Gemälde, Mann mit Waffe, blau

Intensivtäter sind eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden. © Paul Sableman under cc

Intensivtäter stehen bei uns eigenartig wenig im Fokus der Aufmerksamkeit. Das ist umso merkwürdiger, als der gesellschaftliche Schaden, der von ihnen ausgeht, erheblich ist. Intensivtäter ist ein anderer Ausdruck für Mehrfach-, Serien- oder Wiederholungstäter. Wenn hier von Intensivtätern die Rede ist, dann ist sind damit einerseits verurteilte Mehrfachtäter gemeint, wir betrachten hier aber auch die in der Polizeistatistik so genannten Mehrfachtatverdächtigen, obwohl ein Tatverdächtiger noch kein Täter ist. Andererseits gibt es bei jeder Kriminalstatistik ein erhebliches Dunkelfeld, also Taten, die nicht angezeigt werden. Diese Grauzone beschreibt der hier verwendete Sammelbegriff.

Die polizeiliche Kriminalstatistik von 2016 ist vor wenigen Tagen erschienen, darin wurde auch die Kriminalität infolge vom Migrationsbewegungen erfasst, auch ohne ausländerrechtliche Verstöße. Statistiken werden nicht selten dafür genutzt, die Meinung, die man ohnehin schon hat, zu unterstreichen. Wir wollen es anders machen, die Gesamtlage kurz streifen, einige Aspekte herausgreifen und uns dann den Intensivtätern zuwenden.

Die Gesamtlage

Insgesamt ist die Kriminalität 2016 um 0,7% gestiegen, abzüglich der ausländerrechtlichen Verstöße sogar erneut leicht gesunken. Deutlich angestiegen ist jedoch die Gewaltkriminalität (+6,7%) die „Gefährliche und schwere Körperverletzung“ sogar um fast 10%.[1]

Tatverdächtige Zuwanderer gibt es um 52,7% mehr, ein Anstieg der sich relativiert, wenn man bedenkt, dass die Überzahl der Anstiege unter den Zuwanderern selbst stattgefunden hat und Taten von „Fremden“ doppelt so häufig angezeigt werden, wie von Bekannten.[2][3]

Der Kriminologe Professor Christian Pfeiffer weist allerdings auch darauf hin, dass bei Raubdelikten von Ausländern Deutsche zu 70% die Opfer sind, bei Vergewaltigungsdelikten zu 60%.[4]

Die besorgniserregenden Einbrüche gehen etwas zurück, doch auch die Zunahme der Gewaltdelikte sieht im Kontext weniger schlimm aus, als zunächst befürchtet. Erinnern wir uns kurz an das Jahr 2006. War da was? Ja, gutes Wetter, Fußball WM, Deutschland präsentierte sich von seiner weltoffenen Seite, Feiern und gute Laune waren angesagt. Und die Gewalt, auch die schwere, lag höher als in den letzten beiden Jahren, noch schlimmer war es 2007, das wir auch nicht als katastrophal in Erinnerung haben, danach sank die Gewalt immer mehr, nun steigt sie wieder etwas an.[5] Es gibt also Grund gelassen zu bleiben, ohne blind oder naiv zu sein.

Vor allem ist Gewalt, insbesondere körperliche, aber auch so mancher Einbruch, etwas, was man nicht unterschätzen sollte, weil es ein nachhaltiges Gefühl der Verunsicherung und in schweren Fällen bei Opfern der lebenslangen Traumatisierung bedeuten kann.

Wie problematisch sind Intensivtäter?

Memet Kiliç, Vorstand im Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat, zitiert in der phoenix Runde Sachsens Innenminister mit der Aussage, dass 1% der Täter in Sachsen 40% der Straftaten verursachen. Wir ahnen, dass das eher keine Migranten sind.[6] Doch auch im Bericht zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2016 heißt es: „Fast ein Drittel (31,0 Prozent) aller tatverdächtigen Zuwanderer sind Mehrfachtatverdächtige.“[7] (Der Begriff Mehrfachtatverdächtige wird in der Kriminalstatistik 2016 jedoch nicht synonym mit Intensivtäter benutzt, sondern streng in dem Sinne, dass es Tatverdächtige gibt, die mehr ein mal verdächtig werden.[8])

Intensiv- oder Mehrfachtäter sind also ganz offensichtlich ein Problem und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen, was die Zahl der Taten selbst angeht, darüber hinaus, was die Stimmung in der Gesellschaft angeht. Es kann niemandem daran gelegen sein, bestimmte Bundesländer oder Menschengruppen pauschal abzustempeln und es wäre auch nicht richtig.

