<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/" ><channel><title>Psychologie Online-Magazin psyheu.de</title> <atom:link href="http://www.psyheu.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.psyheu.de</link> <description>jung, dynamisch, erfrischend</description> <lastBuildDate>Tue, 15 May 2012 10:00:56 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator> <xhtml:meta xmlns:xhtml="http://www.w3.org/1999/xhtml" name="robots" content="noindex" /> <item><title>Normales und krankes Gewissen (2)</title><link>http://www.psyheu.de/4299/normales-krankes-gewissen/</link> <comments>http://www.psyheu.de/4299/normales-krankes-gewissen/#comments</comments> <pubDate>Tue, 15 May 2012 10:00:56 +0000</pubDate> <dc:creator>Carsten</dc:creator> <category><![CDATA[Featured]]></category> <category><![CDATA[Psyche & Persönlichkeit]]></category> <category><![CDATA[Slider]]></category> <category><![CDATA[Gewissen]]></category> <category><![CDATA[Scham]]></category> <category><![CDATA[Schuld]]></category> <category><![CDATA[Sorge]]></category> <category><![CDATA[Über-Ich]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.psyheu.de/?p=4299</guid> <description><![CDATA[<p>Das Gewissen kann der beste Freund sein, aber auch ein Feind im eigenen Innern. Doch woran erkenne ich ein normales oder krankes Gewissen?</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4299/normales-krankes-gewissen/">Normales und krankes Gewissen (2)</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/carsten/">Carsten</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Wie im <a href="http://www.psyheu.de/4254/gewissen-ueberich-neurose-narzissmus/" title="Das Gewissen (1)">vorigen Beitrag</a> ausgeführt, ist ein intaktes Gewissen ungeheuer wichtig.<br /> Doch bevor wir uns diesem zuwenden, wollen wir klären, was ein <strong>krankes Gewissen</strong> entstehen lässt.</p><h2>Wie kommt es zur Über-Ich Pathologie?</h2><div id="attachment_4330" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/schuld-300x169.jpg" alt="Mann mit Schnäuzer geschlossene Augen" width="300" height="169" class="size-medium wp-image-4330" /><p class="wp-caption-text">Nachdenklich, müde oder schuldbewusst? &copy; <a href='http://www.flickr.com/photos/puuikibeach/3565767760/' rel='nofollow'>davidd</a> under <a href='http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de' rel='nofollow'>cc</a><br /></p></div><p>Hauptfaktor ist, wie so oft, das Umfeld und primär die eigene Familie, was sich schon dadurch erklärt, dass die Bildung des Über-Ichs bereits in den ersten Lebensmonaten beginnt. In der älteren und marxistisch angehauchten Psychoanalyse gab es die Idee, dass das Gewissen wie ein lastender Mühlstein die freie Entfaltung des Ich beschwert, was zur Faustregel, je weniger Über-Ich, desto besser führte. Ein krankes Gewissen wurde mit Repression, Unterdrückung und Hemmung durch Überstrukturierung und Triebunterdrückung assoziiert, was nach wie vor <em>auch</em> richtig ist.</p><p>Doch heute weiß man, dass ein Über-Ich Mangel viel schlimmer ist und ein krankes Gewissen eher ein unreifes ist. Es sind die abwesenden Väter, es die Unterstrukturierung und ein regelloses und willkürliches Chaos, was Kindern Probleme bereitet. In höchstem Maße geschieht das dort, wo chronisch die <a href="http://www.psyheu.de/3127/trotzalter-nervenaufreibende-phase-kleinkindalter/" title="Das Trotzalter: eine nervenaufreibende Phase im Kleinkindalter">Grenzen des Kindes</a> und anderer Personen des nahen Umfeldes missachtet werden und es zu gewalttätigen und/oder sexuellen Übergriffen kommt, in die das Kind direkt verwickelt ist oder die es als Zeuge erlebt. Psychisch ist beides katastrophal und verursacht schwerste <a href="http://www.psyheu.de/2577/identitaetsdiffusion-diagnose-narzissmus/" title="Identitätsdiffusion: Wer bin ich, was will ich?">Über-Ich Pathologien</a>.</p><p>Es gibt Indizien für einen angeborenen Mangel an Empathie durch Störungen des <a href="http://www.psyheu.de/1779/depressionen-ursachen-serotonin-genetisch/" title="Depressionen (2): die Ursachen der Depression">Serotoninsystems</a>, das unter anderem die Affekte dämpft. Ein völliger Empathieverlust liegt bei der antisozialen Persönlichkeit vor, die unfähig ist Gefühle  wie Liebe und Sorge für andere zu empfinden, doch neben den genetischen Einflüssen ist auch hier häufig das Umfeld extrem gestört.</p><h2>Scham und Schuld</h2><p>Ein krankes Gewissen kreist um sich selbst, was zu typischen Reaktionen auf eigene Fehler führt. Fühlt sich ein Mensch mit einem zu unterentwickelten Über-Ich eines Fehlers überführt, so ist das für ihn oft eine Katastrophe. Denn das schon beschriebene grandiose Ich mit dem unfertigen Über-Ich, kann Unvollkommenheiten nur schwer kompensieren. Nicht perfekt zu sein ist ein schwere Kränkung, die charakteristischerweise als Scham erlebt wird. &#8220;Wie stehe ich denn jetzt da?&#8221; &#8220;Was denken die Leute jetzt nur über mich?&#8221; &#8220;Jetzt werden alle über mich spotten.&#8221; Das sind die selbstbezogenen Gedanken eines Ich, das sich <em>schämt</em>. &#8220;Ich Nichtsnutz, ich Trottel, nie kann ich irgendetwas richtig machen&#8221;, sind typisch destruktive Gedanken, hervorgerufen, durch ein sadistisches Üer-Ich.</p><p>Ein reiferes Über-Ich ermöglicht die Fähigkeit <em>Schuld</em> zu empfinden. Schuld dreht sich, im Unterschied zur Scham, primär um andere und das, was man ihnen angetan hat. Man ist auch entsetzt über eigene Fehler, aber weil andere nun leiden müssen und es ihnen schlecht geht. Weil man etwas verursacht hat, was man nicht wollte und nun bereut. Reue, der Wunsch nach Wiedergutmachung und sich zu deprimierenn, über das was anderen durch eigenes Fehlverhalten passiert ist, sind typische Elemente von Schuld.</p><p><em>Deshalb ist der Weg von der Scham zur Schuld, ein Indiz für Gesundung</em>, solange die Schuld nicht übergroß wird und man zu <a href="http://www.psyheu.de/3405/zwaenge-entstehung-angst/" title="Entstehung von Zwängen durch Angst – Zwangsstörungen (1)">exzessiver Gewissenhaftigkeit</a>, Pünktlichkeit, Ordentlichkeit und Sauberkeit neigt, die in eine neurotische Richtung deutet und Impulse des Lebens unter Verschluss halten soll.</p><h3>Investition in andere</h3><p>Ein weiteres Zeichen für ein intaktes Über-Ich ist die Fähigkeit, ein Interesse für Bereiche zu zeigen, die das eigene Ich übersteigen. Kunst, <a href="http://www.psyheu.de/3635/von-guten-maechten-1-die-glaubenskrise/" title="Von guten Mächten… ? – Die Glaubenskrise (1)">Religion</a>, Politik und  Gesellschaft, <a href="http://www.psyheu.de/3803/willensfreiheit-hirnforschung/" title="Willensfreiheit – Wie frei ist der Mensch? (1)">Philosophie</a> oder <a href="http://www.psyheu.de/3524/extrinsisch-motivation-sport/" title="Extrinsische Motivation beim Sport">Sport</a>, sind solche Gebiete, bei dem nicht das eigene Ich, seine Emotionen und körperlichen Befindlichkeiten im Zentrum stehen und man nicht 24/7 im eigenen Saft kocht.</p><h2>Was ist ein normales Über-Ich und wozu dient es?</h2><div id="attachment_4309" class="wp-caption alignleft" style="width: 410px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/gewissen.jpg" alt="transzendenter Beobachter" width="400" height="290" class="size-full wp-image-4309" /><p class="wp-caption-text">Das Gewissen kann ein gütiger Freund sein &copy; <a href='http://www.flickr.com/photos/h-k-d/3077200895/' rel='nofollow'>H. Koppdelaney</a> under <a href='http://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/deed.de' rel='nofollow'>cc</a><br /></p></div><p>Ein normales Gewissen ist ein an die individuellen Bedürfnisse angepasster, stabiler Wertekodex. Man ist realistischer Selbstkritik fähig, ohne daran zu zerbrechen. Man ist moralisch integer und passt sich nicht einfach der Umgebung an, ist aber beweglich genug andere Wertekontexte zu erkennen und zu respektieren, ohne die eigenen zu verraten. Man fühlt sich den Standards, Werten und Idealen der eigenen Kultur verpflichtet und versucht Wechselseitigkeit, vertrauensvolle und tiefe Beziehungen zu ermöglichen.</p><p><em>Quelle:</em></p><ul><li> (Otto F. Kernberg, <a href="http://www.amazon.de/Narzi%C3%9Fmus-Aggression-Selbstzerst%C3%B6rung-Fortschritte-Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rungen/dp/3608960090/ref=sr_1_sc_1?ie=UTF8&amp;qid=1336984764&amp;sr=8-1-spell">Narzissmus, Aggression und Selbstzerstörung</a>, 2004, dt. 2006, Klett-Cotta, S.22f)</li></ul><p><a href="http://www.psyheu.de/4299/normales-krankes-gewissen/">Normales und krankes Gewissen (2)</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/carsten/">Carsten</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.psyheu.de/4299/normales-krankes-gewissen/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Macht Selbstständigkeit glücklich? &#8211; Nicht unbedingt!</title><link>http://www.psyheu.de/4279/macht-selbststaendigkeit-gluecklich/</link> <comments>http://www.psyheu.de/4279/macht-selbststaendigkeit-gluecklich/#comments</comments> <pubDate>Thu, 10 May 2012 10:00:56 +0000</pubDate> <dc:creator>Juliane</dc:creator> <category><![CDATA[Featured]]></category> <category><![CDATA[Karriere & Beratung]]></category> <category><![CDATA[Slider]]></category> <category><![CDATA[glücklich]]></category> <category><![CDATA[Selbstständigkeit]]></category> <category><![CDATA[Zufriedenheit]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.psyheu.de/?p=4279</guid> <description><![CDATA[<p>Ob Selbstständigkeit der Weg in die berufliche Erfüllung ist, hängt vor allem von der eigenen Motivation ab.