Nach dem Zweiten Weltkrieg

Hippie Schild orange, Blumen, langhaarige Frauen mit Brillen

Die Sehnsucht nach der Hippie Ära besteht weiter. © Gustavo Veríssimo under cc

In und nach dem Zweiten Weltkrieg lag alles in Schutt und Asche. Schlagartig wurden die Themen der damals geborenen und aufwachsenden Generation anders. Es ging ums Überleben, um Hunger und darum, das Nötigste zu haben. Armut und Hunger waren Themen in einem Land, dass das lange nicht mehr kannte und zwar besonders in der Jahren noch Kriegsende bis zur Währungsunion. Essen, Wohlstand und Besitz waren erstrebenswert in der damals aufwachsenden Generation, in einem ganz existentiellen Sinn.

Daher auch oft der Schulterzucken der damals Jungen, heute 70 bis 80-Jährigen, die gar nicht verstehen konnten, was ihre Kinder für Probleme mit dem Leben hatten. Denn für diese Generation war klar, wenn man endlich wieder etwas zu Essen hatte und immer mehr Wohlstand ansammeln konnte, was im Wirtschaftswunder beeindruckend gelang, dann hatte man es geschafft. Die ebenso überraschend gewonnene Fußball WM von 1954 sorgte dann dafür, dass man nicht nur, wieder etwas hatte, sondern auch wieder wer war. Die Zeit des Nationalsozialismus wurde in der ersten Jahren nach dem Krieg nicht aufgearbeitet und in vielen Familien erzählten die Männer, die den Krieg auf die eine oder andere Art erlebten, dasselbe: nämlich nichts.

Das übernahmen dann die Nachkommen, die jene Fragen stellten, die die Eltern nicht stellen wollten oder konnten. Erst die Kinder konfrontierten was in der Nazizeit geschah und fragten mit einem gewissen Unglauben, auf der anderen Seite manchmal auch ohne Verständnis für die Situation der Eltern, warum sie nichts getan haben, ob sie tatsächlich nichts gewusst haben und warum sie nichts erzählen. Vieles konnten die Eltern vielleicht selbst inzwischen nicht mehr verstehen und die immer bohrenderen Fragen führten tedenziell zu immer mehr Verstummen. Über eigene Gefühle zu reden fällt dieser Generation oft heute noch so schwer, wie die Gefühlsäußerungen anderer zu ertragen.

Die Nazizeit ist in den Familien eben nicht das große Thema gewesen, für die Elterngeneration, die im Krieg erwachsen oder jugendlich war, war es der materielle Wohlstand und das soziale Ansehen. Es musste ja weiter gehen. Und so wurden einige Werte, die vor dem Krieg tradiert wurden, auch in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in die 1950er übernommen. Erst einmal war Verdrängung angesagt, mit Pflicht, Fleiß und jenen Werten, die man noch rettete. Man wollte mit all dem nichts mehr zu tun haben und lieber zeigen, was man wieder hatte, auch wenn Schonbezüge klar machten, dass die kostbaren Stücke eher der Präsentation diente, als dem eigeen Wohl- und Wohngefühl. Die Fragen stellten die, die „die Gnade der späten Geburt“ ereilte, manchmal auf einem moralisch sehr hohen Ross sitzend.

Die 68er

Doch längst nicht alle, die in den ausklingenden 60er Jahren jung waren, waren Rebellen, noch wollten sie welche sein. Aber die Proteste der Studenten, gegen das Establishment, gegen die Tradierung von Werten um ihrer selbst willen schwappte auch auf die Normalbevölkerung über. Längst nicht alle waren Flower-Power-Hippies und praktizierten im Drogenrausch singend und tanzend die freie Liebe, aber es änderte sich ein bisschen was und wenn es nur die Frisuren und Klamotten waren, die Haare wurden länger, die Röcke kürzer, die Inneneinrichtung bunter und plastiklastiger, die Musik wilder.

Die alten Werte wurden verabschiedet, jene Vorstellungen von Ruhm, Stolz und Ehre, bei denen man blind folgte und darüber hinaus wurden noch all jene Tugenden hinterfragt, die man nicht unbedingt brauchte, denn Tradition galt als spießig und reaktionär, in all ihrer Autoritätshörigkeit. Eine neues Verständnis von Freiheit machte sich breit und ein neues Rollenverständnis.

Man wollte endgültig nicht mehr so sein, wie die Eltern, hatte erst einmal genug von den Idealen von Sauberkeit, Ordnung, Fleiß, Pflichten und den preußischen Tugenden. Viele der 68er waren jene Kinder, die in der Kriegs- oder Nachkriegszeit noch selbst Mangel litten, sie opponierten gegen ihre Eltern, aber in der Opposition verstanden sie den Materialismus und den Wunsch nach sozialer Anerkennung der Eltern noch, sie wussten genau wogegen sie waren. Menschen, die in den späten 1940ern und frühen 1950ern aufwuchsen, kannten die Steifheit, Strenge ud soziale Kälte noch, bei der zählte und in der Klasse abgefragt wurde, was der Vater von Beruf war und in dem die gute oder schlechte Herkunft wichtig war.

In der Not rückte man zusammen, der eine Krauthobel wurde von Haus zu Haus herumgereicht, doch als es den Menschen wieder besser ging, separierte man sogleich. Auch dagegen protestierte man, gegen eine Gesellschaft aus Klassen und Restriktionen und wenn viele auch nicht laut mitprotestierten, so hatten sie doch wenigstens nichts dagegen und Deutschland wurde in den späten 60er ziemlich neu definiert. Die allermeisten profitierten davon, die Älteren ließen über sich ergehen, was ihnen als Untergang vorkommen musste, doch wie man weiß argwöhnten schon die Sumerer 3000 Jahre zuvor, dass die Jugend verroht sei und daher das Ende unmittelbar bevorstehen müsse.