Vielleicht verbreiten sie sogar überproportional Angst und Schrecken, doch umso mehr muss eine wehrhafte Gesellschaft signalisieren, dass sie mit Intensivtätern fertig wird und dabei gilt, was auch im Kampf gegen den Terror gilt: ohne dabei selbst exzessiv zu werden.

Die eigentliche Bedrohung der Gesellschaft liegt darin, dass Terroristen, Extremisten und Intensivtäter eine (manchmal zu allem bereite) Minderheit sind, die versucht, die Mehrheit der Bevölkerung dadurch zu spalten, dass sie die emotionale Klaviatur bedient: Wut, Hass, Abscheu, Angst, Entsetzen und daraus folgend vor allem Überreaktionen provozieren will. Dass sie das wollen gibt der Gesellschaft jedoch eine Antwortmöglichkeit an die Hand, dazu später mehr. Doch wie wird man überhaupt Intensivtäter?

Intensivtäter: Was ist da schief gelaufen?

Wenn wir uns zunächst den „home grown“ Intensivtätern zuwenden, dann kann man sagen: ziemlich viel bis alles ist bei ihnen schief gelaufen.

„“Was ist das nur für ein Mensch, der so etwas tun konnte?“ Diese oftmals gestellte Frage nach den spezifischen Merkmalen und Charakteristika eines Menschen, der ein Verbrechen begangen hat, impliziert einen sehr wichtigen Aspekt. Indem wir diese Frage stellen, distanzieren wir uns, grenzen wir uns ab, betonen die Unmöglichkeit, dass die selbst, die wir so „normal“ sind, solche Dinge tun könnten. Und dies ist ein Selbstbetrug. In gewissen Situationen, unter gewissen Umständen kann (fast) jeder von uns zum Verbrecher werden – auch wenn wir dies nicht wahrhaben wollen.“[9]

„Kriminalität ist multifaktoriell bedingt“, heißt es dann etwas später im Text und einige Faktoren stechen heraus. Hochsignifikant dabei die Faktoren Broken-Home, Wechsel der Erzieungsträger und Heimaufenthalt. Alle Täter sind in der Unterschicht beheimatet, zu 70% haben sie ihre Herkunft in der Schicht. Ein Teufelskreis von Ursache und Wirkung, frühen Gewalterfahrungen, geringer Wertschätzung in der Familie, alkoholabhängiger Familienmitglieder, traumatischer und insbesondere sexueller Missbrauchserfahrungen. Fehlender Zusammenhalt und körperliche Bestrafung werden diskutiert, der dominierende Faktor scheint aber die unvollständige Familie zu sein.[10]

Was macht dieses desolate Umfeld mit den Kindern? Sie werden früh gewalttätig, wohl aus einer Vielzahl von Gründen. All das, was oben beschrieben wurde, sind auch prädisponierende Faktoren für schwere Persönlichkeitsstörungen und so wundert es nicht, dass wir bei Straftätern die dissoziale und emotional-instabile Persönlichkeitsstörung überhäufig vorfinden. Eine andere Studie findet Straftäter dissozial, wenig gewissenhaft und wenig selbstsicher.[11]

Mehrfachtäter, wie die Intensivtäter dort genannt werden zeichnen sich darüber hinaus durch die Faktoren aus, andere zu kritisieren, was vor allem bedeutet, bei anderen die Schuld zu suchen, eine erhöhte paranoide Feindseligkeit und vor allem den Drang, diese Feindseligkeit (man könnte auch bloß nörgeln) auch auszuleben.

Die Mischung aus Gewalterleben, Missachtung, Alkoholexzessen in der Familie, Mangel an Zusammenhalt und einer klaren familiären Struktur führt zu einer Störung der Identität, man kriegt nicht in den Fokus, wer man ist und was man will. Man hat keine zugeschriebene Rolle, die man erfüllen könnte, erlebt sich (und andere Menschen) oft als nicht wahrgenommen oder als bloßes Mittel zum momentanen Zweck benutzt, was Spitzenaffekte evoziert. Ob man sexuelles Spielzeug, Blitzableiter für Aggressionen oder Mittel zum Trost ist, ist da fast schon egal. Man ist je nach Situation fast etwas wie ein Gebrauchsgegenstand, mit der Würde des Menschen hat das nichts zu tun.