</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4279/macht-selbststaendigkeit-gluecklich/">Macht Selbstständigkeit glücklich? &#8211; Nicht unbedingt!</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/juliane/">Juliane</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Dass <strong>Selbstständigkeit glücklich</strong> machen kann, zeigen viele Studien (z.B. Benz &amp; Frey, 2008). Selbstbestimmtes Arbeiten sowie der eigene Chef zu sein, stehen offenbar mit <em>höherer Arbeitszufriedenheit</em> in Zusammenhang, verglichen mit angestellten Mitarbeitern. Die Höhe des Einkommens oder die Anzahl der Arbeitsstunden -beides bei Selbstständigen ja oft in eher ungünstigerem Verhältnis- beeinflussen die höhere Arbeitszufriedenheit dabei nicht. Es scheint also, als wäre die berufliche Selbstständigkeit der ultimative Weg für ein glückliches, langes Arbeitsleben.</p><p>Nun lassen allerdings neuere Studienergebnisse vermuten, dass dahingehend differenziert werden sollte, ob Selbstständigkeit glücklich macht. Denn während für Einige selbstständiges Arbeiten berufliche <strong>Zufriedenheit</strong> bedeutet, scheint es für Andere nicht der richtige Weg zu sein.</p><h2>Gründe für Selbstständigkeit entscheidend</h2><p>In ihrer Studie (2012) fanden Binder und Coad vom Max-Planck-Institut für Ökonomik zwei Gruppen von Selbstständigen, welche sich hinsichtlich ihrer Zufriedenheit unterschieden. Ob berufliche Selbstständigkeit glücklich macht, scheint von den Gründen für die Selbstständigkeit abzuhängen.</p><p>Die Forscher ließen <em>zwei Motivationsarten</em> als Gründe dafür sich selbstständig zu machen in ihre Berechungen mit einfließen: Selbstständigkeit als Weg aus der Arbeitslosigkeit, sozusagen gezwungenermaßen versus Selbstständigkeit als  selbst entschiedene, frei gewählte Möglichkeit.</p><h3>Frei gewählt, macht Selbstständigkeit glücklich</h3><div id="attachment_4280" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/selbststaendig-gluecklich.jpg" alt="mit Notebook im Park arbeiten" width="250" height="141" class="size-full wp-image-4280" /><p class="wp-caption-text">selbstständig arbeiten im Park &copy; <a href='http://www.flickr.com/photos/tanelteemusk/2608975252/' rel='nofollow'>Tanel Teemusk</a> under <a href='http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de' rel='nofollow'>cc</a></p></div><p>Binder und Coad fanden in ihrer Langzeitstudie (2012), dass Personen, welche freiwillig aus einem Beschäftigungsverhältnis in die Selbstständigkeit wechselten, einen signifikanten <em>Zuwachs an Lebenszufriedenheit</em> im Allgemeinen aufwiesen. Erhoben wurden die Daten in den ersten zwei Jahren nach Beginn der Selbstständigkeit. Es scheint also, als würden freiwillig Selbstständige nicht nur einen Zuwachs an Arbeitszufriedenheit, sondern auch allgemein einen Zuwachs an Zufriedenheit in ihrem Leben erhalten. Diese Personen scheint die berufliche Selbstständigkeit glücklich zu machen.</p><h3>Gezwungenermaßen selbstständig, macht nicht zufriedener</h3><p>Personen, welche sich gezwungenermaßen selbstständig machen, um der Arbeitslosigkeit zu entfliehen, profitieren offenbar nicht in puncto Lebenszufriedenheit. Sie unterschieden sich in Bezug auf ihre Lebenszufriedenheit nicht von Personen, welche aus der Arbeitslosigkeit in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis wechselten. Vielmehr zeigte sich -wenn auch nicht statistisch signifikant-  sogar eine <em>geringere Lebenszufriedenheit</em> als bei der Vergleichsgruppe der neu Angestellten.</p><p>Ob Selbstständigkeit glücklich macht, hängt also vor allem von der Motivation für die Entscheidung zur Selbstständigkeit ab. Wählt man aus freien Stücken die berufliche Selbstständigkeit, kann dies durchaus der Weg in die berufliche Erfüllung sein. Wer aus der Not heraus selbstständig ist, profitiert dagegen eher nicht davon sein eigener Chef zu sein.</p><p><em>Quellen:</em></p><ul><li>Benz, M. &amp; Frey, B.S. (2008). Being Independent is a Great Thing: Subjective Evaluations of Self-Employment and Hierarchy. Economica 75, 362-383.</li><li>Binder, M. &amp; Coad, A. (2012). Life satisfaction and self-employment: A matching approach. SMALL BUSINESS ECONOMICS. DOI 10.1007/s11187-011-9413-9.</li></ul><p><a href="http://www.psyheu.de/4279/macht-selbststaendigkeit-gluecklich/">Macht Selbstständigkeit glücklich? &#8211; Nicht unbedingt!</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/juliane/">Juliane</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.psyheu.de/4279/macht-selbststaendigkeit-gluecklich/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Das Gewissen (1)</title><link>http://www.psyheu.de/4254/gewissen-ueberich-neurose-narzissmus/</link> <comments>http://www.psyheu.de/4254/gewissen-ueberich-neurose-narzissmus/#comments</comments> <pubDate>Wed, 02 May 2012 10:04:30 +0000</pubDate> <dc:creator>Carsten</dc:creator> <category><![CDATA[Featured]]></category> <category><![CDATA[Psyche & Persönlichkeit]]></category> <category><![CDATA[Slider]]></category> <category><![CDATA[Gewissen]]></category> <category><![CDATA[Narzissmus]]></category> <category><![CDATA[Neurose]]></category> <category><![CDATA[Psychoanalyse]]></category> <category><![CDATA[Über-Ich]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.psyheu.de/?p=4254</guid> <description><![CDATA[<p>Unser Gewissen ist es ein wichtiger Baustein der Psyche. Es kann uns belasten, hemmen oder sogar verfolgen. Wie entsteht es, was kann schief gehen?</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4254/gewissen-ueberich-neurose-narzissmus/">Das Gewissen (1)</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/carsten/">Carsten</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Man wälzt sich von links nach rechts, liegt nachts wach und grübelt, bekommt Gedanken über mögliche eigene Versäumnisse nicht aus dem Kopf. Der Druck des eigenen Gewissens kann als nagend, zuweilen als übermächtig empfunden werden. Was ist normal, was ist zu viel, was zu wenig? Was ist überhaupt das <strong>Gewissen</strong>, wo kommt es her?</p><h2>Über-Ich – das Gewissen in der Psychoanalyse</h2><div id="attachment_4255" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/schlaflos1.jpg" alt="Mann im Bett, Kissen, nackter Oberkörper" width="300" height="169" class="size-full wp-image-4255" /><p class="wp-caption-text">Ein nagendes Gewissen kann den Schlaf rauben &copy; <a href='http://www.flickr.com/photos/onefromrome/227651775/' rel='nofollow'>Enrico</a> under <a href='http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de' rel='nofollow'>cc</a><br /></p></div><p>Der Begriff <em>Über-Ich</em> ist weit über die Grenzen der Psychoanalyse geläufig. Er ist <em>nahezu bedeutungsgleich mit dem Begriff Gewissen</em>, mit dem Unterschied, dass das Über-Ich der technischere Ausdruck ist, der präziser untersucht wurde.</p><p>Anders als Freud, von dem der Begriff Über-Ich stammt, dachte, bildet sich das Über-Ich nicht erst in einer eigenen ödipalen Phase, vom 4. – 6. Lebensjahr, sondern bereits im ersten, besonders aber im zweiten und dritten Lebensjahr, in Form <em>aufeinanderfolgender Schichten</em>, die sich wie Sediment über einander legen.</p><p>Die erste Schicht bilden dabei die <em>Verbote</em>. Kinder erleben die Eingriffe der Eltern im ersten Lebensjahr oft als willkürlich und behindernd. Sie können nicht verstehen, warum die Eltern sie immer wieder an interessanten Dingen hindern wollen, auch wenn das aus Sicht der Eltern berechtigt ist, erlebt das Kind diese Eingriffe als störende, manchmal sadistische, Verbote.</p><p>Im zweiten und dritten Lebensjahr werden die Verbote durch <em>Gebote</em> ergänzt. Das Kind versteht allmählich, was es tun muss, um Mutter eine Freude zu machen und gelobt zu werden. Später werden diese beiden Schichten von einer realistischen dritten Schicht überlagert und wenn alle diese drei Bereiche des Über-Ichs sich weitgehend störungsfrei bilden konnten, findet man ein gesundes und Über-Ich, das seine Wertvorstellungen im Laufe des Lebens dynamisch modifizieren kann.</p><p>Die Entdeckung der frühen Entstehung des Über-Ich stammt von <a href="http://www.medizin-im-text.de/blog/2008/391/melanie-klein-und-die-kleinianer/">Melanie Klein</a>, die Bildung aufeinanderfolgender Schichten ist von <a href="http://www.amazon.de/Selbst-Objekte-suhrkamp-taschenbuch-wissenschaft/dp/3518278428/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1335949715&amp;sr=8-1">Edtih Jacosbson</a> untersucht worden.</p><h2>Neurose – ein Über-Ich, groß wie eine Kathedrale</h2><p>Ein an sich intaktes Über-Ich (aus drei fertigen Schichten) kann jedoch, kultur- und erziehungsbedingt, übergroß geraten sein. Das Über-Ich, was in guten Fällen ein realistisches Korrektiv ist, wird dann drückend und lastend. Das Leben wird gehemmt und freudlos, weil die innere Instanz des Gewissens ständig nörgelt und – in der Kommunikation mit dem Ich – selbstkritisch aufzählt, was alles ordentlicher, gewissenhafter, sauberer, perfekter sein könnte. Der freie, ungezwungene Ausdruck der Kreativität, der Lebensfreude und der Sexualität ist neurotisch gehemmt, von einer überkritischen inneren Stimme.</p><p>Alles was zu laut, wild, spontan, unbeherrscht, schmutzig, sexuell anzüglich erscheint wird verurteilt, zugunsten einer &#8220;heilen&#8221; und kitschigen, entsexualisierten, sauberen, ordentlichen aber leidenschaftslosen Welt.