Kann man durch gesunde Ernährung länger leben? Gibt es entscheidende Lebensphasen und Prozesse, die dabei eine besondere Rolle spielen? Und wie lang ist eigentlich ein langes Leben?

In Indonesien lebt Mbah Gotho – laut seinem Ausweis, der von indonesischen Behörden als korrektes Dokument eingestuft worden ist, hat der Mann inzwischen das stattliche Alter von 146 Jahren erreicht (BBC Indonesia, 2017). Eine Bestätigung unabhängiger Behörden scheint allerdings noch auszustehen. Dagegen hat die Französin Jeanne Louise Calment diese unabhängige Bestätigung der Richtigkeit der Dokumente erhalten und gilt mit ihren einst 122 vollendeten Jahren als offiziell ältester Mensch der Welt. Im Jahr 1997 ist sie verstorben.

Wie alt können Menschen werden?

ältere Frau

So wie bei dieser Frau von den Philippinen fragt man sich: Was ist das Geheimnis, um länger leben zu können? © Justin Vidamo under cc

Im Wissenschaftsmagazin „Spektrum der Wissenschaft“ wird die maximal mögliche Lebensspanne für Primaten wie folgt zusammengefasst (zitiert nach Collatz, o.A.):

„Die potentielle maximale Lebensspanne … reicht innerhalb der Primaten von 8 Jahren (Tupaias) bis zu 120 Jahren (Mensch; vgl. unten) [122 Jahren, Anm. der Redaktion] … Der Mensch hat somit die größte MLP nicht nur unter den Primaten, sondern auch unter allen Säugern. … Der Schimpanse lebt halb so lange wie der Mensch und hat die doppelte Alternsgeschwindigkeit. Mit zunehmender MLP verlängern sich alle Lebensabschnitte proportional …“

Vor allem die Bekämpfung altersbedingter Erkrankungen könnte eine Mortalität jenseits der Lebensmitte verringern und die durchschnittliche Lebenserwartung deutlich steigern (Collatz, o.A.). Die Ernährung scheint diesbezüglich ein großer Schlüssel zu sein.

„Ob wir mit 80 oder Ende 50 sterben, ist im Prinzip ernährungsabhängig“

Dies sagt der Ernährungsmediziner Prof. Dr. Michael Ristow von der Universität Jena in einem Interview mit der ZEIT (2011). Ferner: „Falsche Ernährung erzeugt mehr Erkrankungen als Rauchen“, erläutert er (Burchardt, 2005) – und Rauchen hat erwiesenermaßen bereits einen erheblichen Einfluss auf Alterung und Mortalität. Gemeinsam mit anderen erforscht der Professor die Prävention von Alterserkrankungen für ein längeres Leben.

Besonders die Lebensspanne zwischen 50 und 70 Jahren scheint hinsichtlich der Ernährungsweise entscheidend für gesundes Altern und „länger leben“ zu sein, wie Prof. Dr. Tilman Grune vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke und Professor für Molekulare Toxikologie an der Universität Potsdam betont (Universität Potsdam, 2016). „Viele Erkrankungen im Alter, wie etwa der Diabetes Typ II oder Bluthochdruck, haben länger zurückliegende Ursachen. … Wenn wir gesund die letzte Lebensphase erreichen wollen, kommt es auf die Jahre zwischen 50 und 70 an.“

Scheibe Grapefruit

Vitamine und Mineralstoffe für ein gesundes, langes Leben. © Dan Zen under cc

Im Verbundprojekt „NutriAct“ (Nutritional Intervention for Healthy Aging: Food Patterns, Behavior, and Products), eines von vier vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten „Kompetenzcluster Ernährungsforschung“, versuchen Grune und seine Kolleginnen Schwerdtle und Warschburger gemeinsam mit vielen anderen altersorientierte Ernährungsempfehlungen herauszugeben. Darüber hinaus seien neue Wege der Produktentwicklung bei Lebensmitteln denkbar, Lebensmittel, die (altersgerecht) alle wichtigen Nährstoffe enthalten, trotz allem gut schmecken und ansprechend erscheinen – denn wer im mittleren Lebensalter noch Gesundheit und Tatendrang verspüre, würde nicht unbedingt seine Ernährungsgewohnheiten ändern, so die Forscher.