Richtet man den Blick von den Zahlen und Oberbegriffen auf die einzelnen Schicksale und ihre Geschichte, so ist man nicht selten entsetzt, traurig und wütend, was die Mischung aus Kälte, Gewalt und Missachtung angeht. Psychisch ist das die Hölle auf Erden und wir wissen heute, dass diese Hölle neben einigen Familien vor allem auch in Heimen stattgefunden hat. Heimaufenthalte sind weitere prädisponierende Faktoren.

Das ist schwer zu ertragen und man hält sich die Schicksale dieser Menschen, oft fast noch Kinder auf Distanz, wenn man abwertend von irgendwelchen ostdeutschen Nazis spricht, mit denen man nichts zu tun hat. Aber genau das sind sehr oft die Folgen dieser chronischen Misshandlung, für die diese Menschen nichts können. So gut wie alle Psychologen und Psychiater die sich mit Straftätern, Gewaltverbrechern und Intensivtätern befassen, kommen zu dem Schluss, dass die Täter von heute die Opfer, nicht nur von kurzen Traumatisierungen, sondern oft flächendeckendem und jahrelangem Missbrauch und Aggressionen waren.

Verstehen heißt nicht zwingend, zu verzeihen

Den Täter zu verstehen, darum sollte es daher zuerst gehen. Nicht im dem Sinne, dass man ihm alles durchgehen lässt oder im landläufigen Sinne für jede Tat Verständnis aufbringt, also mit der berühmt-berüchtigten „schweren Kindheit“ alles entschuldigt. Doch wenn man versteht, was diesen Menschen angetan wurde, versteht man auch, zu was sie selbst nicht in der Lage sind. Zur Empathie, im Sinne eines warmen Mitgefühls reicht es bei ihnen nicht, allenfalls zu einer instrumentellen Vorform, die gerissen versteht, wo die Schwachstellen und wunden Punkte des anderen sind, um ihn effektiv zu quälen oder wenigstens zu manipulieren.

Auch Reue, Bedauern und dnm Wunsch nach Wiedergutmachung sucht man bei ihnen oft vergebens, denn das sind Empfindungen die erst auftauchen, wenn jemand das neurotische Organisationsniveau erreicht hat. Ironischerweise ist es sogar noch so, dass die besonders kalten Täter zu einer theaterreifen Inszenierung dieser Gefühle – weil sie wissen, dass ihnen dies, bei guter Performance, etwa vor Gericht oder in der Haft, einen Vorteil bringt – viel besser in der Lage sind, als die weniger gestörten, die noch Reste von Gewissen in sich haben.

Doch wenn man als jemand der verstehen will den Blick aufs Ganze, auf die Taten richtet, der muss auch den Blick auf die Opfer dieser Täter richten. Was für die Opfer oft unverständlich und zerstörerisch ist, ist der Grad der Willkür, der sie zu Opfern machte. Sie waren halt zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort. Es hätte auch jeden anderen treffen können. Auf das für Opfer oft so wichtige „Warum?“ gibt es keine befriedigende Antwort, außer, dass die Täter ganz einfach das tun und weitergeben, was sie gelernt haben. Menschen sind Gebrauchsgegenstände, wenn sie einem gerade nützen: zum Feiern, Trinken, aber auch zum Quälen oder zur Demonstration von Macht, benutzt man sie eben, ohne jedes Mitgefühl. So hat man es gelernt und vielleicht inzwischen in einigen Fällen perfektioniert. Die Taten sind willkürlich, brutal und oft sadistisch. Da gibt es nichts zu beschönigen.

Doch man muss noch etwas verstehen, nämlich, wie diese Menschen ticken. In dieser Ambivalenz, dass sie selbst Täter und Opfer sind, die Hilfe brauchen und vor denen man die andren Menschen schützen muss. Viele dieser Täter, je häufiger sie straffällig werden, umso mehr, denken nicht im stillen Kämmerlein und auch nicht in der Zelle darüber nach, was sie den anderen da angetan haben, sie sind eher erbost, dass die andere sie in den Knast gebracht haben. Sie kritisieren andere, nicht sich. Sie sind feindselig, weil sie ihre Umwelt stets als feindlich erlebt haben.