</p><h2>Pathologischer Narzissmus – ein unfertigtes Über-Ich</h2><div id="attachment_4261" class="wp-caption alignleft" style="width: 360px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/ueber-ich.jpg" alt="Paar Höhle Totenschädel " width="350" height="295" class="size-full wp-image-4261" /><p class="wp-caption-text">Das eigene Über-Ich kann gütig oder sadistisch sein  &copy; <a href='http://www.flickr.com/photos/h-k-d/3528634083/' rel='nofollow'>Hartwig Koppdelaney</a> under <a href='http://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/deed.de' rel='nofollow'>cc</a><br /></p></div><p>Ist das Über-Ich des Neurotikers zwar komplett, aber zu groß geraten, so finden wir beim pathologischen Narzissmus  ein zu kleines, unfertiges Über-Ich. Einige Narzissten halten sich für großartig und außergewöhnlich, das liegt zum Teil an der Kommunikation des Ich mit dem verinnerlichten unfertigen Über-Ich, dessen dritte Schicht unvollkommen ausgebildet ist. Die innere Gewissensinstanz ist nun die zweite Schicht, das Ich empfindet, es würde alle Gebote vollkommen erfüllen und sei darum ein ganz außergewöhnlicher Mensch.</p><p>Die negative Variante sieht dieses unrealistisch große Ich, dann unrealistisch klein. Ein nebensächlicher Fehler wird sofort als komplettes Versagen interpretiert und lastet unendlich auf dem Ich, was jetzt seine Ausnahmeposition markiert, indem es der bemitleidenswerteste Mensch auf der ganzen Welt ist. Um das zu kompensieren, versucht auch das narzisstische Ich oft perfekt zu sein. Wir sehen also, dass ähnliche Symptome verschiedene Ursachen haben können, weshalb es wichtig ist nicht nur auf die Symptome zu schauen.</p><p>Prekärer wird es, wenn das narzisstische Ich nur noch mit der ersten, sadistisch-verfolgenden Schicht des Über-Ich kommuniziert, weil diese bereits früh gestört wurde. Ein solches Ich fühlt sich nicht stark, schön und als Mutters Sonnenschein, sondern es fühlt sich im äußersten Fall überlegen, weil es grausam, mächtig und Herr über Leben und Tod anderer ist. Bei Tyrannenherrschern, Serienmördern und <a href="http://www.psyheu.de/3098/terrorismus-terrorist-weltbild/" title="Das messianische Weltbild – Terrorismus aus psychologischer Sicht (1)">Terroristen</a> ist das oft zu finden.</p><p>Bis dahin ist es ein schrittweiser Weg eines immer reduzierten Über-Ichs, aber dieser Weg zeigt, wie wichtig ein intaktes <strong>Gewissen</strong> ist.</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4254/gewissen-ueberich-neurose-narzissmus/">Das Gewissen (1)</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/carsten/">Carsten</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.psyheu.de/4254/gewissen-ueberich-neurose-narzissmus/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Exzentriker</title><link>http://www.psyheu.de/4220/exzentriker/</link> <comments>http://www.psyheu.de/4220/exzentriker/#comments</comments> <pubDate>Tue, 24 Apr 2012 10:00:07 +0000</pubDate> <dc:creator>Carsten</dc:creator> <category><![CDATA[Featured]]></category> <category><![CDATA[Psyche & Persönlichkeit]]></category> <category><![CDATA[Slider]]></category> <category><![CDATA[Exzentriker]]></category> <category><![CDATA[Glücksempfinden]]></category> <category><![CDATA[Konventionen]]></category> <category><![CDATA[Spitzweg]]></category> <category><![CDATA[verrückt]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.psyheu.de/?p=4220</guid> <description><![CDATA[<p>Exzentriker sind schrill, schräg und anders. Manchmal etwas gestört, doch oft genug ist ihre Lebensweise fast ein Glücksrezept.</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4220/exzentriker/">Exzentriker</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/carsten/">Carsten</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></description> <content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4221" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/exzentriker-300x169.jpg" alt="Mann Sonnenbrille grüner Bart Walkman" width="300" height="169" class="size-medium wp-image-4221" /><p class="wp-caption-text">Exzentriker: Schrill, bunt und anders &copy; <a href='http://www.flickr.com/photos/zanastardust/2546266359/' rel='nofollow'>Rosana Prada</a> under <a href='http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de' rel='nofollow'>cc</a><br /></p></div><p>Sie tragen Elvis-Kostüme, sammeln alle Barbie-Puppen, <a href="http://www.klaviere-rasch.de/pdf/artikel_1.pdf">transportieren professionell Klaviere mit dem Fahrrad</a> oder verschreiben ihr Leben Hobbies, über die der Mainstream den Kopf schüttelt. <strong>Exzentriker</strong>. Können oder wollen sie nicht anders?</p><p>Der Exzentriker ist wörtlich genommen ein Verrückter. Ein, aus der Mitte, dem Zentrum, ex-zentrisch Verrückter. Nun wird ein Exzentriker aber nicht als verrückt, im Sinne von wahnsinnig, angesehen. Der Begriff hat viel mehr die Konnotation des liebenswerten Spinners, meint Menschen, die ein wenig schräg sind. Schrulle, Marotte oder der englische &#8220;Spleen&#8221; sind weitere Begriffe, die zum Exzentriker passen.</p><h2>Die Datenlage: Etwas verrückt</h2><p>Sind Exzentriker einfach nur anders? So bizarr die Menschen, die uns hier begegnen, so widersprüchlich auch die Befunde über sie. Karl Shaw berichtet über die oft tragischen und pathologischen Seiten der Exzentriker. Zermürbende und zeitraubende Zählzwänge, kurze glückliche Jahre und dann doch oft ein Ende im Wahnsinn und sozialer Ausgrenzung.</p><p>Ganz anders dagegen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Exzentriker#Wissenschaftliche_Untersuchungen">die Ergebnisse von David Joseph Weeks</a>, der herausfand, dass nahezu alle Exzentriker unangepasste, beglückte, neugierige und kreative Menschen sind, die die Welt etwas verbessern wollen. Sowohl ihr IQ, als auch Gesundheitszustand und persönliches Glücksempfinden liegen weit über dem Durchschnitt.</p><p>Sie sind ein Stück weit in ihrer skurrilen Welt versunken, die sie erfüllt, die sie anderen aber oft nicht aufdrängen. Zum Ausgleich juckt die Meinung anderer sie oftmals nicht im Geringsten. Wegen dieser teilweisen Abgeschlossenheit vermuten manche eine Nähe zum <a href="http://www.psyheu.de/3133/autismus-kommunikation-stereotyp/">Asperger-Autismus</a>. Man findet Exzentriker in allen Positionen und Schichten des Lebens, manche sind Genies – der Starpianist <a href="http://pagewizz.com/glenn-gould-ausnahmepianist-und-exzentriker/">Glenn Gould</a> war einer – manche sind Hausfrauen, andere sind Gesetzgeber. Dann wird es zuweilen schrill. So darf man in South Carolina seine Frau auf der Treppe eines Gerichtsgebäudes schlagen, aber nur an Sonntagen (vgl. <a href="http://www.ciao.de/Lexikon_der_Exzentriker_Shaw_Karl__Test_1810174">hier</a>). Innerhalb Europas kann man seine Marotten wohl vor allem bei den Briten pflegen. Bei allen Konventionen sind gerade hier auch Spleens und Marotten akzeptiert.</p><h2>Spitzwegs Bilder – Voll liebenswerter Schrullen</h2><div id="attachment_4224" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/buecherwurm.jpg" alt="Gemälde Mann auf Leiter vor Bücherwand " width="250" height="469" class="size-full wp-image-4224" /><p class="wp-caption-text">Er lebt in seiner eigenen Welt - Spitzwegs exzentrischer Bücherwurm, gemeinfrei; <a href='http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Carl_Spitzweg_021.jpg&amp;filetimestamp=20080123052602' rel='nofollow'>Wikipedia</a><br /></p></div><p>Der <strong>Exzentriker</strong> ist kein neues Phänomen. Carl Spitzweg malte um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein ganze Fülle von Sonderlingen, in einer für ihn typischen Mischung aus liebevoller Karikatur. Oft etwas spitzer und gesellschaftskritischer als auf den ersten Blick zu sehen, doch nie boshaft.</p><p>Er zeigt Menschen, die am normalen Leben nicht richtig teilnehmen und die sich stattdessen in Nischen des Lebens eingerichtet haben. &#8220;Der Bücherwurm&#8221; (siehe Abb. links), &#8220;<a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/3d/Carl_Spitzweg_027.jpg/479px-Carl_Spitzweg_027.jpg">Der Kaktusfreund</a>&#8220;, &#8220;<a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f2/Carl_Spitzweg_033.jpg/804px-Carl_Spitzweg_033.jpg">Der Schmetterlingsjäger</a>&#8221; sind solche sonderbaren Exemplare. Kritischer gemeint ist wohl der &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zeitungsleser_im_Hausg%C3%A4rtchen">Zeitungsleser im Hausgärtchen</a>&#8220;, auch wenn er uns heute ein wenig an Loriot Figuren erinnert.</p><p>Spitzweg muss eine Seelenverwandtschaft mit diesen Sonderlingen gehabt haben, als reiner <a href="http://www.psyheu.de/1810/depressionen-gesellschaft-strukturen-weltbild-depressiv/" title="Depressionen (3): die depressive Gesellschaft">Biedermeier</a> Darsteller wird er deutlich verkannt, ein Stück weit stand auch er in und zugleich neben der Gesellschaft seiner Zeit, zuweilen lies er <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gnom,_Eisenbahn_betrachtend">die eigene Exzentrik auch sichtbar werden</a>.</p><h2>… und wie sind sie nun?</h2><p>Man kann es wohl nicht sagen und vielleicht würde man ihnen, die immer etwas anders sind, auch nicht gerecht werden, sperrte man sie in den Käfig enger und eindeutiger Normierungen.</p><p>Bunt sind sie, anders. Manchmal gewiss etwas verrückt, manchmal getrieben, nicht selten jedoch glücklich, im Einklang mit sich und der Welt – auch, wenn es oft die eigene ist.