, klar ist das, was man tut egal, auch wenn man nur die Treppe fegt.

Die Frage, ob es denn nun um mich oder den anderen geht, wird in der Weise in viele Traditionen gar nicht gestellt. Es ist nicht etwa so, dass man nun nichts mehr für sich tun darf, man schaut wo gerade Leid ist und dort wird es gelindert. Auch die Kluft zwischen Theorie und Praxis ist nicht unendlich. Manches ist verbal nicht zu vermitteln, was aber immer noch nicht heißt, dass man nicht über seine Erfahrungen reden kann, wie über gute Musik oder einen guten Wein.

Ausblick

Eine Frage ist, wie echt oder relevant solche Erfahrungen sind. Mögen sie im Leben des einen oder anderen eine seltene oder auch mal gar keine Rollen spielen, warum sollte man sich damit beschäftigen, was hat es mit dem realen Alltag zu tun? Nachdem wir es einige Jahre lang gewohnt waren subjektive Erfahrungen eher klein zu reden, dreht der Wind gleich auf mehreren Ebenen. Sowohl therapeutisch als auch weltanschaulich tut sich hier eine Menge.

Neben der Frage nach der Wirksamkeit und wie es mit mehr oder minder künstlich induzierten außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen ist, die durch Trance-Tänze, Musik, Hypnose, imaginative Therapieformen, auf Drogen oder Medikamente hervorgerufen wurden, wird es um eine Gesamteinschätzung der Zustände gehen, was sie für den Einzelnen und unseren Blick auf die Welt bedeuten. Wir nehmen vorweg, dass sich hier gerade eine Menge tut.

Quellen:

  • [1] Ein Beispiel ist die Arbeit von Susan Cook-Greuter, die auch unter „Nine Levels Of Increasing Embrace In Ego Development“ online einzusehen ist.
  • [2] Diese Idee der Stufen der stufenweisen Entfaltung der Spiritualität folgt wesentlich den Ideen Ken Wilbers, die er in Eros, Kosmos, Logos, (Krüger 1996) auf den Seiten 680 – 682 darstellt.
  • [3] Brad Warner, Hardcore Zen, 2003, dt. Kamphausen, 2. Aufl. 2010, S.131