Durch gesunde Ernährung länger leben

„Es sind immer die gleichen Lebensmittel, auf die wir da kommen: Obst und Gemüse, ballaststoffreiches Getreide, wenig Fleisch„, sagt Heiner Boeing, Leiter der Epidemiologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke im Interview mit der ZEIT (2011). Vor allem Ballaststoffen käme besondere Wichtigkeit zu, so zum Beispiel bei der Prävention von Typ-2-Diabetes, Magen- und Darmkrebs. Dass einzelnen Lebensmitteln, wie Brokkoli oder Tomaten eine über die Maßen schützende Wirkung zugesprochen werde, hält Boeing für unangemessen. Wichtiger sei es, sich aus der gesamten Produktpalette an reichhaltigem Obst und Gemüse zu bedienen.

Eine kürzlich vom Japan Public Health Center veröffentlichte prospektive Studie bestätigt diese Ernährungsrichtung weitestgehend. Kurotani et al. (2016) untersuchten 36.624 Männer und 42.970 Frauen im Alter von 45-75 Jahren, welche noch keine Krankheitshistorie in Bezug auf Krebs, Schlaganfall, Herz- oder chronische Lebererkrankungen aufwiesen. In den untersuchten 15 Jahren zeigte sich, dass je stärker sich die Probanden an die offiziellen japanischen Ernährungsempfehlungen hielten, desto geringer war ihr allgemeines Sterblichkeitsrisiko in diesem Zeitraum sowie auch ihr Risiko an kardiovaskulären und cerebrovaskuären Erkrankungen zu versterben.

Welcher Ernährung folgen demnach die Japaner, die gemäß Weltgesundheitsstatistik (World Health Organization, 2014) zu den Völkern mit der höchsten Lebenserwartung gehören?

„The Japanese Food Guide“

Essen mit Thunfisch und Kräutern

Die traditionelle japanische Esskultur gilt als eine der gesündesten. © Alpha under cc

Analog zu den oben genannten Ernährungsempfehlungen des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke scheint gemäß den offiziellen japanischen Ernährungsempfehlungen einer mineralstoffhaltigen, ballaststoffreichen Ernährung mit vollwertigem Getreide (Vollkornreis, -nudeln, -brot), viel Gemüse und weniger Fleisch beziehungsweise Fisch eine besondere Bedeutung zuzukommen. Früchte scheinen bei den Japanern eine eher untergeordnete Rolle zu spielen, hier gilt nach den japanischen Ernährungsempfehlungen eine ähnliche Menge wie für Milchprodukte.

Ergänzend hinzu kommen, wie bei allen Ernährungsempfehlungen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr (durch Wasser oder Tee), generell weniger zu essen, moderate Bewegung sowie Stressvermeidung.

Länger leben durch Muße und Beständigkeit

Wer nun glaubt, er könne in Anlehnung an die Ergebnisse vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, die ausdrücken, dass den Dekaden zwischen 50-70 Lebensjahren eine besondere Bedeutung zukommt, um länger leben zu können, bis zum Alter von 50 Jahren ernährungstechnisch ausschweifen, dem sei gesagt, dass der derzeitige Stand der Forschung offenbart, dass eine ungesunde Ernährung (ebenso wie Rauchen, Stress etc.) altersunabhängig mit der Verkürzung von Telomeren (Chromosomenenden) in Zusammenhang zu stehen scheint (vgl. z.B. Deutsches Ärzteblatt, 2014; Needham et al., 2013; Paul, 2011; Wulaningsih et al., 2016), deren Länge ein Indikator des biologischen Alterungsprozesses darstellt und deren „Ablaufen“ gleich einer Zündschnur den Zelltod bedeutet.
Besser also man besinnt sich „lebenslänglich“ auf eine überwiegend gesunde und wohlschmeckende Ernährung, um länger leben zu können.

Überlassen wir dem vermutlich 146-jährigen Mbah Gotho das letzte Wort für ein gesundes, längeres Leben. Sein Ratschlag lautet: Geduld.

Quellen:

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