</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4220/exzentriker/">Exzentriker</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/carsten/">Carsten</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.psyheu.de/4220/exzentriker/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Suchverhalten von Internetnutzern &#8211; eye tracking-Analysen beim User</title><link>http://www.psyheu.de/4123/suchverhalten-internetnutzer-eye-tracking/</link> <comments>http://www.psyheu.de/4123/suchverhalten-internetnutzer-eye-tracking/#comments</comments> <pubDate>Thu, 19 Apr 2012 10:00:57 +0000</pubDate> <dc:creator>Juliane</dc:creator> <category><![CDATA[Featured]]></category> <category><![CDATA[Gesellschaft, Umwelt & Medien]]></category> <category><![CDATA[Slider]]></category> <category><![CDATA[eye tracking]]></category> <category><![CDATA[Internetnutzer]]></category> <category><![CDATA[Suchverhalten]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.psyheu.de/?p=4123</guid> <description><![CDATA[<p>Wie gehen Internetnutzer bei der Suche nach Informationen auf google und Co. vor? Welche links wählen sie aus? Eine Studie verrät mehr.</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4123/suchverhalten-internetnutzer-eye-tracking/">Suchverhalten von Internetnutzern &#8211; eye tracking-Analysen beim User</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/juliane/">Juliane</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Das Statistische Bundesamt veröffentlichte kürzlich Statistiken, nach denen 76% der Deutschen das Internet täglich bzw. fast täglich für private Zwecke nutzen (Statistisches Bundesamt, 2012a). Im Vordergrund steht dabei die Suche nach Informationen über Produkte und Dienstleistungen, gefolgt von der Nutzung sozialer Netzwerke (Statistisches Bundesamt, 2012b). Da täglich neue Internet-start ups die digitale Welt stürmen, wird das Ringen um die vorderen Plätze bei Suchmaschinen wie Google und Co. immer bedeutender. Grund genug für uns, sich dem <strong>Suchverhalten von Internetnutzern</strong> aus wissenschaftlicher Sicht zu nähern.</p><h2>eye tracking beim Suchverhalten von Internetnutzern</h2><p><strong>Eye tracking</strong> hat sich als eine Methode etabliert, das Suchverhalten von Internetnutzern zu erfassen. Hierbei werden mittels einer speziellen Kamera die <em>Augenbewegungen</em> der Studienteilnehmer <em>aufgezeichnet</em>, wie z.B. die Fixationen der Augen, d.h. das gezielte Fokussieren von etwas über einen Zeitraum von 200-300 Millisekunden.</p><div id="attachment_4211" class="wp-caption alignright" style="width: 340px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/suchverhalten-internetnutzer-eye-tracking.jpg" alt="eye tracking-Kamera" width="330" height="188" class="size-full wp-image-4211" /><p class="wp-caption-text">Mit eye tracking das Suchverhalten von Internetnutzern erfassen &copy; <a href='http://www.flickr.com/photos/markdolby/5761911254/' rel='nofollow'>Mark Dolby</a> under <a href='http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de' rel='nofollow'>cc</a></p></div><p>Granka et al. (2004) von der Cornell University untersuchten in ihrer Studie zum Suchverhalten von Internetnutzern mittels eye tracking, wie User vorgehen, bevor sie einen link auf der ersten Ergebnisseite anklicken. Die Probanden erhielten Aufgaben, bei denen sie Informationen zu Themen wie Wissenschaft, Film, Politik, Fernsehen etc. suchen sollten. Die Studienteilnehmer sollten dabei wie üblich vorgehen und hatten keine Kenntnis davon, dass es um das Suchverhalten von Internetnutzern ging.</p><p>Untersucht wurde, inwiefern für das Suchverhalten von Internetnutzern die Rangpositionen der Treffer auf der Ergebnisseite eine Rolle spielen und ob die Meta-Descriptionen (also die Kurzbeschreibungen der links) darüber hinaus beeinflussend sind.</p><h2>Rang und Meta-Description wichtig?</h2><p>Im Durchschnitt benötigten die Probanden ca. 8 Sekunden, bevor sie einen weiterführenden link auswählten oder die erste Ergebnisseite auf andere Art verließen. Sowohl Rangpositionen als auch Meta-Descriptionen auf der Ergebnisseite spielen bei der Linkauswahl und damit beim Suchverhalten von Internetnutzern eine entscheidende Rolle.</p><h3>Vordere Ränge meiste Aufmerksamkeit</h3><p>In Bezug auf das Suchverhalten von Internetnutzern zeigte sich in der Studie, dass die Mehrheit der User einen <em>link auf der ersten Ergebnisseite</em> auswählte, anstatt auf die nächste Ergebnisseite zu navigieren.</p><p>Vor allem bei der <em>ersten und zweiten Position</em> der Ergebnisseite zeigte sich mit Abstand die längste Fixationsdauer und somit die <em>meiste Beachtung</em> seitens der User. Für alle nachfolgenden Positionen nach Rang 2 nahmen Fixationsdauer und Linkauswahl stetig ab. Überraschend war, dass obwohl die Fixationsdauer bei der ersten und zweiten Position der Ergebnisliste ungefähr gleich war, User dennoch wesentlich häufiger den ersten link anklickten (fast viermal so häufig).</p><p>Inwiefern spielen also Meta-Descriptionen zur Beschreibung der weiterführenden links eine Rolle bei der Linkauswahl?</p><h3>Meta-Descriptionen wichtig</h3><p>Granka et al. (2004) fanden, dass User, welche links auf den hinteren Rängen auswählten, signifikant mehr <em>Meta-Descriptionen</em> lasen. Es scheint also, dass Meta-Descriptionen in Bezug auf das Suchverhalten von Internetnutzern durchaus ihre <em>Bedeutung</em> haben: Finden User auf den vorderen Rängen anhand der Kurzbeschreibungen keine für sie passenden Treffer, fokussieren sie die nachfolgenden Treffer der Ergebnisseite. Finden sie einen passenden link zur Auswahl, schauen User maximal noch die Meta-Description des nachfolgenden Treffers an. Alle anderen finden keine weitere Beachtung mehr.</p><p>Das Suchverhalten von Internetnutzern scheint sich also in der Art zu gestalten, dass User sich vor allem <em>zielgerichtet von oben nach unten</em> durch die Ergebnisliste durcharbeiten. Die besten Chancen angeklickt zu werden, haben demzufolge die vorderen Ränge. Dies allerdings nur, wenn auch die Meta-Descriptionen für den User vielversprechend sind.</p><p><em>Quellen:</em></p><ul><li>Granka, L.A., Joachims, T. &amp; Gay, G. (2004). Eye-tracking analysis of user behavior in WWW search. In: SIGIR &#8217;04: Proceedings of the 27th annual international ACM SIGIR conference on Research and development in information retrieval New York, NY, USA: ACM Press (2004) , p. 478-479.</li><li>Statistisches Bundesamt (2012a). Private Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien 2011. Durchschnittliche Nutzung des Internets durch Personen. Verfügbar unter: <a href="https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/EinkommenKonsumLebensbedingungen/ITNutzung/Tabellen/NutzungInternetGeschlecht_IKT.html?nn=50780">https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/EinkommenKonsumLebensbedingungen/ITNutzung/Tabellen/NutzungInternetGeschlecht_IKT.html?nn=50780</a> [15.04.2012].</li><li>Statistisches Bundesamt (2012b). Private Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien 2011. Personen mit Internetaktivitäten zu privaten Zwecken. Verfügbar unter: <a href="https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/EinkommenKonsumLebensbedingungen/ITNutzung/Tabellen/NutzungInternetPrivZweckeGeschlecht_IKT.html?nn=50780">https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/EinkommenKonsumLebensbedingungen/ITNutzung/Tabellen/NutzungInternetPrivZweckeGeschlecht_IKT.html?nn=50780</a> [15.04.2012].</li></ul><p><a href="http://www.psyheu.de/4123/suchverhalten-internetnutzer-eye-tracking/">Suchverhalten von Internetnutzern &#8211; eye tracking-Analysen beim User</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/juliane/">Juliane</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.psyheu.de/4123/suchverhalten-internetnutzer-eye-tracking/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Wann ist man psychisch krank und was bedeutet das?</title><link>http://www.psyheu.de/4182/psychisch-krank/</link> <comments>http://www.psyheu.de/4182/psychisch-krank/#comments</comments> <pubDate>Wed, 11 Apr 2012 10:06:37 +0000</pubDate> <dc:creator>Carsten</dc:creator> <category><![CDATA[Featured]]></category> <category><![CDATA[Psyche & Persönlichkeit]]></category> <category><![CDATA[Slider]]></category> <category><![CDATA[Gesundheit]]></category> <category><![CDATA[krank]]></category> <category><![CDATA[Panikattacken]]></category> <category><![CDATA[psychisch]]></category> <category><![CDATA[psychosomatisch]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.psyheu.de/?p=4182</guid> <description><![CDATA[<p>Wann ist man psychisch krank und was bedeutet das? Gibt es eine definitive Grenze und wie geht man mit der Erkenntnis um, psychisch krank zu sein?</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4182/psychisch-krank/">Wann ist man psychisch krank und was bedeutet das?</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/carsten/">Carsten</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Psychische Erkrankungen sind häufig, die häufigsten sind <a href="http://www.psyheu.de/1761/depressionen-burnout-symptome/" title="Depressionen (1): das Krankheitsbild">Depressionen</a> und Angststörungen, aber auch andere Formen nehmen immer mehr zu. Dennoch, <strong>psychisch krank</strong> will man nicht sein, das hat für einige, besonders ältere, Menschen immer noch den Beigeschmack von &#8220;irre&#8221; und &#8220;verrückt&#8221;. Rheuma oder Diabetes sind sozial etabliert, aber Depressionen?