Dennoch muss man versuchen ihr Verhalten zu verändern, da zerstörende Erfahrungen gemacht zu haben einem nicht das Recht gibt, andere zu zerstören. Viele Straftäter sind wenig intelligent. Statistisch gilt das für Vergewaltiger, die häufig intelligenzgemindert sind. Das ist schlecht, weil zu geringe Intelligenz dazu führt, dass man zur Empathie nicht in der Lage ist. Empathie ist immer auch ein kognitiver Akt. Ein IQ von 90 wird gebraucht, damit man therapeutisch etwas retten kann, was ohnehin schwer genug ist.

Narzisstische Größenvorstellungen und paranoides Misstrauen fließen zusammen, wenn die Entwicklung des Über-Ich früh zum erliegen kam. Das sind dann die dissozialen oder psychopathischen Komponenten, die man findet. Sie führen dazu, dass intelligentere Intensivtäter vorsichtig und gerissen sind. Sie neigen dazu sich selbst chronisch zu überschätzen (das ist ihr wirklich schwacher Punkt), ansonsten erzählen sie anderen Menschen das, von dem sie glauben, dass es sie in ein besseres Licht setzt oder ihnen, je nach Situation, zum eigenen Vorteil gereicht. Sie fühlen sich allen anderen überlegen, weil sie sich selbst für gerissener, härter, stärker, skrupelloser oder geschickter halten. Oft sind sie es nicht, aber sich und andere realistisch einzuschätzen ist nicht ihre starke Seite, insofern kommt der Irrtum bei ihnen nicht an. Man muss diese eigentlich immer vorhandene narzisstische Problematik mit berücksichtigen, weil sie für die Fragen nach einer möglichen Therapie oder Strafe relevant wird.

Geht von Flüchtlingen eine Gefahr aus?

Ein brisantes Thema, weil es gerne politisch instrumentalisiert wird. Die einen wollen in Flüchtlingen Straftäter sehen und wenn nicht jetzt, dann potentiell, für die andere Gruppe sind sie verfolgte Menschen, denen man einfach alles nachsehen muss. Dabei ist die Situation gar nicht so schwer zu erkennen. Der stets besonnene Kriminologe Pfeiffer spricht von einem Zwei-Klassen-System bei den Flüchtlingen. Kriegsflüchtlinge, die eine Chance haben hier als Asylbewerber anerkannt zu werden, verhalten sich in aller Regel vorbildlich und sind, was Straftaten angeht, oft sogar oft weniger auffällig als die einheimische Bevölkerung.

Anders die bereits in der Kölner Silvesternacht auffällig gewordenen nordafrikanischen Einwanderer, die hier keine Bleibeperspektive haben und das auch wissen. Das Schwert der Abschiebung schwebt ganz real täglich über ihnen, das ist nachvollziehbar frustrierend, zumal sie oft auch noch erhebliche Kosten und Gefahren auf sich genommen haben. Dieser Frust macht sich oft in Gewalt und sexuellen Übergriffen Luft.[12] Der Frust ist verständlich, weil diese Menschen sich eine andere, bessere Zukunft gewünscht haben, aber auch Frustration gibt Menschen nicht das Recht zu Übergriffen, diese kann und darf der Staat nicht tolerieren. Vorrangig betrifft das heute Menschen aus Nordafrika, einigen anderen afrikanischen und osteuropäischen Ländern.

Man versetze sich kurz in die Situation dieser Menschen, die hoffnungsfroh gestartet sind, in jeder Hinsicht viel investiert haben und und nun gesagt gekommen, dass sie weder gewollt, noch gebraucht werden, noch hier bleiben können. Da ihnen Deutschland oft auch noch in einem verzerrten Licht angepriesen wurde, ist die Enttäuschung groß, die dann zuweilen in den Frust und die Wut desjenigen umschlägt, der nichts mehr zu verlieren hat und sich nun einfach nimmt, was er will, solange es noch geht. Und aus dieser Perspektive sogar nachvollziehbar. Warum soll man sich für jemanden oder etwas oder ein Land einsetzen, das einen nicht will und sagt: Du bist hier überflüssig. Doch es soll hier nicht primär um Verständnis gehen, denn auch großer Frust berechtigt einen nicht dazu, diesen an anderen auszulassen. Das ist freilich leicht gesagt, denn wer im Buch des eigenen Lebens etwas blättert, wird sich auch schon mal die eine oder andere Situation erlebt haben, die man fast grenzenloser Frustration und Perspektivlosigkeit einher ging. Doch hier geht es im etwas anderes, nämlich:

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