</p><div id="attachment_4183" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/panik.jpg" alt="Panik schwarz weiß" width="300" height="169" class="size-medium wp-image-4183" /><p class="wp-caption-text">Panikattacken gehören zu den schlimmsten Erfahrungen überhaupt &copy; <a href='http://www.flickr.com/photos/nate/321938695/' rel='nofollow'>Nate Steiner</a> under <a href='http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de' rel='nofollow'>cc</a></p></div><p>In stiller Koalition werden Patienten vom Hausarzt zum Spezialisten, zur Klinik und wieder zurück geschickt, um nur ja irgendeine körperliche Ursache zu finden. Allenfalls lässt man &#8220;zu viel Stress&#8221; noch durchgehen, aber selten stößt die Aussage &#8220;Ihr Leiden könnte psychosomatisch sein&#8221; auf Gegenliebe. Dabei weiß man längst, dass sehr viele, wenn nicht die meisten Patienten in Hausarztpraxen <a href="http://www.therapie-in-duesseldorf.de/psychosomatik-psychosomatische-symptome.html">psychosomatische Leiden</a> mitbringen. Doch fühlt man diese Leiden tatsächlich im Körper. Rasende Schmerzen, ein pochendes Herz, Schlaflosigkeit, völlige Erschöpfung, Magenkrämpfe oder Impotenz. Das bildet man sich nicht ein und dies macht den Schritt zur Einsicht mitunter schwer, denn sehr <a href="http://www.psyheu.de/1982/somatoforme-stoerungen-diagnose-behandeln/" title="Somatoforme Störungen: Warum sie erst spät diagnostiziert und behandelt werden">oft ist der Körper beteiligt</a>.</p><h2>Krankheit und Gesundheit</h2><p>&#8220;Und dann wurde ich plötzlich krank.&#8221; Wie der Blitz aus heiterem Himmel scheint da jemand getroffen worden zu sein. Auf einmal die <a href="http://www.psyheu.de/1476/angst-agoraphobie-flooding-konfrontation-konditionierung/" title="Agoraphobie – Konfrontation besiegt die Angst">Panikattacken</a>, mit der Angst einen Herzinfarkt zu erleiden. Das EKG ist normal, man ist für den Moment erleichtert, doch die Angst kommt immer wieder. Doch auch wer weiter funktioniert muss nicht gesund sein, sondern mutet sich nur noch mehr zu.</p><p>Erkennt man die psychische Komponente ist erste Reaktion oft die Frage, wie man denn jetzt (und das möglichst schnell) wieder gesund wird.  Verständlich, aber was soll das heißen? Wieder so zu funktionieren wie vorher? Als hätte die Krankheit keine Ursache, keine Vorgeschichte. Meistens resultiert sie aus den Jahren davor, mit etwas zu viel Alkohol, mehr <a href="http://www.psyheu.de/1789/stress-schwaecht-immunsystem-strategien/" title="Stress schwächt das Immunsystem: Was man tun kann">Stress</a> als einem gut tat, <a href="http://www.psyheu.de/2112/krisenmanagement-bewaeltigungsstrategie-partner/" title="Erfolg in der Partnerschaft: Krisenmanagement (1)">Beziehungsproblemen</a>, die man nicht sehen wollte.</p><p>Muster, die sich wie rote Fäden durch die Biographie ziehen, die einem bisher als selbstverständlich erschienen, so lebt &#8220;man&#8221; doch, oder? Als könne man anders leben, einfach so. Eine psychische Krankheit stellt Gewohnheiten infrage. Manche davon sind ganz unbewusst und bedürfen einer tiefenpsychologischen Aufarbeitung, andere sind nur nie hinterfragt worden.</p><p>Krankheit ist auch die Möglichkeit Bilanz zu ziehen, über das bisherige Leben. Irgendwie scheint Sand ins Getriebe gekommen zu sein. Früher war doch alles so einfach. Und dann kam die Angst, die Leere, diese Kraft- und Hoffnungslosigkeit,  so kennt man sich gar nicht. Man ahnt, dass es nicht mehr so weiter geht.</p><p>Nicht alle psychischen Krankheiten haben tiefsitzende biographische Ursachen und manche sind zum Teil angeboren. Wer einen schlimmen Unfall hatte, Opfer von (sexueller) Gewalt wurde oder Monate unter unerträglichem Stress litt, muss keine frühe Störung mitbringen  um Krankheitssymptome zu entwickeln. Hierfür gibt es gute <a href="http://www.psyheu.de/3902/trauma-emdr-entspannung-angst-verdraengung/" title="Das Trauma entspannt angehen – EMDR-Methode bei Traumatisierung">Traumatherapien</a>. Der Beginn dieser Probleme ist recht genau festzusetzen, doch sind solche Fälle eher die Ausnahme und auch alte Muster brauchen aktuelle Auslöser, den Tag, an dem alles anders wurde.</p><h2>Ein lautloser Übergang</h2><div id="attachment_4186" class="wp-caption alignleft" style="width: 360px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/neue-ziele1.jpg" alt="Mann Berg blauer Himmel" width="350" height="263" class="size-full wp-image-4186" /><p class="wp-caption-text">Psychische Gesundheit ermöglicht neue Ausblicke &copy; <a href='http://www.psyheu.de/author/carsten/' rel='nofollow'>C.Börger</a></p></div><p>Wann jemand psychisch krank ist, kann man nicht genau sagen, es gibt keine starre Grenze, oft ist es eher ein schleichender Prozess. Man braucht Zeit und Mut, um sich selbst damit zu konfrontieren, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. Oder hohen Leidensdruck. Darum ist der Status von vorher oft auch keiner, der wieder anzustreben ist. Denn genau aus dem stillen Funktionieren, der chronischen Überforderung, der Missachtung der eigenen Bedürfnisse, resultieren viele Probleme.</p><p>Man kann auch nicht sagen, wann jemand wieder gesund ist. Krank zu sein, auch <strong>psychisch krank</strong> zu sein, bietet immer auch die Chance Neues zu lernen und so wenig man sagen kann, wann jemand richtig Gitarre oder Englisch beherrscht, so wenig kann man sagen, wann er psychisch genug gelernt hat. Oft merkt man es rückblickend, dass das eigene Empfinden oder der ehemalige Patient anders geworden ist und Kompetenzen dazugewonnen wurden.</p><p>Nicht selten ist die Lebensqualität nachher sogar besser, als vorher. Die Freude echt, die Entspannung ohne Alkohol möglich, die körperliche Haltung verändert, der Blick wacher. Man ist vielleicht nicht der, den die anderen kannten, aber dafür so, wie man selbst sein möchte. Und das ist ein gutes Zeichen, für Gesundheit.</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4182/psychisch-krank/">Wann ist man psychisch krank und was bedeutet das?</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/carsten/">Carsten</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.psyheu.de/4182/psychisch-krank/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Die ungepflegte Gesellschaft</title><link>http://www.psyheu.de/4136/ungepflegte-gesellschaft-pflegenotstand/</link> <comments>http://www.psyheu.de/4136/ungepflegte-gesellschaft-pflegenotstand/#comments</comments> <pubDate>Tue, 03 Apr 2012 10:00:45 +0000</pubDate> <dc:creator>Carsten</dc:creator> <category><![CDATA[Featured]]></category> <category><![CDATA[Gesellschaft, Umwelt & Medien]]></category> <category><![CDATA[Slider]]></category> <category><![CDATA[Gesellschaft]]></category> <category><![CDATA[Pflege]]></category> <category><![CDATA[Pflegenotstand]]></category> <category><![CDATA[Pflegepersonal]]></category> <category><![CDATA[Überforderung]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.psyheu.de/?p=4136</guid> <description><![CDATA[<p>Volle Betten, leere Kassen und überfordertes Personal. Werden wir eine ungepflegte Gesellschaft?</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4136/ungepflegte-gesellschaft-pflegenotstand/">Die ungepflegte Gesellschaft</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/carsten/">Carsten</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></description> <content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4146" class="wp-caption alignright" style="width: 221px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/krankenschwester-211x300.jpg" alt="Krankenschwester und alte Frau" width="211" height="300" class="size-medium wp-image-4146" /><p class="wp-caption-text">Das Pflegepersonal - motiviert, doch oft überfordert &copy; <a href='http://www.pflege-uns-reichts.de/bilder/presse/dbfk_08.jpg' rel='nofollow'>DBfK</a> under <a href='http://www.pflege-uns-reichts.de/pressefotos.html' rel='nofollow'>Pressefoto</a><br /></p></div><p><a href="http://www.psyheu.de/2051/burnout-erschoepfung-stressfaktoren-arbeitslast/" title="Die Entstehung von Burnout am Arbeitsplatz"><br /> Stress</a> und Überforderung im Berufsalltag der Pflegekräfte, haben nicht nur Auswirkungen auf die direkt Betroffenen und ihre Familien, sondern in immer breiterem Umfang auf die gesamte Gesellschaft. Was dem bevölkerungsstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen heute schon droht und zukünftig noch mehr (und man darf annehmen, dass das nicht auf NRW beschränkt ist), ist ein <a href="http://www.presseportal.de/pm/55903/2118606/waz-studie-nrw-droht-pflegenotstand">massiver Pflegenotstand</a>, wir stehen in der Gefahr eine, im wörtlichen Sinne, <strong>ungepflegte Gesellschaft</strong> zu werden.</p><p>Für eine alternde Gesellschaft, mitten im <a href="http://www.psyheu.de/2697/demographische-wandel-schrumpfvergreisung/" title="Der demographische Wandel">demographischen Wandel</a>, bedeutet das aber, dass immer mehr Pflegekräfte gebraucht werden. Schon heute fehlen, nach Angaben des <a href="http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/studierte-altenpfleger-und-krankenschwestern-wenn-die-pflege-zur-wissenschaft-wird-11508787.html">Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste</a>, rund 30.000 Pflegekräfte, im Jahr 2050 werden 1 Million Pflegekräfte benötigt.</p><p>Das hat nicht nur Folgen für die ältere Generation, es bedeutet auch höhere Kosten und größere Belastungen für die jüngere – und kann zu psychosozialen Spannungen führen.</p><p>Durchschnittlich acht Jahre bleibt eine Pflegekraft in ihrem Beruf, bis zur Kündigung, wegen Überforderung: <a href="http://www.psyheu.de/1761/depressionen-burnout-symptome/" title="Depressionen (1): das Krankheitsbild">Burnout</a>, Rückenprobleme, mangelnde Anerkennung von Vorgesetzen, schlechte Bezahlung, sind einige der Gründe. Besorgniserregend ist, dass die Besten, da sie sich ihren Beruf <em>so</em> nicht vorgestellt haben, zuerst gehen, nämlich im Schnitt nach fünf Jahren. Wenn aber verstärkt diejenigen bleiben, die ihren &#8220;Job&#8221; nur noch unmotiviert durchziehen, sind wir in der Gefahr <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/england-quaelt-seine-alten/5880244.html">englische Verhältnisse</a> zu bekommen. Dabei beschränken sich die Autoren der Studie nicht nur auf die Darstellung der Zustände, sie bieten auch Lösungen an.</p><h2>Was muss sich ändern?</h2><p>Die Zahlen klingen und sind dramatisch, doch unerreichbar ist die Lösung nicht. Ein einziges Jahr mehr zu arbeiten würde ausreichen und der aktuelle Missstand wäre behoben. Dazu müsste nicht nur das Berufsbild attraktiver werden, sondern vor allem die Arbeitsbedingungen besser. Immer weniger Pflegekräfte müssen immer mehr Arbeit verrichten, die Verantwortung, der Stress und die Gefahren stehen in oft in einem Missverhältnis zur Anerkennung durch Vorgsetzte und zum Lohn. Die Möglichkeit, sich um leidende Menschen so zu kümmern, wie man es wollte, ist oft nicht ausreichend gegeben, die körperlichen und psychischen Anforderungen sind hingegen hoch.</p><p>Das ist nicht allein das bedauerliche Schicksal eines Berufsstandes, sondern mehr und mehr ein Problem, was uns alle angeht, denn wir sind die Pflegefälle der Zukunft, unsere Eltern schon etwas eher. Die Alternative der häuslichen Pflege ist privat kaum zu schaffen und selten zu bezahlen, die ungepflegte Gesellschaft droht.</p><p>Der Druck, unter dem die PflegerInnen stehen, vor allem der durch Arbeitsüberlastung (zu wenig Personal), zu geringe Anerkennung durch Vorgesetzte, muss sich irgendwo entladen. Er tut es in internen Spannungen beim Pflegepersonal oder in Burnouts, Rückenbeschwerden und anderen, oft psychosomatischen Erkrankungen. Die Situation der <a href="http://www.n-tv.de/politik/Bald-fehlen-152-000-Pfleger-article2082201.html">Unterversorgung</a> wird durch Krankenstand und Frustration dann weiter verschlimmert.</p><p>Einen Trost gibt es dennoch für Pflegekräfte: Wenn auch nicht von immer von Vorgesetzen und Geldgebern gewürdigt, so haben Krankenschwestern, in den Augen der Bevölkerung <a href="http://www.rd-presse.de/pressemitteilungen/european-trusted-brands/feuerwehrleute-krankenschwestern-und-piloten-halten-spitzenposition">einen der vertrauenswürdigsten Berufe</a> überhaupt.</p><h2>Was kann man tun?</h2><div id="attachment_4139" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/leerer-krankenhausflur-300x169.jpg" alt="leerer Flur blaugrau" width="300" height="169" class="size-medium wp-image-4139" /><p class="wp-caption-text">Damit der Anblick menschenleerer Flure kein Alltag wird &copy; <a href='http://www.pflege-uns-reichts.de/bilder/presse/dbfk_07.jpg' rel='nofollow'>DBfK</a> under <a href='http://www.pflege-uns-reichts.de/pressefotos.html' rel='nofollow'>Pressefoto</a><br /></p></div><p>Jeder, der in der Situation ist, auf Pflege für sich oder seine Angehörigen angewiesen zu sein, muss sich klar machen, dass optimale ärztliche und pflegerische Versorgung wichtig ist und uns zusteht. Wo es nicht rund läuft, sollte man keine falsche Scheu vor einer Beschwerde haben, die dem überforderten Personal nicht schadet, sondern nutzt.</p><p>Die Mitarbeiter tun oft ihr Bestes, bei Einsparungen beim Personal werden sie nicht gefragt. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind natürlich <em>auch</em> Wirtschaftsunternehmen. In unser aller Interesse müssen wir uns fragen, ob sie das <em>ausschließlich</em> sein sollen und was uns gute Pflege wert ist.</p><p>Bei einseitig wirschaftlicher Ausrichtung wird die Talsohle wohl erst durchschritten, wenn die Kosten für Gerichtsprozesse aufgrund von Fehlern, die Kosten und Mühen um mehr Personal übersteigen, bis dahin werden wir eine <strong>ungepflegte Gesellschaft</strong> sein und das kann niemand wollen.</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4136/ungepflegte-gesellschaft-pflegenotstand/">Die ungepflegte Gesellschaft</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/carsten/">Carsten</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.psyheu.de/4136/ungepflegte-gesellschaft-pflegenotstand/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Frühförderung von Kindern &#8211; gezielt und maßvoll</title><link>http://www.psyheu.de/4121/fruehfoerderung-kinder-gezielt-massvoll/</link> <comments>http://www.psyheu.de/4121/fruehfoerderung-kinder-gezielt-massvoll/#comments</comments> <pubDate>Thu, 29 Mar 2012 10:00:18 +0000</pubDate> <dc:creator>Juliane</dc:creator> <category><![CDATA[Familie & Erziehung]]></category> <category><![CDATA[Featured]]></category> <category><![CDATA[Slider]]></category> <category><![CDATA[Frühförderung]]></category> <category><![CDATA[Kinder]]></category> <category><![CDATA[Kreativität]]></category> <category><![CDATA[Langeweile]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.psyheu.de/?p=4121</guid> <description><![CDATA[<p>Eltern sind oft verunsichert, ob und inwieweit sie ihre Kinder gezielt fördern sollen. Doch in Maßen kann gezielte Frühförderung durchaus von Nutzen sein.</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4121/fruehfoerderung-kinder-gezielt-massvoll/">Frühförderung von Kindern &#8211; gezielt und maßvoll</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/juliane/">Juliane</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></description> <content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4125" class="wp-caption aligncenter" style="width: 630px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/fruehfoerderung-kinder.jpg" alt="Flyer zur kulturellen Bildung bei Kindern" width="620" height="350" class="size-full wp-image-4125" /><p class="wp-caption-text">Kinder gezielt fördern? &copy; <a href='http://www.flickr.com/photos/60798997@N08/6806087857/' rel='nofollow'>Christoph Brammertz</a> under <a href='http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de' rel='nofollow'>cc</a></p></div><p>Derzeit häufen sich Artikel in den Medien, welche sich eher gegen eine gezielte <strong>Frühförderung von Kindern</strong> aussprechen und dafür stehen, ganz ohne Druck <a href="http://www.fr-online.de/panorama/erziehungsexperte-jesper-juul-eltern-sollen-kindern-luft-zum-atmen-lassen,1472782,11877126.html" title="Eltern sollen Kindern Luft zum Atmen lassen">den Kindern einen eigenen Raum zur Entfaltung zu geben</a>. Diese Artikel nehmen oft darauf Bezug, dass ehrgeizige Eltern ihre Kinder bereits in jungen Jahren für Sprachkurse, Musikunterricht u.ä. anmelden, da sie sich durch diese Frühförderung von Kindern bessere Chancen für deren späteres Leben erhoffen.</p><p>Hintergrund ist die Annahme der Eltern, dass das kindliche Gehirn bekanntermaßen Informationen nahezu aufsaugt und Kindern lernen leichter fällt als im Jugend- und Erwachsenenalter. Und tatsächlich sprechen viele Artikel bezugnehmend auf Langzeitstudien dafür, dass die Frühförderung von Kindern einen <a href="http://www.focus.de/schule/dossiers/fruehfoerderung/fruehfoerderung-vorschule-macht-kinder-erfolgreich_aid_636051.html" title="Vorschule macht Kinder erfolgreich">erfolgreicheren Werdegang</a> mit sich bringen kann.</p><p>Zurück bleiben  verunsicherte Eltern, die nicht wissen, ob und wie stark sie die Interessen des Kindes unterstützen sollen, ohne das hinsichtlich der Frühförderung von Kindern zuviel Druck aufgebaut wird. Dürfen engagierte Eltern etwa die musikalischen Interessen ihres Kindes dahingehend unterstützen, dass sie es zur Musikschule anmelden? Und was ist, wenn das Kind nach drei Wochen Musikunterricht die Lust verliert und stattdessen lieber zeichen möchte? Was ist, wenn es dann nach einiger Zeit doch wieder die Musikschule besuchen möchte?</p><p>Auch bei der Frühförderung von Kindern kann der goldene Mittelweg empfehlenswert sein.</p><h2>Frühförderung von Kindern und kreative Langeweile</h2><p>Zum einen kann <a href="http://www.fr-online.de/panorama/erziehungsexperte-jesper-juul-eltern-sollen-kindern-luft-zum-atmen-lassen,1472782,11877126.html" title="Eltern sollen Kindern Luft zum Atmen lassen"><strong>Langeweile</strong> bei Kindern deren <strong>Kreativität</strong> fördern</a> wie Jesper Juul, ein dänischer Familientherapeut betont. Kinder können Ideen für Beschäftigungen entdecken und erkennen, was ihnen Spaß macht. Zeichnet sich ab, dass sie fortwährend Interesse an einer Sache haben, ergeben sich diesbezüglich durchaus <em>Ansatzpunkte zur Frühförderung</em> von Kindern.</p><p>Es spricht nichts dagegen z.B. das musikalische Interesse der Kinder zu unterstützen, etwa durch den Kauf eines Instrumentes oder die Teilnahme an Musikkursen. Bei der Auswahl dieser möglichen Ansatzpunkte zur Frühförderung von Kindern sollten Eltern jedoch einige Dinge berücksichtigen.</p><h3>Kinder mit einbeziehen</h3><p>Bei der Frühförderung von Kindern sollten diese von Anfang an <em>miteinbezogen</em> werden. Es nützt nichts, dem Kind eine Blockflöte zu schenken, wenn dieses lieber Gitarre spielen möchte. Auf diese Art ist das kindliche Interesse sehr schnell im Keim erstickt. Natürlich muss man nicht sofort ein Klavier kaufen, nur weil das Kind seine Vorliebe für Tasteninstrumente entdeckt hat. Ein einfaches Keyboard tut es zunächst sicher auch. Auch bezüglich der Teilnahme an Kursen sollte das Kind mitentscheiden können.</p><h3>Weniger Druck und mehr Spaß an der Sache</h3><p>Vor allem entscheidend ist, dass Kinder <em>spielerisch lernen</em> sollten. Gemeinsam zu musizieren und Melodien zu ersinnen, bringt oftmals mehr als das strikte Einüben von Tonleitern. Auch spielerisch Englisch zu lernen, z.B. dadurch dass man mit der englisch sprechenden Kindergärtnerin &#8220;Mensch Ärger Dich nicht&#8221; spielt, kann in Bezug auf die Frühförderung von Kindern durchaus positiv gesehen werden.</p><p>Verlieren Kinder die Lust an einer Sache, können Eltern zunächst die Gründe hinterfragen. Eventuell handelt es sich nur um eine vorübergehende Flaute, welcher durch spielerische Animation und einer kleinen Pause zu erneuter Motivation verholfen werden kann. Es schadet ganz sicher auch nicht, Kinder auch mal trotz Unlust am Musikkurs teilnehmen zu lassen. Schließlich haben sie sich selbst in Absprache mit den Eltern für diesen Kurs entschieden und Frustrationen zu überwinden gehört eben auch zur Erziehung von Kindern. Hält das Desinteresse allerdings an, sollte dem nachgegeben werden, da Druck hier Fehl am Platze ist und sich auf die Frühförderung von Kindern eher kontraproduktiv auswirkt.</p><p>Letztendlich sollten sich Eltern aber bezüglich der Frühförderung von Kindern nicht allzu sehr Gedanken machen. Interessen spielerisch zu fördern, ist sicher nicht verkehrt, solange dies in Maßen geschieht. Kinder sollten aber auch öfter ihrer Langeweile überlassen werden, um sich selbst und ihre Interessen zu entdecken. Der goldene Mittelweg ist  also entscheidend.</p><p><em>Quellen:</em></p><ul><li>Focus Schule Online (2011). <em>Vorschule macht Kinder erfolgreich</em>. Verfügbar unter: http://www.focus.de/schule/dossiers/fruehfoerderung/fruehfoerderung-vorschule-macht-kinder-erfolgreich_aid_636051.html [27.03.2012].</li><li>Frankfurter Rundschau (2012). <em>Eltern sollen Kindern Luft zum Atmen lassen</em>. Verfügbar unter: http://www.fr-online.de/panorama/erziehungsexperte-jesper-juul-eltern-sollen-kindern-luft-zum-atmen-lassen,1472782,11877126.html [27.03.2012].</li></ul><p><a href="http://www.psyheu.de/4121/fruehfoerderung-kinder-gezielt-massvoll/">Frühförderung von Kindern &#8211; gezielt und maßvoll</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/juliane/">Juliane</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.psyheu.de/4121/fruehfoerderung-kinder-gezielt-massvoll/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Borderline, wie die Linie zur Fläche wurde</title><link>http://www.psyheu.de/4092/borderline-persoenlichkeitsstoerung/</link> <comments>http://www.psyheu.de/4092/borderline-persoenlichkeitsstoerung/#comments</comments> <pubDate>Wed, 21 Mar 2012 11:00:11 +0000</pubDate> <dc:creator>Carsten</dc:creator> <category><![CDATA[Featured]]></category> <category><![CDATA[Psyche & Persönlichkeit]]></category> <category><![CDATA[Slider]]></category> <category><![CDATA[Borderline]]></category> <category><![CDATA[Borderline-Störung]]></category> <category><![CDATA[Identitätsdiffusion]]></category> <category><![CDATA[Narzissmus]]></category> <category><![CDATA[Persönlichkeitsstörung]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.psyheu.de/?p=4092</guid> <description><![CDATA[<p>Borderline – ein bekannter Begriff, für eine Vielzahl von Erscheinungen. Der Versuch einer Klärung</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4092/borderline-persoenlichkeitsstoerung/">Borderline, wie die Linie zur Fläche wurde</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/carsten/">Carsten</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></description> <content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4102" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/wirr-bunt-gespannt.jpg" alt="Regenbogen computersimuliert" width="300" height="169" class="size-full wp-image-4102" /><p class="wp-caption-text">Die Borderline-Welt ist oft grell und überfordernd &copy; <a href='http://www.flickr.com/photos/jdm1979uk/6842825472/' rel='nofollow'>Motoko Henusaki</a> under <a href='http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de' rel='nofollow'>cc</a><br /></p></div><p>&#8220;<strong>Borderline</strong>&#8221; heißt wörtlich übersetzt &#8220;Grenzlinie&#8221;. In der frühen Phase der Psychoanalyse und Psychologie dachte man in der Tat, es handle sich hierbei um einen sehr engen Bereich, der sich irgendwie gegen die Einordnung in eine der beiden bekannten großen Bereiche, der Neurosen und der Psychosen, sträubt. Die Symptome dessen, was man zunächst als Borderline bezeichnete, schienen zum Teil in die eine Kategorie zu passen, zum Teil in die andere.</p><p>So hatte man die Idee, man habe es mit wenigen, sehr speziellen Erscheinungen zu tun, einem etwas schillernden Phänomen, mit einer auffallenden Symptomatik. Hier hat sich inzwischen einiges geändert und die schmale Linie ist zu einer breiten Fläche gut untersuchter psychischer Krankheitsbilder geworden, den sogenannten <em>schweren Persönlichkeitsstörungen</em>.</p><h2>Terminologische Schwierigkeiten</h2><p>Da diese Erkrankungen in unserer Gesellschaft eine bedeutende Rolle spielen und auch quantitativ ein immer breiteres Terrain einnehmen, ist es wichtig, zunächst einige Begriffe zu klären: Die Ebene &#8220;Schwere Persönlichkeitsstörungen&#8221; wird in der Fachwelt auch &#8220;Borderline-Persönlichkeitsorganisationsebene&#8221; genannt. Sie grenzt sich nach unten, gegen das Gebiet der Psychosen ab und nach oben, gegen das Gebiet der leichten Persönlichkeitsstörungen oder Neurosen. Siehe <a href="http://www.tfp-institut-muenchen.de/picture/BPO_abb1_large.png">Schaubild</a>.</p><p>Mit anderen Worten: Wir finden von unten nach oben (Psychose, Schwere Persönlichkeitsstörung, Neurose), den Organisationsgrad der Psyche betreffend, Ebenen von aufsteigender Komplexität der psychischen Organistation, der Möglichkeiten der gelungenen Interaktion und immer stabileren psychischen Strukturen.</p><p>Die schweren Persönlichkeitsstörungen beschränken sich aber nicht auf die Borderline-Störung, sondern diese befindet sich, zusammen mit anderen bekannteren Persönlichkeitsstörungen, auf dem Niveau dieser Borderline-<em>Persönlichkeitsorganisationsebene</em>. Die Borderline-Störung selbst ist also ein Teil dieser Borderline-Ebene.</p><p>Sie ist inzwischen vergleichsweise bekannt geworden, hat jedoch nun wieder einen anderen Namen angenommen (was aus verschiedenen Gründen nicht selten ist) und wird heute auch &#8220;Emotional instabile Persönlichkeit vom <strong>Borderline</strong> Typ&#8221; genannt.</p><p>Diese fällt vor allem durch ihre <em>Impulisivität</em> auf, mit der die unerträglichen inneren Spannungen abgebaut werden müssen, die sich im Ritzen und anderem selbstverletztenden Verhalten, bishin zu immer wieder inszenierten Selbstmordversuchen äußern können. Hochspannungen, die sich auch in chronischer Angst manifestieren. In der Partnerschaft, meist in Angst verlassen zu werden, doch zugeleich eine, vor zu viel Nähe und Kontrolle. <a href="http://www.amazon.de/s/280-5851150-2533455?ie=UTF8&amp;tag=firefox-de-21&amp;index=blended&amp;link_code=qs&amp;field-keywords=ich%20hasse%20dich%20verlass%20mich%20nicht&amp;sourceid=Mozilla-search">Ich hasse dich &#8211; verlass mich nicht</a>, bringt ein Buchtitel es treffend auf den Punkt.</p><p>Doch längst nicht alle Pathologien dieser Ebene zeigen diese auffallende Symptomatik.</p><h3>Andere schwere Persönlichkeitsstörungen</h3><p>In das Gebiet dieser Borderline-Ebene, fallen neben der Borderline-Störung auch weitere bekannte Vertreter, wie die narzisstische Persönlichkeitsstörung, die paranoide Persönlichkeitsstörung, die schizoide Persönlichkeitsstörung und andere. Einige haben eine sozial auffällige Symptomatik, andere jedoch können sich hervorragend an die Spielregeln der Gesellschaft anpassen.</p><p>All diese Störungen haben gemeinsam, dass bei ihnen eine <a href="http://www.psyheu.de/2577/identitaetsdiffusion-diagnose-narzissmus/" title="Identitätsdiffusion: Wer bin ich, was will ich?">Identitätsdiffusion</a> vorliegt, aber kein Realitätsverlust. Letzterer wäre ein Anzeichen für eine Psychose.</p><h2>Wachsende Bedeutung</h2><div id="attachment_4101" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/gestresste-frau-300x198.jpg" alt="Frau mit Handy" width="300" height="198" class="size-medium wp-image-4101" /><p class="wp-caption-text">Dauernde Spannungen und Stress gehören zum Borderline-Erleben  &copy; <a href='http://www.flickr.com/photos/chmeredith/3088120425/' rel='nofollow'>Christopfer Meredith</a> under <a href='http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de' rel='nofollow'>cc</a><br /></p></div><p>Die Bedeutung der schweren Persönlichkeitsstörungen ist deshalb so groß, weil sie zum einen anwachsen, zum anderen sind es Pathologien, die wir auch in den Spitzen unserer Gesellschaft finden. Nicht nur <a href="http://www.psyheu.de/4065/das-tragische-scheitern/" title="Das tragische Scheitern der Stars">Show-Stars</a>, auch Politiker, Banker, Konzenrnchefs und andere Größen des öffentlichen Lebens – allgemein Menschen in gehobener Position – leiden, vermutlich mehr als der Durchschnitt, unter psychischen Erkrankungen der Borderline-Ebene.</p><p>Während es Menschen mit einer echten <strong>Borderline</strong>-Störung kaum in die Spitzenpositonen der Gesellschaft schaffen, sind Narzissten nicht selten ausgezeichnet angepasst an unsere leistungsorientierte Gesellschaft. Dadurch fällt es ihnen leicht Karriere zu machen (sie verfügen gleichermaßen über <a href="http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin-winter-0910/beitraege/beitrag7.html">oberflächlichen Charme</a>, Ehrgeiz, Egozentrik und Rücksichtslosigkeit) und sie prägen, in entsprechend exponierter Stellung, zunehmend die <a href="http://www.psyheu.de/1810/depressionen-gesellschaft-strukturen-weltbild-depressiv/" title="Depressionen (3): die depressive Gesellschaft">Normen unserer Gesellschaft</a>. Deren zum Teil wachsende soziale Kälte leider ein Faktum ist, das zu einem Krankheitsbild passt, das nur Gewinner und Verlierer, und wenig dazwischen, kennt.</p><p><em>Quelle:</em></p><ul><li>Otto F. Kernberg, <a href="http://www.amazon.de/Schwere-Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rungen-Theorie-Diagnose-Behandlungsstrategien/dp/3608953698/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1332313858&amp;sr=8-1">Schwere Persönlichkeitsstörungen</a>, Klett-Cotta, 1984</li></ul><p><a href="http://www.psyheu.de/4092/borderline-persoenlichkeitsstoerung/">Borderline, wie die Linie zur Fläche wurde</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/carsten/">Carsten</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.psyheu.de/4092/borderline-persoenlichkeitsstoerung/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Das tragische Scheitern der Stars</title><link>http://www.psyheu.de/4065/das-tragische-scheitern/</link> <comments>http://www.psyheu.de/4065/das-tragische-scheitern/#comments</comments> <pubDate>Tue, 13 Mar 2012 10:52:41 +0000</pubDate> <dc:creator>Carsten</dc:creator> <category><![CDATA[Featured]]></category> <category><![CDATA[Gesellschaft, Umwelt & Medien]]></category> <category><![CDATA[Slider]]></category> <category><![CDATA[Houston]]></category> <category><![CDATA[Jackson]]></category> <category><![CDATA[Narzissmus]]></category> <category><![CDATA[Scheitern]]></category> <category><![CDATA[tragische]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.psyheu.de/?p=4065</guid> <description><![CDATA[<p>Warum gelingt es erfolgreichen Stars oft nicht mit ihrem Leben zurechtzukommen? Warum müssen wir immer wieder ihr tragisches Scheitern erleben?</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4065/das-tragische-scheitern/">Das tragische Scheitern der Stars</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/carsten/">Carsten</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal kann man den Eindruck haben, dass zu einem echten Star <strong>das tragische Scheitern</strong> gehört. Whitney Houston, Amy Winehouse und Micheal Jackson sind nur die letzen Glieder einer traurigen Kette. Wie kann die Psychologie das erklären, dass Menschen, die geliebt und bewundert werden, manchmal schön und reich und immer berühmt sind, so auffallend oft im Privatleben durch Eheprobleme, Entziehungskuren und diverse Exzesse von sich reden machen?</p><p>Der Psychiater <a href="http://www.n-tv.de/leute/Whitney-Houston-musste-scheitern-article5483411.html">Boris Bandelow</a> macht dafür die Borderline-Störung verantwortlich und erntet hierfür reichlich Kritik, auch von Fachkollegen. Tatsächlich darf man wohl eher im einen oder andere Fall eine Erkrankung aus dem Spektrum der <a href="http://www.psyheu.de/2577/identitaetsdiffusion-diagnose-narzissmus/" title="Identitätsdiffusion: Wer bin ich, was will ich?">schweren Persönlichkeitsstörungen</a>, zu denen neben der Borderline-Störung selbst, auch die narzisstische Persönlichkeitsstörung und weitere andere zählen, attestieren.</p><p>Eine gewisse Affinität zwischen künstlerisch-kreativen Berufen und Psychopathologien scheint es zu geben.</p><div id="attachment_4066" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img src="http://www.psyheu.de/wp-content/uploads/whitney-houston-300x169.jpg" alt="Whitney Houston" width="300" height="169" class="size-medium wp-image-4066" /><p class="wp-caption-text">Whtiney Houston, ein tragisch gescheiterter Star, gemeinfrei; <a href='http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Whitney_Houston_Welcome_Heroes_7_cropped.JPEG&amp;filetimestamp=20110722063824' rel='nofollow'>Mark Kettenhofen</a><br /></p></div><p>Versetzen wir uns in die Lage eines umjubelten Stars, so mag uns ein Aspekt ins Auge fallen. Viele wurden vielleicht zu früh ins Rampenlicht gezerrt, so dass es schwer sein mag, realistische Beziehungen überhaupt aufzubauen. Überall wo man hinkommt, ist man ein Star. Nicht eben optimal, um auch eine gewisse Erdung und Bodenhaftung zu behalten. Man kann darüber streiten, was Ursache und Wirkung ist, doch die <a href="http://www.psyheu.de/3302/traumdeutung-traumsymbole-assoziieren/" title="Traumdeutung anhand der Objektbeziehungstheorie – Träume (2)">Objektbeziehungstheorie</a> betont die Bedeutung von realistischen Beziehungen.</p><p>Dazu kommt, dass zu den Spielregeln des Starseins eben auch die häufige, manchmal permanente, Medienpräsenz gehört. Manche fühlen sich gezwungen sich immer zu präsentieren und ist man erst einmal eine  Person des öffentlichen Interesses, verschärft sich das. Ob eigener Exhibitionsimus oder äußerer <a href="http://www.psyheu.de/3405/zwaenge-entstehung-angst/" title="Entstehung von Zwängen durch Angst – Zwangsstörungen (1)">Zwang</a>, hier fließen die Grenzen wohl ineinander.</p><p>Für die Presseabteilung, die den Voyeurismus der Leserschaft erzeugt und bedient, ist dann allerdings irgendwann die Ehekrise, die Cellulitisfrage, die neueste Schönheitsoperation, vor allem der zünftige Ehekrach und der siebte Alkohol- oder Drogenentzug eine bessere Schlagzeile, als das neue Album oder der neueste Film. Ein weiterer Baustein für das tragische Scheitern.</p><h2>Der Touralltag, Exzess und Tristesse</h2><p>Ein Star ist auch ein Mensch mit Kopfschmerzen, Liebeskummer oder einfach einem schlechten Tag. Ob <a href="http://www.psyheu.de/3903/keine-angst-tod/" title="Keine Angst vor dem Tod">Ängste</a>, <a href="http://www.psyheu.de/7/selbstbewusstsein-entwicklung-jugend/" title="Selbstbewusstsein entwickelt sich in der Jugend">Selbstzweifel</a> oder Lampenfieber abends auf der Bühne will das Publikum, für das der Auftritt ein Sonderereignis ist, Höchstleistung und die perfekte Show sehen. Jeden Abend. Da kommt man erst mal nicht raus, für die nächsten Monate. Ein zunächst einfacher Weg den Anforderungen immer zu genügen, ist vielleicht der Alkohol, das eine oder andere <a href="http://www.psyheu.de/3475/doping-im-alltag-sucht/" title="Doping im Alltag – die (un)heimliche Sucht">Beruhigungs- oder Aufputschmittel</a>, eventuell kommen härtere Drogen hinzu. Das ist kein Zwang, aber eine Möglichkeit. Leider auch eine, in die Sucht zu rutschen.</p><p>Nach dem Jubel auf den Bühne, die Einsamkeit des Hotelzimmers. Allein, abgeschnitten von allen anderen, die Ohren piepen noch, man istverschwitzt, kaputt.</p><p>Die Diskrepanz ist riesig. Auf der Bühne, kann man seine Stärken präsentieren und erntet oft begeisterte Reaktionen. Dann allein mit sich und seinen Sorgen und Schwächen, seiner inneren Leere. Wird das Leben zur Bühne, die Besonderheit zum Alltag, kann man Leere und Schwächen gannz gut kaschieren, eine Zeit lang.</p><p>Die Mischung aus Spannung, Hochgefühl und Erschöpfung flaut irgendwann ab und wenn niemand da ist, mit dem man reden kann oder die immer gleichen Gesichter in den immer ähnlichen Hotels, machen Leere und Einsamkeit sich breit. Für etwas narzisstische, <a href="http://www.psyheu.de/2860/bipolare-storung-manie-hypomanie-depression/" title="Bipolare Störungen: Wenn die Gefühle Achterbahn fahren">bipolare</a> oder labile Naturen durchaus eine Gefahr. Diverse Exzesse können diese Leere ein Stück weit kompensieren, bis sie selbst zum Problem werden.</p><p>Mit einzigartigem, zumindest weit überdurchschnittlichem Talent ausgezeichnet, doch kaum mehr fähig, den Alltag allein zu bewältigen. Das ist nicht die Regel bei Stars und  keineswegs auf sie beschränkt, aber auch nicht selten und im Rampenlicht und Blitzlichtgewitter wird daraus ein entsprechend greller Kontrast. Wenn die Rolle zur zweiten Haut wird, ist der Sinn für eine Welt drum herum reduziert, manchmal gibt es auch die narzisstische Neigung, allem anderen, außer der eigenen Person, die Bedeutung abzusprechen. Hier sind Spannungen mit der Mitwelt vorprogrammiert, die abgebaut werden müssen.</p><p>Spannungen, die, unverschuldet, oft genug in der Persönlichkeit des Stars angelegt sind und durch die Sonderrolle des Starseins und die besonderen Möglichkeiten im Bezug auf Geld und Kontakte verstärkt werden. Wenn sich diese Komponenten gegenseitig ergänzen, ist die Gefahr hoch, dass  erneut <strong>das tragische Scheitern</strong> eines Stars eintritt.</p><p><a href="http://www.psyheu.de/4065/das-tragische-scheitern/">Das tragische Scheitern der Stars</a>, geschrieben von <a rel="author" href="http://www.psyheu.de/author/carsten/">Carsten</a> und publiziert auf <a href="http://www.psyheu.de">Psychologie Online-Magazin psyheu.de</a></p>]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.psyheu.de/4065/das-tragische-scheitern/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> </channel> </rss>
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